In der Fußgängerzone öffnet heute ein neuer Laden – Kerstin Wegmann erfüllt sich damit einen Traum
Die Vorbereitungen sind getätigt. Immer wieder schaut sich Kerstin Wegmann in ihrem neuen Laden um. Sie zupft hier etwas zurecht, drapiert ein Wollknäuel, das nicht genau auf den anderen liegt, perfekt im Regal. Über den Schaukelstuhl im Fenster hängt sie ein pastellfarbenes Tuch. Sie schaut von außen mit prüfendem Blick. „Ja, das sieht gut aus“, urteilt sie. Dann setzt sich Kerstin Wegmann auf das hellbeige Sofa - mit dem Rücken zum Schaufenster. Sie braucht eine kleine Auszeit. Dazu nimmt sie ihr aktuelles Strickprojekt und versinkt in dem komplizierten Zopf-Patent. Während die Maschen durch die Finger gleiten, wird sie ruhig. Und dann beginnt Kerstin Wegmann zu erzählen.
Sie ist 57 Jahre alt und wohnt seit einem Jahr in Krumme Fohre bei Kasendorf. Bislang hat sie in Donauwörth gelebt und dort mit ihrem Mann zwei Tankstellen betrieben. Doch die Eltern leben in der Nähe von Marktredwitz, und deshalb zog Kerstin Wegmann nach Oberfranken. Ins Tankgeschäft wollte sie nicht mehr einsteigen. Ihr Mann ist in Rente. Stattdessen arbeitete die 57-jährige daran, ihren Lebenstraum in die Tat umzusetzen: ein Wollatelier.
In der Fußgängerzone fand sie den passenden Laden dafür und hat eine hohe fünfstellige Summe investiert. Und jetzt ist das Wollatelier fertig. Kerstin Wegmann führt nur hochwertige Garne und auch zertifizierte Biogarne, zum Beispiel für Babysachen. Wolle, feinstes Kaschmir, Mohair, aber auch flauschige Modegarne, Garne, die an echtes Fell erinnern, und Garne mit Glitzer hat sie im Repertoire.
„Ich selbst war eigentlich schon immer strickbegeistert. Und ich möchte diese Leidenschaft auch anderen näher bringen“, sagt Kerstin Wegmann. Zweifel, dass Stricken möglicherweise aus der Zeit gefallen sein könnte, hat die Ladenbetreiberin nicht. „Schon während ich den Laden eingeräumt habe, sind viele durch die Tür gekommen und haben geschaut“, sagt Wegmann. Sie führt selbstverständlich bunte Sockenstrickgarne. Und sie rechnet auch damit, dass ein Drittel des Umsatzes wohl durch Socken generiert werden wird. „Socken und Strümpfe sind schnell gestrickt. Jeder trägt sie im Winter gerne. Natürlich habe ich auch Sockenwolle“, sagt Wegmann.
Doch ihre persönliche Passion sind die modischen Dinge. So hat sie einen kleinen Schal, von den jungen Leuten keck „Sophies Scarf“ genannt, im Repertoire. PetiteKnit, die Kult-Strickerin mit dem klangvollen Namen Mette Wendelbö Okkels, begeistert nicht nur Frauen, sondern auch Männer und Teenies fürs Stricken. „So einen Schal kann man an einem Abend stricken. Er ist aus Kaschmirgarn, herrlich weich und gar nicht teuer. Es ist ein modisches Accessoire“, sagt Kerstin Wegmann. „Das Schöne am Stricken ist ja, dass man es überall machen kann“, schwärmt die Handarbeiterin.
Noch vor der Eröffnung des Ladens haben auch Männer den Kopf zur Tür hereingesteckt. „Ich will die Jungen ansprechen, Männer und Frauen“, sagt die Expertin. Kerstin Wegmann ist sich sicher, dass sie die Strickbegeisterung an viele Menschen aus dem ganzen Landkreis weitergeben kann. Und aus diesem Grund möchte sie auch regelmäßige Stricktreffs im Hinterzimmer anbieten.
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