Über 80 Landwirte, Brauer, Mälzer und Händler beteiligten sich an der Fahrt des oberfränkischen Braugerstenvereins, die heuer in den Landkreis Hof führte.
Oberrat Friedrich Ernst vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bayreuth rechnet bei den regional sehr unterschiedlichen Witterungsbedingungen in Oberfranken mit einem durchschnittlichen Ertrag von 45 Doppelzentnern je Hektar und einer Erntemenge von circa 150 000 Tonnen. Haben davon 75 Prozent Braugerstenqualität, dann sei 2018 mit einem oberfränkischen Braugerstenaufkommen von rund 112 500 Tonnen zu rechnen. Aktuell stehen laut Ernst 33 121 Hektar Sommergerste auf den Feldern. Das sind gut neun Prozent oder 30 428 Hektar mehr als im Vorjahr. Damit seien die Tiefstände von 2016 und 2017 mit jeweils knapp 30 000 Hektar überschritten.


Sommergerste auf Platz 1

Die Sommergerste nimmt damit im Jahr 2018 vor dem Winterweizen (circa 31 000 Hektar) und Mais (circa 31 800 Hektar) den ersten Platz unter den oberfränkischen Feldfrüchten ein. Bayernweit wurde 104 700 Hektar Braugerste (Vorjahr 98 933 Hektar) angebaut. Oberfranken ist laut Landwirtschaftsoberrat Ernst nach wie vor der Regierungsbezirk mit etwa 31 Prozent der größten bayerischen Anbaufläche.
Den größten Anteil an oberfränkischer Sommergerste hat wieder der Landkreis Hof mit einer Fläche von 9210 Hektar, gefolgt von Wunsiedel (4974), Kulmbach (4817) und Bayreuth (4798). Insgesamt bauen in Oberfranken 4012 landwirtschaftliche Betriebe Sommergerste mit einer durchschnittlichen Fläche von 8,2 Hektar an.


Bedingungen weitgehend günstig

Nach einem insgesamt etwas kälteren Winter bis in den März hinein trockneten heuer die Böden erst Ende März/Anfang April gut ab, so dass die Sommergerstensaat ab Anfang/Mitte April beginnen konnte. Sogar im Frankenwald und Fichtelgebirge waren die Saatbedingungen weitgehend günstig und die Gerste bis Mitte/Ende April im Boden. Waren ausreichend Niederschläge in den Monaten Februar und März vorhanden, so waren der April und Mai teilweise deutlich zu trocken und heiß. Die Monate Mai und Juni waren deutlich zu trocken, wodurch die Bestockung eingeschränkt wurde und sich meist dünnere Bestände ausbildeten. Von April bis Mitte Juni fehlten meist Niederschläge. Dagegen stiegen die Temperaturen vor allem im Mai auf bis zu 20 Grad über einen Zeitraum von fünf Wochen.
Zusammenfassend stellte Friedrich Ernst fest, dass in Oberfranken die Braugerste eine starke Stellung als Marktfrucht besitzt und durch stärkere Flächenausdehnung auch wieder gefestigt ist. Zudem sei die Braugerste durch moderaten Stickstoffbedarf wasserschonend und eigne sich gut, um die Ziele des Wasserpakts zu erreichen. "Der Braugerstenbedarf der oberfränkischen Mälzereien übersteigt die heimische Erzeugung bei weitem. Die Landwirte können ihre Gerste auf kurzen Wegen vermarkten. Bleibt zu fordern, dass von den eingesparten Frachtkosten auch wenigstens ein Teil beim Landwirt ankommt", so Ernst.


Notwendiges Preisniveau erreicht

Aktuell sei mit einem Preis von knapp 20 Euro pro Doppelzentner ein interessantes, aber auch notwendiges Preisniveau erreicht, das noch Potenzial nach oben habe.
Der Vorsitzende des oberfränkischen Braugerstenvereins, Hans Pezold, freute sich zu Beginn in der Kulmbacher Mönchshof-Brauerei über die gute Beteiligung an der Rundfahrt. Sein Stellvertreter Martin Schöffel sprach von "schönen Gerstenbeständen mit bewährten und neuen Sorten".
"Die viergliedrige Fruchtfolge des bayerischen Kulturlandschaftsprogramms ist für Oberfranken und unsere Braugerste gut, denn sie ist eine nitratarme Frucht für das Grundwasser. Was wir heute gesehen haben, wird eine gute Braugerste", lautete das Fazit, das der Präsident des bayerischen Bauernverbands (BBV) Oberfranken, Hermann Greif, zog.