Zum zweiten Mal muss die Veranstaltung zum Internationalen Frauentag wegen der Corona-Pandemie entfallen. Keine Aktion, keine Vorträge, keine Themen und auch kein gemütliches und leckeres Abendbrotbuffet in einer engagierten Frauenrunde mit dem Team des Aktionsbündnisses "Lichtenfelser Frauengruppen".

Alles hat immer zwei Seiten: Zum einen würde man sich wünschen, dass es solche Veranstaltungen gar nicht mehr geben müsste, weil in der Gesellschaft alles in Ordnung wäre. Geschlechtergerechtigkeit wäre erreicht und völlig akzeptiert, die gläsernen Decken überall wären zersplittert und es gäbe auch darüber Raum genug für Frauen in Führungspositionen . Altersarmut wäre nicht mehr weiblich, nein, sie gäbe es gar nicht mehr. Und Männer und Frauen teilten sich Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit selbstverständlich fifty-fifty! Schön wäre es ...!

Zum anderen wird deutlich, dass die Generation der jungen Frauen nicht mehr so viel Lust hat auf diesen Themenkomplex, dessen das Aktionsbündnis "Lichtenfelser Frauengruppen" sich seit rund 33 Jahren angenommen hat. Am 7. März 2020 gab es in den Medien ein Interview mit einer "Grande Dame" der Politik, Rita Süssmuth . Auf die Frage, ob sie nicht auch den Eindruck hat, dass junge Frauen glauben, es sei doch schon genug erreicht, antwortete sie: "Wenn Frauen das denken, dann irren sie sich. Ich sehe weiterhin eine gläserne Decke, ich sehe Frauen , die sich enttäuscht zurückziehen, ich sehe wie sich durch die rechten Kräfte das gesellschaftliche Klima verändert. Deshalb ist die Frage, wie loyal wir zueinander stehen, ganz zentral."

Bescheidene Schritte

Für diese Loyalität und für Frauensolidarität hat sich das Aktionsbündnis Jahr für Jahr starkgemacht, überparteilich, unabhängig, überkonfessionell. In kleinen, bescheidenen Schritten hat sich dabei auch ein Umdenken, eine neue Frauenkultur etablieren können. Aber die kleinen Erfolge sind zart und leicht zerbrechlich. Momentan gibt es einen kräftigen Gegenwind. Rechte Kräfte vergiften das Klima in der Gesellschaft und vielfach sind es Frauen , die angegriffen, beschimpft oder verunglimpft werden. Dieser Aufwind, den politisch rechts stehende Kräfte momentan haben, wird von einem gehässigen Antifeminismus begleitet. Es gibt grundsätzlich keinen Respekt für Frauen . Frauenverachtung und Frauenhass machen sich breit. Die Corona-Pandemie verstärkt auch diesen Trend. Frauen tragen die größeren Lasten und werden nicht selten wieder in alte Rollenmustern zurückgedrängt. Man musste zur Kenntnis nehmen, dass einige Politikerinnen sich im Netz unflätig beschimpfen lassen mussten. Dagegen sollten Frauen sich vehement wehren und sich diesen Strömungen entschieden entgegenstellen! Keinesfalls darf man es hinnehmen, dass alles, was die Frauenbewegungen während der letzten 150 Jahre erreicht haben, wieder genommen wird.

Rund um den Internationalen Frauentag werden die kritischen Frauenthemen in allen Medien behandelt, danach gibt es dann wieder ein Jahr Pause und man hört so gut wie nichts darüber. Wichtig wäre es aber, bei jeder Gelegenheit den Staat daran zu erinnern, dass er auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirken soll. mhh