Mehr als 200 Ballen aus Grassilage, Heu oder Stroh wollen Kulmbacher Landwirte an ihre Berufskollegen in den westdeutschen Flutregionen spenden. Damit wollen sie solchen Betrieben, die durch das Hochwasser ihre Futtervorräte verloren haben, unter die Arme greifen. Landwirt Clemens Hilpert (23) aus Windischenhaig erklärt: "Wir verstehen die Situation und wollen helfen. Die Tiere brauchen jeden Tag Futter. Das kann man nicht einfach abschalten." Aus eigener Erfahrung wisse er, wie unruhig Kühe und Rinder werden, wenn sie nicht pünktlich zur gewohnten Zeit gefüttert werden.

"Futtervorräte wieder aufzubauen, ist schwer. Was man erntet, muss das ganze Jahr reichen", so fügt Motschenbacher Landwirt Norbert Erhardt (56) hinzu. Jeder Betrieb versuche, Vorräte zu schaffen für schlechte Erntejahre. Vergangenes Jahr sei die Ernte gut gewesen. Daher bestehe dieses Jahr die Möglichkeit, einen Teil des Futters zu spenden, jedoch nicht ganz ohne Risiko, denn "wie die Ernte nächstes Jahr wird, weiß man nicht".

Wie schön es ist, nach einem schweren Schicksalsschlag von der Gemeinschaft unterstützt zu werden, weiß Herbert Ramming (65) aus Ruffenhaus bei Schwarzach. Sein Betrieb wurde im Jahr 1995 durch einen Brand zerstört. "Damals haben die Landwirte aus der Region ebenfalls Futter gespendet. Ich bin sehr dankbar gewesen für ihre Hilfe."

Die Futterspende für Überschwemmungsgebiete hat Landwirt Stefan Seidel (30) aus Wachholder bei Schwarzach organisiert. Er sagt: "Ich habe großen Respekt vor der Leistung der Landwirte in den Krisengebieten. Mit ihren Maschinen helfen sie unbürokratisch, wieder Ordnung herzustellen." In Kulmbach wäre das im Krisenfall nicht anders. Wie wichtig die Hilfe der Landwirte nach dem Hochwasser war, kann man auf der Website der deutschen Maschinenringe www.maschinenring.de/fluthilfe nachlesen. Laut Maschinenring-Website könne man derzeit noch nicht abschätzen, wie schwer die landwirtschaftlichen Flächen durch Schlamm, Fäkalien, Diesel oder Heizöl kontaminiert wurden. Möglicherweise würden sich einige davon künftig nicht mehr zur Erzeugung von Nahrungsmitteln eignen. Daher richtete der Bundesverband für Maschinenringe ein Spendenkonto ein. Zusätzlich richtete der Bundesverband der Maschinenringe auch eine Futtermittelbörse ein. Wer ebenfalls Futter für die Flutregionen zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei ihm unter futterspende-kulmbach@web.de melden.

Im Moment lagern die Heu-, Stroh- und Silageballen noch bei den Landwirten zu Hause - aktuell sind die tierhaltenden Betriebe in den Krisengebieten mit Futtermitteln versorgt. Entwarnung gibt es aber nicht. In den kommenden Monaten können die Spenden jederzeit abgerufen werden. Stefan Seidel ist daher auch auf der Suche nach Transportunternehmen, die helfen möchten. Adriane Lochner