Zum Burggeflüster "Verantwortung wieder wahrnehmen" (BR vom 19. Mai):

Die Rundschau überrascht uns mit einem seltsamen "Burggeflüster". In dieser Rubrik erwartet der Leser etwas Lustiges, Neuigkeiten aus dem Kinderzimmer oder aus dem Traumgarten, feine Ironie und Spott oder trockenen Humor. Aber dieses Mal?

Alexander Müller wechselt nonchalant ins ernste Fach der Kommunalpolitik und legt uns einen ausgewachsenen Kommentar vor. Müller bewertet den Vorschlag von Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD), im Klinikum Kulmbach einen ärztlichen Direktor zu installieren. Dabei wagt sich der Autor nicht nur auf dünnes Eis, sondern offenbart auch ein seltsames Verständnis von Journalismus.

Müller möchte, dass Lehmanns Vorschlag in der Zweckverbandsversammlung des Krankenhauses hinter verschlossenen Türen diskutiert wird. Damit dürfte er einer der wenigen Zeitungsmacher sein, der die Öffentlichkeit nicht informieren will und der dem Leser keine Neuigkeiten in der Zeitung präsentieren will.

Was bei Hinterzimmerdiplomatie rauskommt, hat man gesehen: Das Klinikum Kulmbach schaffte es nicht, die radiologische Praxis von Dr. Pfaffenberger zu übernehmen, sie wurde nach Bayreuth verkauft. Und dass Müller dem Oberbürgermeister ganz lässig vorwirft, "dass er sich ungenügend informiert fühlt", ist mehr als hanebüchen.

Der Zweckverband heißt meines Wissens nach Stadt- und Kreiskrankenhaus - und Lehmann ist kein Niemand, er vertritt als stellvertretender Vorsitzender der Zweckverbandsversammlung die eine Hälfte des Zweckverbands, nämlich die Stadt.

Er hatte einen Anspruch auf Information. Wir können froh sein, dass Lehmann nicht nur Transparenz und Offenheit predigt, sondern dass er - auch gegen Widerstände - dafür eintritt. Das hat der Kulmbacher Oberbürgermeister mehrfach bewiesen.

Damit wird er seiner Verantwortung gerecht, und dafür muss er sich nicht schämen: Denn es geht hier um Menschen, um Patienten, die meistens schwer krank sind. Für sie ist es kein gemütlicher Ausflug in die Nachbarstadt, sondern oft sehr beschwerlich und fast nicht zu leisten, zu einer Röntgenuntersuchung nach Bayreuth zu kommen.

Hoppla, da kommt die Außendarstellung des Klinikums erst an zweiter oder dritter Stelle!

Und wenn die Zweckverbandsversammlung über Lehmanns Vorschlag spricht, möchte ich anschließend darüber in der Zeitung informiert werden.

Martin Schranner

Kulmbach