Neugierig öffnet die Rektorin der Oberen Schule, Daniela Naujoks, einen von zwei knallroten Koffern, den ihr Präsidentin Sabine Kretschmar und Rosi Müller vom Kiwanis­club gerade überreicht haben. Sofort springt ihr ein "rabenschwarzer" Vogel mit gelbem Schnabel ins Gesicht. "Rabe Socke" überwacht gewissermaßen den eigentlichen Inhalt des Koffers: Das sind in erster Linie kleinere, handliche Bücher mit übersichtlichen Geschichten und auch ein paar Spiele.

Diese Grundausstattung wird künftig die Arbeit von Lernlese-Mentoren mit ihren Schülern ergänzen und erleichtern. Die Idee hinter diesem Konzept, das ab Herbst 2020 in bisher acht Grund- und Mittelschulen im Landkreis praktiziert wird, erklärt die Rektorin so: "Eingebettet in den schulischen Alltag trifft sich einmal wöchentlich ein Mentor mit einem Kind zu einer gemeinsamen Lesestunde, um in einer entspannten Atmosphäre, spielerisch und ohne Leistungsdruck vor allem Freude am Lesen zu vermitteln."

Rosi Müller ist eine von drei Mentoren, die in der Oberen Schule aktuell vier Kinder aus der zweiten und dritten Klasse betreuen. "Normalerweise sitze ich dort jeden Donnerstagvormittag mit ,meinem' Kind in einem gesonderten Raum zusammen." Coronabedingt greife derzeit Plan B: "Derzeit lesen wir online. Ich drucke die ‚Kunterbunte Kinderzeitung‘ aus und lege sie dem Kind in den Briefkasten. Am nächsten Tag lesen wir dann zusammen, jeder bei sich zu Hause."

Daniela Naujoks dankte dem Kiwanisclub und den Mentoren für deren Unterstützung: "Wir suchen die Kinder aus, die etwas Unterstützung brauchen. Dann werden die Eltern gefragt, ob sie damit einverstanden sind. Mit den Lehrkräften besprechen wir, wann die Lese-Mentoren kommen. Diese Stunde ist mit in den Unterrichtsalltag eingeplant." Sie ergänzt: "Die Kinder genießen das sehr, wenn jemand kommt, der nur für sie allein da ist. Das ist schon etwas Besonderes."

Ähnlich läuft es in der Grundschule Mainleus, wie Lehrerin Birgit Schuller-Höhn bestätigt. "Das Lesen zu fördern , geht immer", ist die Devise von Schulrätin Kerstin Zapf. "Das ist eine bundesweit erfolgreiche Initiative", ergänzt dazu die Bildungskoordinatorin des Landkreises, Nicole Neuber. "Es handelt sich dabei um keine Nachhilfe, sondern soll die Lust am Lesen anregen und fördern." Die aktuell 18 Mentoren hätten ein eintägiges Einführungsseminar absolviert.

Interessierte erhalten Infos gerne unter Telefon 09221/707-150 oder -116, per E-Mail an mentor@landkreis-kulmbach. de sowie im Internet unter der Adresse www.landkreis-kulmbach.de/mentor. Dieter Hübner