Mit seiner prägenden evangelischen Pfarrkirche und dem ansprechenden Schloss, die sich fast wie Geschwister am Mainufer erheben, bildet der Altenkunstadter Gemeindeteil Strössendorf einen sehenswerten Anblick. Im Ort gab und gibt es aber auch ein rühriges Vereinsleben. Gerade in den jetzigen Corona-Zeiten sei daran erinnert, dass Strössendorf mitunter das Ziel Tausender von Wanderern war.

Neben der Kirchengeschichte, die sich durch Jahrhunderte nachvollziehen lässt, belegen Gründungsurkunden, dass sowohl die freiwillige Feuerwehr als auch der Gartenbauverein weit mehr als ein Jahrhundert hinter sich gebracht und manche, wie die Gartenfreunde , teilweise sogar zu den ältesten Vereinen im Landkreis Lichtenfels zählen. Einige Traditionsvereine im Ort haben ihre Tätigkeit inzwischen eingestellt oder sind vollends erloschen. Und von anderen, die ebenfalls eine lange Wegstrecke zurückgelegt haben, war viel Flexibilität und ein stetiges Anpassen an die allgemeine Entwicklung erforderlich, um einer breiten Bevölkerungsschicht Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten und damit weiterhin bestehen zu können.

Zu einem dieser Vereine zählt der im Jahr 1928 gegründete Turnverein Strössendorf . Zeitweise wurde dieser Verein als die „Schmiede der Leichtathletik“ bezeichnet, denn über Jahrzehnte hinweg sorgten die Strössendorfer Sportler in ganz Bayern und sogar über die Landesgrenzen hinaus bei Deutschen Meisterschaften für Aufsehen.

Als das Auto stehen bleiben musste

Die Energiekrise brachte eine breite Bevölkerungsschicht früher unwillkürlich in Bewegung. An den „autofreien Sonntagen“ blieb den Bürgern nichts anderes übrig, als das Fahrzeug stehen zu lassen, zu Fuß zu gehen oder auf das Fahrrad umzusteigen. In den gegenwärtigen Corona-Zeiten hat die Mobilität mit Ausgehverboten eine ähnliche Entwicklung genommen. Damit erlebten aber zwei Freizeitbetätigungen eine ganz besondere Renaissance: das Radfahren und das gemeinsame Wandern . Viele Wege wurden neu ausgeschildert und mitunter kamen neue Kinderspielplätze hinzu, so dass die Familienausflüge an Bedeutung gewannen.

Ein Verein am Obermain, der sich neben seinen eigentlichen leichtathletischen und gymnastischen Betätigungen sowie dem Kinderturnen dem Breitensport Wandern frühzeitig zuwandte, war der Turnverein Strössendorf . Der engagierte Vorstand mit Simon Schmidt und Rudolf Jahn an der Spitze griff die Tradition der IVV-Wanderungen auf. Denn es hatte sich erwiesen, dass diese in der Zeitepoche der siebziger Jahre den jeweiligen Veranstaltern einen ungeahnten Besucheransturm bescherten.

Dekorativ gestaltete Medaillen

Bald waren es nicht nur einzelne Tourengänger, sondern Eheleute, Familien und sogar Vereine, die die Wanderstiefel schnürten. In schöner Regelmäßigkeit wurden dabei meist zwei Strecken, eine etwas anspruchsvoller und eine etwas kürzer, zusammengestellt, so dass jeder kleine und große Teilnehmer auf seine Kosten kommen konnte. Unterwegs gab es Verpflegungsstellen, und neben dem Naturerlebnis entwickelten sich bald viele freundschaftliche Kontakte. Häufig wurde dabei schon die gemeinsame Teilnahme an der nächsten Wanderung vereinbart. Natürlich fehlte auch die gebührende Anerkennung nicht und es gab jeweils dekorativ gestaltete Medaillen, die – je nach zurückgelegter Strecke – in Gold oder Silber verliehen wurden, Krüge und teilweise sogar Belohnungen für die stärksten Wanderabteilungen in Form von Gruppenpreisen.

Die IVV-Wanderungen des TV Strössendorf , der stets neue attraktive Strecken auswählte, erfreuten sich dabei über viele Jahre hinweg allseitiger Beliebtheit. In „Rekord-Jahren“ nahmen sage und schreibe rund 4000 Wanderlustige daran teil, die vom einstigen Sportplatz an der Zeublitzer Straße aus starteten und nach der Rückkehr hier auch eine gemütliche Einkehr hielten. Es war nicht nur ein Festzelt aufgebaut, sondern auch bezüglich der Bewirtung in jeder Hinsicht vorgesorgt.

„Familien-Wander- und Beweg-Dich-Tage“ veranstaltete in späteren Jahren das Brauhaus Leikeim. Und der 1. FC Altenkunstadt bot sportliche Aktivitäten unter dem Titel „Wander- und Nordic-Walking-Tag“ an.

Die Region am Obermain und die beschauliche Jura-Landschaft bieten sich nach wie vor für Ausflüge aller Art an. Und wer Lust und Laune hat, darf sogar eine der „Genusswanderungen“ durch die Region unternehmen, die – falls es gewünscht wird – auch sachkundig geführt werden.