Der Diakonieverein Grafengehaig-Presseck erfindet sich neu und macht damit im Prinzip das Gleiche wie bisher - nur völlig anders. Damit möchte er die Lücke zwischen der mittlerweile stark reglementierten ambulanten Alten- und Krankenpflege in Zeitnot durch Pflegedienste und den so Versorgten selbst schließen.

Die Idee ist nicht neu. Die Älteren erinnern sich noch an die Diakonissen: In einer an eine einfache Arbeitskluft erinnernden Ordenstracht mit weißem Häubchen am Hinterkopf kümmerten sie sich bis in die 1970er Jahre in ihren Kirchengemeinden um die Alten und Kranken.

"Gemeindeschwester", betont Heidrun Hemme, "ist in Anlehnung an die Diakonissen zunächst mal nur der Arbeitstitel: Sie oder er soll sich speziell um die nicht-physischen Belange der Betreuten kümmern, vertrauensvoll deren Kümmernisse erfahren und helfen, diese - wo notwendig - zu beseitigen."

Dafür soll jetzt jemand für den Bereich des Diakonievereins fest angestellt werden. Zunächst hatte die Vereinsvorsitzende und Grafengehaiger Pfarrerin darüber nachgedacht, der Mitgliederversammlung die Auflösung des Vereins vorzuschlagen. Denn die selbst geführte Pflegestation (ist gleich Diakoniestation) hatte der Verein im Jahr 2011 abgegeben. Deren Verwaltung und Organisation war rein ehrenamtlich nicht mehr zu bewerkstelligen. Die Aufgaben wurden an die Diakonie in Münchberg beziehungsweise jetzt zentral in Hof übergeben. Die besorgt die ambulante Pflege nun professionell.

Die Schließung der Diakoniestation in Presseck machte laut Pfarrer Siegfried Welsch, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, letztlich ein Umdenken über die künftigen Aufgaben des Vereins notwendig. Der hatte zunächst im beschränkten Raum Presseck und Grafengehaig keine existenzielle Grundlage wie bisher mehr. "Dennoch", sagt Heidrun Hemme, "haben wir uns nicht entschließen wollen, den Verein aufzulösen. Unsere Mitglieder sind lange dabei, oft über Jahrzehnte, und haben darauf vertraut, dass der Diakonieverein einmal für sie da sein wird, wenn sie ihn brauchen."

Seit es die Pflegeversicherung gibt, würden physische Hilfen zwar erfüllt. "Aber die Versorgung von Alten und Kranken ist nur das Eine, die Versorgten selbst sind das Andere." Darum könne sich der Pflegedienst gar nicht genug kümmern. "Unser diakonischer Auftrag besteht jetzt also darin, uns um die Menschen in ihren inneren Nöten und Bedürfnissen zu kümmern." Der Diakonieverein will dafür jemanden anstellen, der insbesondere die Fähigkeit hat, "im regelmäßigen persönlichen Kontakt das Vertrauen unserer Betreuten für deren sehr private Dinge zu gewinnen", stellt sich Hemme vor. Er oder sie soll außerdem "Vernetzungsarbeit leisten", also wissen, wohin man sich wenden muss.

"Pflegerische Leistungen sind damit ausdrücklich nicht gemeint", betont Hemme. "Dafür brauchen wir nicht unbedingt eine junge, dynamische Kraft. Zum Beispiel könnte es jemand sein, der oder die Erfahrungen im Pflegebereich hat, aber nach Jahren im körperlich anstrengenden Beruf nicht mehr ganz so fit für die Pflege ist - eine Art ,Kümmerer mit Fachkenntnis‘."

"Diese diakonische Arbeit wollen wir allerdings nicht mit Aufwandsentschädigungen im Ehrenamt abspeisen, auch nicht als Minijob. Wenn ich jemanden anstelle, dann zu sozialversicherten Bedingungen, auch wenn uns das etwas mehr kostet", betont Hemme. Der Verein werde, so lange es geht, Rücklagen dafür verwenden. Mehr noch: Bis auf weiteres werden auch keine Mitgliedsbeiträge mehr erhoben, beschloss die Versammlung. kkl