von unserem Mitarbeiter Bertram Wagner

Lohndorf — Direkt von TV-Aufnahmen im Münchner Hofbräuhaus in den (wieder einmal ausverkauften) Reh-Saal beim SPD-Kulturherbst Ellertal gekommen, boten die sechs fränkischen Musikanten von "häisd'n'däisd vomm mee" beste "unplugged"-Unterhaltung in vielen Facetten. Dies betrifft sowohl die Vielfalt der Musikinstrumente und einiger unkonventioneller Gegenstände zum Musizieren, als auch die treffenden, spaßigen Sprechgesänge und eine Wortakrobatik der besonderen Art.
Was die "Altneihauser Feierwehrkapell'n" für die Oberpfalz ist, sind die Spaßvögel von "hüben und drüben vom Main" fürs Frankenland. Bereits das lockere Schlendern durch den vollen Saal bei der Eröffnung und die ersten flotten Sprüche vom "Heimschei ...", der nur Wochenendurlaube genießen kann, und der Beweis des "auswärts is er besser als dahemm" mit den Beispielen Bullen, Fußball-Club, Ehemann und Pfarrer entfachte im Publikum eine Begeisterung, die immer wieder angeheizt wurde. Ausgehend vom Bibelspruch "mich dürstet" und ihrer Erfahrung, "wenn der Geist was leisten soll, braucht der Körper Alkohol" - übersetzt "hol den Wein, aber ein Franke muss es sein" - waren Musiker im Vagabunden-Outfit mit bunt-karierten Hemden, nostalgischen Cord-Hosen und Hüten in ihrem Element.


Immer ganz locker

Ob die Zauber-Show mit einer Klarinette, die in Stücke zerlegt wurde, oder die deftige Erklärung des Programm-Titels "... da waggld des Kodledd" mit einem etwas derben Einschlag "Schweinebauch"-Polka (die nackten Bäuche der Musiker im Rhythmus), die "Mee"-Nummer wirkte nicht aufgesetzt. Immer ganz locker und mit einer gewissen Portion Hintersinnigkeit gemischt, so auch die Erzählung vom "weißen Hemd, das noch nie Glügg gebracht hat". Man denke von der Taufe über Hochzeit bis hin zur Beerdigung. Ja, der Tod kam dann auch noch wahrhaftig als Sensenmann auf die Bühne: "Wenn der Herrgott ruft, dann ist Sense!" Für die verschiedenen Berufsgruppen in unterschiedlicher Art und Weise: "Matrosen gehen über Bord, Maurer kratzen ab, Köche geben den Löffel ab und Beamte entschlafen sanft!"


Echte Vollblutmusiker

Gut, dass die fränkischen Vollblut-Musiker dafür "noch etwas Zeit haben und sich ganz hinten anstellen". So können sie weiter ihre Wanderung im Steigerwald auf den Zabel-"Stee" machen und danach die Bestellung "dahemm aufm Kanabee". Apropos Weinflaschen: Nach dem Motto "do pfeif i drauf" wurden Flaschen von Schoppengröße bis zum Drei-Liter-Boxbeutel zu Musik-Blas-Instrumenten umfunktioniert.
Ein paar Kilometer weiter vom Weinland entfernt lebt Michael Saffer, der als Friesener quasi in Lohndorf ein Heimspiel hatte und dies mit einem Posaunen-Solo in einen wahren Hochgenuss verwandelte. Der Reh-Saal "kochte"!
Es wurde, meist von Moderator Stefan Ebert, auch philosophiert ("nicht alle haben den gleichen Horizont, die unter demselben Himmel wohnen") und den Zuschauern geholfen, indem die Künstler leibhaftig auf die Suche nach Flöhen in diversen Haarprachten gingen.
Die wertvollsten Tipps erhielten die Männer in der "Zugabe": Es wurden Rezepte angepriesen, wie man nach einer durchzechten Nacht die "Angst vor der Begegnung mit der eigenen Frau" bewältigen könne. Damit schloss sich der Kreis "auswärts besser als dehemm"! Ihr Auswärtsspiel in Lohndorf haben "häisd'n'däisd" souverän gewonnen.