Der Mais ist größer als andere Feldfrüchte. Deshalb ist der Abstand zwischen den einzelnen Halmen auch größer. Zwischen den Pflanzen ist nichts als der nackte Boden. Bei Starkregen kann sich das Wasser ungehindert seinen Weg durch das Feld bahnen und darunterliegende Gebäude überfluten. So geschehen im Juli, wo es mehrfach im Altenkunstadter Raum zu Überschwemmungen gekommen war.

In der Sitzung des Bauausschusses stellte man sich nun die Frage: „Wie können solche Ereignisse zukünftig verhindert werden?“ An einem runden Tisch mit Grundstückseigentümern- und Pächtern, Behörden, Kommunalpolitikern und betroffenen Bürgern sollte eine Antwort auf diese Frage gefunden werden.

Auf den Zuschauerbänken saß mit Andrea und Norbert Müller ein betroffenes Ehepaar. Am 9. Juli hatte es in Strössendorf wie aus Kübeln gegossen. „Wasser und Erdmassen schossen vom Maisfeld, das sich oberhalb unseres Anwesens im Hirtengraben befindet, in das Erdgeschoss und richteten einen Schaden von 20 000 Euro an“, berichtete Norbert Müller im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Schaden hätte nach Ansicht von Norbert Müller verhindert werden können. Müller hatte das Landratsamt auf die Gefahr, die von dem Maisfeld ausgeht, aufmerksam gemacht. Die Behörde hatte dem Landwirt auferlegt, bei einem Maisanbau begrünte Erosionstreifen als Hochwasserschutz anzulegen. Der Bauer wiederum hatte einen Unternehmer mit der Anpflanzung von Mais betraut. Letzterer wusste von nichts und so nahm das Unheil seinen Lauf.

„Den Mais wieder zu entfernen, hält das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Coburg für kontraproduktiv“, sagte Müller. Bürgermeister Robert Hümmer ( CSU ) verwies darauf, dass in Altenkunstadt nicht die beiden großen Fließgewässer, der Main und die Weismain, für Überschwemmungen sorgten. Dafür seien vielmehr große Flächen, auf denen Mais angebaut wird, verantwortlich. Unterhalb der Maisäcker liegende Grundstücke würden dann bei Starkregen überflutet. Schon 2016 habe es ähnliche Ereignisse gegeben. Für sinnvoll erachtete es Hümmer, bei allen Maisäckern Grünstreifen anzulegen. „Beim Maisfeld am Gemeindeberg hat es geholfen. Statt Erde und Schlamm kam nur Wasser herunter“, sagte der Bürgermeister. Mais wird auch zur Energiegewinnung in Biogasanlagen verwendet. Als Alternative zum Biogas-Mais empfahl das Gemeindeoberhaupt die Becherpflanze Silphie, die besser vor Erosion schütze.

Der Pfaffendorfer Ortssprecher Georg Baier erinnerte daran, dass die Landwirte früher auf ihren Feldern kleine Wasserrinnen angelegt hätten, in denen das Wasser kontrolliert abfließen konnte. Hans-Werner Schuster ( CSU ) sprach sich dafür aus, ein Gesamtkonzept mit Prioritätenliste zu erarbeiten. In dieses müssten breite Grünstreifen und andere Rückhaltemaßnahmen miteinfließen. Stephanie Dittrich (Bündnisgrüne) regte an, sich bei der Stadt Lichtenfels zu erkundigen, wie diese versuche, der Überschwemmungsproblematik Herr zu werden. Dort sorgt ein Maisacker unweit des Klinikums immer wieder dafür, dass sich eine braune Brühe auf die Straße ergießt.

Der Strößendorfer Ortssprecher Christoph Domes und der Bürgermeister sprachen sich dafür aus, sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen, um schnellstmöglich eine Lösung für die Altenkunstadter Überschwemmungsproblematik zu finden. Eine Sichtweise, die von allen Ausschussmitgliedern geteilt wurde.

Weitere Packstation

Zum Schluss gab es noch ein ganz anderes Thema: Knapp vier Milliarden Päckchen und Pakete werden jedes Jahr in Deutschland verschickt. Und das immer öfter über eine der rund 7000 Packstationen, die es zwischen Flensburg und Berchtesgaden gibt. Nun kommt in Altenkunstadt eine weitere hinzu. Der 75 Zentimeter breite und fünf Meter lange Automat wird auf dem Gelände des Altenkunstadter Fachmarktzentrums unweit des Fischstandes errichtet, der jeden Freitag zwischen dem Discounter Lidl und dem Supermarkt Rewe seine Zelte aufschlägt.