Einen kostenlosen Englischkurs gab's im Brauereisaal vom "Bräustübla" unter der Federführung von Tanja Dorweg und Helga Wehrfritz. Mit "Other Roads" hatten sie eine Band eingeladen, die schon seit zehn Jahren durch Upper Frankonia tourt.
Die drei angegrauten Boys schaffen es mit ihrem schlitzohrigen Charme, das fränkische Publikum um den Finger zu wickeln. Wenn sie Englisch sprechen, dann versteht es jeder, und mit ihrer leisen Ironie machen sie nicht nur Musik, sondern umweben jeden Song mit Geschichten und begeistern das oft lauthals lachende Publikum mit spitzbübischen, aber auch melancholischen Erzählungen. Das Publikum sitzt da mit wacher Miene und hellem Geist und ist fasziniert, weil es fast jedes Wort versteht oder weil es gar nicht mehr bemerkt, dass es den englischen Wortwitz automatisch versteht - auch bei eingeschränkten Englischkenntnissen.
Ihre gegenseitigen Neckereien entwickeln eine ganz eigene Dynamik. Greg im Schottenrock, der in Schottland ein namhafter schottischer Fiddledozent ist, aber in Spanien Fiddlekurse gab, muss ständig für Gags herhalten. Wer braucht schon in Spanien einen Fiddler? "Please come back to Britain." Trotz der ständigen Seitenhiebe verbindet Gregor Borland und Dave Walmisley eine tiefe Freundschaft. Greg sei zwar ein Spitzenmusiker und könne nicht texten - sei aber für die Titel der Lieder zuständig. "Gimme a good title, Greg", meint Pete scherzhaft und er und Dave machen dann ein Lied daraus, in dem sie auch ihre Tourerlebnisse verarbeiten. Auf dem Heimweg nach einem Gig entstand in leicht angetrunkenem Zustand - "the streets were wobbeling" - die gefühlvolle Ballade "The cold light of day", in dem es um eine gescheiterte Beziehung und die Aufarbeitung all der schlimmen Dinge geht, die man sich angetan hat.


Fröhliche Musik, trauriger Text

Wesentlich schneller wird's bei "Fishermans knive" einem typisch irisch-schottischen Fiddlelied. Der Gitarrenpart wäre ja so schwer und der Geigenpart äußerst leicht, frotzelt Pete. Der traurige, aber "very positive" Text ganz im Gegensatz zur fröhlichen Spielweise: Er handelt von einem Jungen, dessen Vater in einer Bar durch das Messer eines Fischers umgekommen ist. "I worked from Monday morning, I worked till Sunday night": Sein Fleiß und die Aussicht auf ein besseres Leben haben ihn äußerst erfolgreich werden lassen.
Auch beim sehr wehmütigen "Gone gone gone", worin es um Verlassenheit und Drogenmissbrauch geht, zeigt sich in aller Bandbreite, was Greg als Fiddler und Meister seines Fachs drauf hat. Bei besonders schnellen Tunes müsse er immer die Luft anhalten, witzelt er. Währenddessen verbreitet Daves Stimme wohlige Schauer. Und tatsächlich schaffen sie es, nach dem dritten Refrain, dass das Publikum mitsingt.