Wenn Stefan Eichner alias "Das Eich" die Bretter, die die Welt bedeuten, betritt, dann sind normalerweise Schenkelklopfen und Lachsalven programmiert, Witze, Gags am laufenden Band, auch manch derber Scherz. Während der Corona-Pause hat Stefan Eichner aber ein anspruchsvolles Reinhard-Mey-Programm einstudiert und setzte damit den ersten Teil der publikumserprobten Hommage an den Liedermacher fort. Die Premiere des "Reinhard-Mey-Progammes 2.0" war ein Volltreffer. Das Programm, das Stefan Eichner in seiner Heimathalle, der Dr.-Stammberger-Halle, aus dem Hut zauberte, war amüsant und unterhaltsam, anspruchsvoll und gekonnt vorgetragen und fing den Geist, den Reinhard Mey mit seinen hintersinnigen Texten versprühte, perfekt ein. Das Publikum brachte Eichner nach einem mehr als zweistündigen Vortrag stehend Ovationen dar, und "Das Eich" genoss den Applaus und gewährte drei Zugaben.

Die Lieder, die Stefan Eichner für den Comeback-Abend ausgesucht hatte, ließen keine Wünsche offen: Es gab Nachdenkliches und Besinnliches, altbekannte Gassenhauer. Die anspruchsvollen Texte forderten nicht nur den Künstler, sondern auch das Publikum. Da gab es Kritik am allgegenwärtigen Freizeitstress bei "Alle rennen" und ein Loblied auf den schönsten Raum des Hauses: "Die Küche". Eichner erzählte von persönlichen Erfahrungen auf Kreuzfahrtschiffen und gab "Die heiße Schlacht am kalten Büffet" zum Besten.

Ein bisschen Nordseeluft konnten die Kulmbacher bei "Das Meer" und "Ende der Saison" schnuppern. Auch Songs wie "Das Narrenschiff" oder Nachdenkliches wie "Es gibt keine Maikäfer mehr" hatte Stefan Eichner in sein neues Mey-Programm aufgenommen. Richtig kritisch wurde der Kulmbacher Kabarettist bei "Was kann schöner sein auf Erden als Politiker zu werden?". Natürlich durften auch Mitsing-Songs wie "Über den Wolken" oder "Gute Nacht, Freunde" nicht fehlen.

Richtig witzig waren die liedhaften Erzählungen "Die Homestory", "Was in der Zeitung steht" oder "Männer im Baumarkt". Mit einem verhalten-nachdenklichen Block beendete Stefan Eichner sein Programm. Das Publikum zeigte sich begeistert. Auch wenn das Konzert kurzfristig angesetzt worden war und wenn noch mehr Zuschauer Platz gefunden hätten, kamen all diejenigen, die den Weg zurück zum Live-Genuss gefunden hatten, voll auf ihre Kosten. Und Stefan Eichner hatte auch diesmal sein Versprechen, all seine Programme zum ersten Mal in der Heimat auf die Bühne zu bringen, wahr gemacht.