Der Gartenbauverein im Altenkunstadter Gemeindeteil Strössendorf zählt zu den ältesten im Landkreis Lichtenfels. Schon vor mehr als 130 Jahren wurde vermerkt, dass sich hier ein "Obstbaumzucht- und Schutzverein" gebildet hatte. Amüsant liest sich eine Anzeige aus dem Jahr 1887: "Die Obstbaumzuchtvereine von Strössendorf, Neuses am Main und der Trebitzmühle zahlen jedem eine Belohnung von zwei Mark, bei Ermittlung des oder der Täter in der Nacht sogar vier Mark, der eine Beschädigung an den Obstbäumen oder die Entwendung von Obst zur Anzeige bringt." Dies liefert den Beweis dafür, dass in diesem Jahr bereits Gartenbauvereine bestanden.

Und nach den Anfangsjahren, als es um die Gründung eines Kreisverbandes in Lichtenfels ging, konnte der Strössendorfer Verein schon mit weit über 100 Mitgliedern aufwarten.

In der Anfangszeit wirkten meist die Dorfschullehrer oder wie im Falle von Strössendorf der Seelsorger entscheidend im Verein mit. Denn ihr Wort hatte immer Gewicht und fand Unterstützung. Es ist beispielsweise bekannt, dass der "Königliche Pfarrer" Hermann Gutgesell aus Strössendorf im Jahr 1908 Vorsitzender des Gartenbaukreisverbandes in Lichtenfels war. Natürlich gab es von Beginn an ein reiches Betätigungsfeld für die Gartenfreunde von Strössendorf, einem Ort, dem der Dorfanger, die Mainbrücke und vor allen Dingen die evangelische Pfarrkirche, der Schlossgarten und das Schloss selbst ihre Prägung verliehen. Auch das Forsthaus und das mit schmiedeeisernen Fensterkörben versehene "Rentenamtsmannshaus" sind bis in die heutige Zeit und damit teilweise mehr als zwei Jahrhunderte erhalten geblieben.

Die "rüstigen Rentner"

Neben den vielen Nutz- und Ziergärten richteten die Gartenfreunde auch ein besonderes Augenmerk auf die Grünanlagen, den Friedhof und den Schlossgarten. Dies tun in besonderem Maße seit einigen Jahren auch die "rüstigen Rentner"; sie haben wie alle Senioren viel Freizeit und verwenden diese dazu, um die Anlagen nach Kräften zu pflegen, wenden sich auch dem Gottesacker zu und fühlen sich dem Ortsbild von Strössendorf seit vielen Jahren verbunden. Dies geschieht alles auf ehrenamtlicher Basis.

Natürlich war in der Vergangenheit den jeweiligen Vereinsvorsitzenden mit ihren Vorstandsmitgliedern auch immer bewusst, dass ein Gartenbauverein nur weiter blühen und gedeihen kann, wenn er selbst wächst. Ein entscheidender Schritt dazu wurde im April 2011 vollzogen, denn es konnte eine Jugendgruppe, die "Schlosskobolde", gegründet werden.

Umsichtige Jugendleitungen und die Obhut der Vorstände sorgten dabei stets dafür, dass es für die Kleinen alljährlich nicht nur ein interessantes Programm und viele Aktionen gab und gibt, sondern dass diese auch hautnah an die Gartenarbeit herangeführt werden können. Bei vielen Aktionen und Aktivitäten im Ortsteil Strössendorf waren die Kleinsten regelmäßig dabei, erlebten das Wachsen und Gedeihen von Blumen und des Gemüses und konnten sogar voller Stolz die Früchte ihres eigenen Tuns, beispielsweise an einem Hochbeet, ernten.

Zwar zählen die Herbst- und Wintermonate zu den ruhigeren Jahreszeiten, aber trotzdem halten die kleinen Gartenfreunde von Strössendorf keineswegs einen Winterschlaf.

Dekoration in buntesten Farben

Ganz im Gegenteil: Wer derzeit Strössendorf besucht und dabei den Blick auf die Ortsmitte mit dem Brunnen, der mächtigen Dorfeiche und der alten Viehwaage lenkt, wird von einem besonderen Anblick - auch bei Nacht - überrascht: Die altehrwürdige Dorfwaage wird nicht nur durch einen Christbaum erhellt, sondern ist auch durch eine Vielzahl von Tannenzweigen, kleinen Weihnachtsbäumchen sowie selbst gebastelten Strohsternen und Kerzen verziert worden. Durch diese Dekoration erstrahlt sie in den buntesten Farben. Damit haben die Mädchen und Jungen in der Vorweihnachtszeit einen Lichterglanz in das Dorfbild von Strössendorf gebracht. Dieter Radziej