Der Christ in dieser Zeit
Es ist Wochenende, wie schön! Für nicht wenige Menschen bedeutet das: Mehr Zeit und Ruhe haben, mal ausschlafen, sich mit anderen Menschen treffen, ein Konzert oder einen Gottesdienst besuchen. Und wer jetzt auf Reisen ist, spürt hoffentlich, wie gut es tut, mal rauszukommen aus dem Alltagstrott, neue Gegenden zu entdecken oder einfach auszuspannen. Jenseits des Alltags fällt uns sofort was ein, was uns gefällt und wovon wir erzählen können. Und diesseits?
Mit meinen Schülern habe ich vor kurzem eine „Talk-Box“ ausprobiert: Das ist ein Kästchen mit kurzen Gesprächsimpulsen, über die man sich dann austauschen kann. Einer lautete: „Ich mag an meinem ganz normalen Alltag…“ Nicht so leicht, da rasch was zu formulieren, aber bei längerem Nachdenken fällt mir da schon das eine oder andere ein: „Ich mag, dass mir der Alltag Struktur gibt.“
Oder: „So manche Alltagsgewohnheit ist mir lieb geworden, zum Beispiel am Abend den Tisch fürs Frühstück zu decken.“ Oder: „Ich mag es, meine Kolleginnen und Kollegen zu treffen.“
Allerdings fällt mir beim Nachdenken auch auf: Den „ganz normalen Alltag“ gibt’s eigentlich bei mir nicht. Wahrscheinlich auch nicht bei anderen. Auch im Alltag passiert Unvorhergesehenes und Neues, Schönes und weniger Schönes.
Nur haben wir im Alltag oft die „Alltagsbrille“ auf, die uns eher das weniger Schöne wahrnehmen lässt. Es muss ja nicht die rosarote Brille sein, durch die wir auf unseren Alltag blicken, aber vielleicht ab und zu eine Sonnenbrille , die damit rechnet: Heute werde ich einem Sonnenstrahl begegnen! Und die damit rechnet: Heute werde ich Gott begegnen – oder er mir.
Im Buch der Sprüche lesen wir „Ein Betrübter hat nie einen guten Tag; aber ein guter Mut ist ein tägliches Fest.“ Ein schönes Wochenende und Vorfreude auf die Tage danach wünscht
Pfarrerin Katharina Winkler