Moderne Rechtssysteme sollen die menschliche Gesundheit und die Umwelt schützen, zugleich aber auch Innovationen zur Lösung wichtiger Zukunftsfragen ermöglichen. Wie gut das aktuelle Lebensmittelrecht innerhalb der Europäischen Union diese Funktionen erfüllt und welcher Reformbedarf möglicherweise besteht, untersucht Professor Kai Purnhagen, Inhaber des Lehrstuhls für Lebensmittelrecht der Universität Bayreuth, am Standort Kulmbach, in einem neuen Forschungsprojekt. Das Vorhaben wird in den nächsten vier Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Oberfrankenstiftung mit rund 800 000 Euro gefördert.

In der Molekulargenetik, der Pflanzenzüchtung, der Landwirtschaft und der Ökologie sind in den letzten Jahren wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Innovationen erzielt worden, die grundlegende neue Möglichkeiten für die Produktion und Verarbeitung von Nahrungsmitteln eröffnen. Daher wird sich das neue Forschungsprojekt mit der Frage auseinandersetzen, ob der heutige Rechtsrahmen der EU diesem aktuellen Entwicklungsstand gerecht wird.

"Von zentraler Bedeutung sind wissenschaftlich begründete Abwägungen von Risiken und Chancen. Deshalb wollen wir in unserem neuen Projekt nicht allein auf die neuesten Erkenntnisse aus den Natur- und Umweltwissenschaften zurückgreifen, sondern auch die in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften erarbeiteten Verfahren nutzen, die qualitative und quantitative Risikobewertungen ermöglichen", sagt Purnhagen. In den Rechtswissenschaften wiederum seien sehr interessante Ansätze entwickelt worden, die darauf abzielten, wissenschaftlich-technologische Innovationen und Rechtssysteme besser aufeinander abzustimmen. "Auch diese Erkenntnisse sollen in unser Vorhaben einfließen", so der Wissenschaftler.

"Möglicherweise werden wir feststellen, dass manche Innovationen auf dem Gebiet der Biotechnologie mit aktuellen Nachhaltigkeitszielen viel besser vereinbar sind, als es auf den ersten Blick scheint", sagt Purnhagen. Die Bereitstellung von nährstoffreichen Vollnahrungsmitteln mit einem kleinen Emissions-Fußabdruck lasse sich zum Beispiel im globalen Maßstab nur dann realisieren, wenn die Potenziale der Gen-Editierung für eine gesundheitlich und ökologisch unbedenkliche Nahrungsmittelproduktion umfassend genutzt werden dürfen. Andernfalls wäre der für eine Versorgung der Weltbevölkerung nötige Flächenverbrauch viel zu hoch. red