Sie gehört zweifelsohne zu den schönsten Punkten des Frankenwalds: Die Opferstätte auf dem Hainberg bietet einen sagenhaften Ausblick. Von hier aus kann man das 20 Kilometer entfernte Kronach ebenso sehen wie die umliegenden Ortschaften oder auch das Bayreuther Land. Ein Fest fürs Auge, besonders in der Abenddämmerung, wenn überall die Lichter angehen.

Kein Wunder, dass Wanderer oder Erholungssuchende diesen Punkt gerne ansteuern. Doch das Areal, von dem aus gerne Drachenflieger und Hängeleiter starten, macht keinen einladenden Eindruck. Das muss anders werden, beschloss der Stadtsteinacher Matthias "Harry" Baer. Zusammen mit Freunden will er den Aussichtspunkt wieder aufpeppen.

"Überall Zigarettenstummel"

Baer schätzt schöne Landschaften. Gerne zieht der Fotograf mit seiner Kamera durch die nahe Umgebung, um stimmungsvolle Aufnahmen anzufertigen. Er mag Landschaftsmotive. Schon allein wegen seines Hobbys hat der junge Mann ein großes Interesse an einer möglichst intakten Umwelt. So ist es nur allzu verständlich, dass er traurig und wütend zugleich war, als er bei seinem jüngsten Besuch den Zustand der Opferstätte sah. "Überall lagen Zigarettenstummel herum", sagt Baer, der die Facebook-Seite "Stanich-meine Heimat" betreibt.

Ein trauriges Bild bot auch die Sitzecke. Wind und Wetter hatten den Bänken zugesetzt. Sicher auch mancher Zeitgenosse, der an den Sitzmöbeln sein Mütchen gekühlt oder seinen Frust abreagiert hatte. Deshalb beschloss Harry Baer, selbst etwas zu unternehmen und nicht drauf zu warten, bis sich die Stadt der Sache annehmen würde. Der gehört nämlich das Gelände, das im Stadtwald liegt. Er will über den Winter eine komplett neue Sitzgarnitur bauen, um sie dann im kommenden Frühjahr auf dem Berggipfel aufzustellen. Unterstützung bekommt er von seinem Kumpel René Kienzle (34), der Harry nicht selten bei seinen Touren zur Opferstätte begleitet: "Wir laufen da oft rauf. Dauert so eine Stunde", sagt der Ludwigschorgaster.

Der Dritte im Bunde ist Jens Hertel. Der 31-jährige Pressecker findet die Idee toll, eine neue Sitzgruppe zu bauen. Sofort hat er sich dazu bereit erklärt, mitzumachen. Mehr noch: Der Pressecker arbeitet in der Land- und Forstwirtschaft und spendet das Material. "Es wird wahrscheinlich Kiefernholz werden. Das ist beständiger gegen die Witterung", sagt er.

Spenden erwünscht

Das ist aber nur ein Teil der Ausgaben, die auf das Trio zukommen. Sie wollen die Sitzgruppe sichern, damit die Teile nicht mehr wie bisher wild in der Gegend herumgeschmissen werden. So sollen die Möbel fixiert werden. Dazu braucht es unter anderem Anker, Flacheisen. Schrauben und Muttern. Und eine Menge Schleifpapier. Denn das Holz muss nicht nur gesägt, sondern auch geschliffen und entgratet werden. Lasur, die auch nicht gerade billig ist, macht das Material widerstandsfähig gegen die Unbilden der Witterung. Für diese Materialien fehlt noch Geld: Und so sind die drei jungen Männer dankbar für Spenden (Matthias Baer, IBAN DE 03 7715 0000 0000 882381, Sparkasse Kulmbach-Kronach). Damit hoffen sie, die noch klaffende Finanzierungslücke zu schließen.

Unterstützung hat schon die Brauerei Schübel in Aussicht gestellt: Weniger in Form von Geld, sondern durch Sachleistungen. Die Brauerei spenden eine Kiste Bier, damit die drei Männer nicht verdursten müssen bei ihrer Arbeit.

Begrüßt wird das Projekt auch von der Stadt Stadtsteinach. Bürgermeister Roland Wolfrum gefällt das uneigennützige, private Engagement. Dadurch werde die Opferstätte attraktiver für heimische Besucher, aber auch für Touristen und Wanderer. Die freiwillige Initiative spare der Kommune Arbeit und Ausgaben, da sonst irgendwann einmal der Bauhof hätte tätig werden müssen.