Anfang des Jahrhunderts war es, da sprach Volker Hahn bei Eberhard Hofmann vor - wegen der Idee, fränkische Volkslieder zu illustrieren. Ergebnis dieses Vorsprechens ist die Ausstellung in den Geschäftsräumen der Volksbank.
Das Geldhaus ist Hauptsponsor der Ausstellungsreihe "Kunst und Genuss". Zum 14. Mal haben sich dazu die Wirte rund ums Walberla zusammengetan. Bis zum Jahresende bieten sie ihren Gästen nicht mehr nur Speis und Trank, sondern auch Kultur.


Lokale Bräuche

Doch zurück zu Hahn. Der gebürtige Nürnberger verlebte seine Kindheitsjahre von 1943 bis 1949 in Aufseß und war nach eigenem Bekunden bei allem dabei, was es an lokalen Bräuchen so gibt.
"So entstand meine Affinität zur Fränkischen Schweiz", ist sich der Maler und Illustrator sicher. Den letzten Anstoß mag sein Wohnsitz mitten in Kalchreuth gegeben haben. Denn mitten im Ort leben, heißt für ihn dabei sein und hinhören, was gesagt und gesungen wird. Warum Hahn bei Hofmann anklopfte, ist einleuchtend, betreute doch der den Arbeitskreis Volksmusik im Fränkische-Schweiz-Verein mit bis zu 65 Liedergruppen. 71 Lieder trugen sie für das Buch zusammen, und fast so viele Bilder schuf dazu Hahn. Es sind ziemlich hintersinnige Bilder. "Die Madlad von der Gmaa" zum Beispiel zeigt drei nicht ganz zarte Grazien mit "weißa Baa" und strammen Wadln, die einem Waschzuber entsteigen.
Sie sind keine Kinder von Traurigkeit und offenbar auch offenherzig, wirft doch die mittlere ihren BH mit Schwung hinter sich.
In Tönen konnte man das bei der Vernissage nicht vernehmen, aber die Wiesenthaler Saitenmusik illustrierte ein anderes Bild Hahns - auch eins mit wohlgeformten Beinen: die Geschichte, wie aus dem Tanzpaar ein Paar fürs Leben wird. Und dann noch das vom verschmähten Liebhaber, der prompt eine mimische Ähnlichkeit zwischen der Angebeteten und einem Rindvieh entdeckt. Hofmann sei manchmal irritiert über die Illustrationen gewesen, sagt Hahn unter dem lauten Lachen des Genannten.
"Ich habe die Liedzeilen doch nur weiterentwickelt", fügt er mit einem Tonfall zwischen Entschuldigung und Selbstbewusstsein an. Persiflieren müsse man schon mal, und auch "die Franken müssten dafür Verständnis haben, dass man sie auf die Schippe nimmt". Das ist wahrscheinlich doch nicht die angesagteste Eigenschaft des Stammes, aber nicht er allein geriet unter Hahns frechen Pinsel, auch die gängigen deutschen Volks- und Wanderlieder haben in einem zweiten Liederbuch ihre gemalten Kommentare erhalten. Ganz nebenbei ist bei dieser künstlerischen Zusammenarbeit die Idee von "Kunst und Genuss" in den Raum geschwebt.
Ob die Wirte von Anfang an erkannten, dass das Wirtshaus so neue Farbe bekommt, ist ungewiss. Heute ist es so, und die Gastronomen stehen fest zu dem Projekt, wie ihr Sprecher Georg Hötzelein vom Tourismusverband "Fränkisches Genießerland" versicherte. Das ist übrigens kein neuer Zusammenschluss, sondern die bewährte Gruppierung "Rund ums Walberla". Aber nach 14 Jahren Kunst und Genuss träfe es der neue Name besser, sagt Hötzelein.