Die Steingräber-Konzerte sind immer für eine Überraschung gut. Hausherr Udo Schmidt-Steingräber ist da flexibel und holte diesmal mit dem Quartett "Le Quatuor" unter der Prämisse "Energie pure" eine außergewöhnliche Formation nach Bayreuth in den akustisch klangstarken Kammermusiksaal: Zwei Pianisten an zwei Flügeln und zwei Schlagzeuger boten eine Lektion in der Großartigkeit zweier so unterschiedlicher Instrumente.

Ihr Zusammenspiel war fast ein bisschen verrückt, wie im Programmflyer als Frage gestellt, aber genau diese Konstellation machte den Abend so spannend. Eben eine positive Verrücktheit, die faszinierte.Und ganz Neues brachten die vier Interpreten auch mit: Ein Quartett für Klaviere und Schlagzeug, komponiert von Christoph Wünsch, Professor an der Musikhochschule Würzburg. Denn dieses Werk feierte erst vor kurzem in der europäischen Metropole Brüssel Premiere - und nun durfte es das Publikum in der Richard Wagner-Stadt hören.

Ein Wirbelsturm

Etwas fremdartig, aber schließlich wunderbar ins Ohr gehend ist dieses hämmernde Aufleuchten der Schlagwerke, variierend zur virtuosen Klaviatur. Zu Individualität und Improvision kamen Klangreinheit und Präzision. Zum Finale des Stücks ein Wirbelsturm, ein Zyklon berstender Tonkonglomerate.

Eingeleitet worden waren die genussvollen eineinhalb Stunden von einer fulminanten Fanfare namens "Simple overture for two snare drums", wobei die Donnerschläge sich an den Wänden brachen, erst leise heranrollend und dann in brachialer Gewalt. Dazwischen fein nuancierte Passagen im Zeitlupenschlag. Louison Renault und Pierre Quiriny - beide spielen im Belgischen Nationalorchester - erwiesen sich als absolute Könner an Pauke, großer Trommel, Triangel und Gong. Während das Pianistenpaar Claudine Orloff und Burkhard Spinnier an den beiden Flügeln bei den Nocturnes für Orchester von Claude Debussy brillierten.

Sensibilität und Kraft

Sehr ausgewogen die warme und dann wieder wuchtige Zwiesprache und das exzellente Einfühlungsvermögen, es war in jedem Tastenanschlag Sensibilität und enorme Fingerkraft zu spüren.

Den Höhepunkt schließlich bildete die fast 30-minütige Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug von Béla Bartók. Echohaftes Tirilieren am Flügel bildete einen schönen Kontrast zu den Schlagzeugen in verhaltener Eleganz, ein bisschen Leichtigkeit und Träumerei. Ehe heftige Detonationen den Saal erschütterten.

Ein Abend voller Gegensätze, eindringlich und emotional. Langen Beifall gab es für diese musikalischen Geschenke.