"Wenn die Basketballer gewinnen, sind die Zuschauer besser drauf und wir bekommen mehr Pfandbecher", weiß Sophie Luther, Ansprechpartnerin der Bamberger Gruppe von "Viva con Agua", in der Brose-Arena zu berichten, wo bei vielen Heimspielen der Profis sowohl im Hallenfoyer neben dem Haupt-Getränkeausschank als auch neben der Wasser-Ausgabe von den Stadtwerken die Möglichkeit besteht, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten.

Und das geht ganz einfach: Unabhängig von der Pfandhöhe - ob ein oder zwei Euro - geben die Besucher den Getränkebecher nicht an der Ausgabestelle ab, sondern bei "Viva con Agua", und zwar den Becher in die blaue Tonne und die Pfandmarke in die Sammelbox. Die Erträge pro Spiel belaufen sich im Durchschnitt auf zwischen 200 und 300 Euro. Im Bundesliga-Oberhaus bislang eine einzigartige Aktion, die seit Oktober 2019 rund 1500 Euro eingebracht hat. In der ProA sind Bremerhaven und Tübingen auf diesen "Wasser"-Zug, der in Hamburg-St.Pauli bei den Kiez-Kickern seine Geburtsstätte hat, aufgesprungen.

"Ich mache das gerne, es ist eine gute Sache, und es macht Spaß, mit Freunden Spenden zu sammeln. So gut wir können, wollen wir auf uns aufmerksam machen", beschreibt es die Coburger Lehramtsstudentin, die mit vier Freundinnen beim Brose-Heimspiel gegen Riga war. Wer allerdings die Sammlerinnen marktschreiend durch das Foyer laufend erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Das Gegenteil ist nämlich der Fall: "Wir sind keine aggressiven Sammlerinnen, wir wollen eine Bildung der Nachhaltigkeit ausüben, dabei Gespräche führen, überzeugen und natürlich Gutes tun", stellt Linda Martin, die die Kooperation zu Brose Bamberg auf den Weg brachte, ganz klar heraus. "Wir wollen keinesfalls penetrant sein!"

Monatliches Treffen

Bei dieser gemeinnützigen Organisation gibt es eine flache Hierarchie, die Sammlerinnen sind völlig frei, haben auch keine Verträge, sind aber über die sozialen Medien bestens vernetzt. Entscheidend sind "Zeit und Lust" und keine Vorgabe, eine bestimmte Stundenanzahl ableisten zu müssen. "Wasser für alle, alle für Wasser", lautet der Grundsatz, und die Ziele sind Spenden sammeln und öffentliche Wirksamkeit erreichen.

Die Bamberger Gruppe besteht aus 15 Aktiven, vorwiegend sind es Sammlerinnen, was jedoch "untypisch" für dieses soziale Engagement sei. Wer mitmachen will, kann entweder (passiv) Fördermitglied werden (vivaconagua.org/mitgliedschaft) oder zum Bamberger "Crewtreffen" kommen, das jeden ersten Dienstag im Monat um 20 Uhr im Jugendkulturtreff "Immer hin" stattfindet.

Die Bamberger Gruppe weiß auch ganz genau, wohin ihr Geld fließt. Nach Äthiopien, vor allem für den Brunnenbau und diverse Schulungen, es handelt sich um sogenannte WA(ter)S(anitation)H(ygiene)-Projekte. Dass bei Basketball-Begegnungen gesammelt wird, ist Bamberg-spezifisch, anderswo sind vorwiegend Festivals und Konzerte die ersten Anlaufstationen.

Bleibt die Frage, wann und wo der Bamberger Rekord gesammelt wurde. Es kommt wie aus der Pistole geschossen: Konzert der Kölner Band "AnnenMayKantereit" am 23. März 2019 mit 1600 Euro!

Dass alle befragten Spender einhellig der Meinung sind, dass dieses Engagement für sauberes Trinkwasser unterstützt werden müsse, versteht sich. Bleibt zu hoffen, dass die Profis noch den ein oder anderen Heimsieg einfahren, so steigt erfahrungsgemäß die Spendenbereitschaft und die "Freaks" nehmen die blauen Tonnen auch eher wahr.