„Der neue Kronacher Stadtrat ab dem 1. Mai 1990 wies einige Besonderheiten auf: Eine Verdoppelung des Frauenanteils und erstmalig eine Frau als Stellvertreterin des Bürgermeisters , der als ,reigschlafter’ protestantischer Sozialdemokrat das Amt in Kronach übernahm“, konstatierte Manfred Raum, der mit seinen Erinnerungen, untermalt von vielen Fotos seiner Amtszeit, ein ums andere Mal für ein Schmunzeln seiner Zuhörer sorgte.

„Mein Amtsantritt fiel in eine euphorische Zeit: Die Wiedervereinigung 1990 sollte dem jetzt wieder im Herzen Europas gelegenen Kronach neue Chancen bieten!“, so der frischgebackene Altbürgermeister , der von einem damals gewaltigen Investitionsstau ebenso berichtete wie von der Frage der Finanzierung. „Ich habe immer zur Verschuldung der Stadt gestanden, denn sie bestand im Wesentlichen aus Krediten für notwendige und sinnvolle Investitionen, aus denen wir heute noch Vorteile ziehen!“, bekräftigte er.

Ziel: Die Stadt voranbringen

Trotz mancher parteipolitischer Querelen, habe ihm sein Amt sehr viel Freude gemacht, da es eben nicht nur mit kommunalen Pflichtaufgaben ausgefüllt gewesen sei. Seine Kommune voranzubringen, kreative Ideen dazu zu entwickeln und auch umzusetzen, seien Aufgaben eines Bürgermeisters und das besonders Reizvolle in diesem Amt. Die Landesgartenschau 2002 sei so ein Projekt gewesen oder auch das Jubiläumsjahr 2003. Auch die Gründung des Vereins „1000 Jahre Kronach “ vor 30 Jahren, dessen Vorsitz er seitdem innehat, sei eine solche Zielprojektion zur Stadtentwicklung .

Ein großes Entwicklungsziel könne sich durch die Hochschul- und Lucas-Cranach-Campus-Planungen ergeben. „Hochschulstadt darf nicht nur auf den Stadtschildern stehen, sondern muss für besondere Qualitäten dieser Kommune bürgen“, appellierte er. Der Name Lucas Cranach verpflichte zu einem breiten, jungen und kreativen Kunst- und Kulturangebot.

Eindringliche Tipps für seine Amtsnachfolgerin hatte Raum sowohl hinsichtlich des Lucas-Cranach-Jahres – „Laden Sie bitte unbedingt den Bayerischen Ministerpräsidenten zur Eröffnung nach Kronach ein, bevor es andere Cranach-Städte tun!“ – parat wie auch bezüglich des Lucas-Cranach-Campus: „ Kronach könnte für besondere Abschlussleistungen der Studierenden zukünftig städtische Ehrenpreise vergeben!“

Die Frage, was – abgesehen von der LGS – das schönste Ergebnis seiner Amtszeit gewesen sei, sei schwer zu beantworten; seien doch für ihn auch kleine Verbesserungen wichtig gewesen.

Raums Nachfolgerin Angela Hofmann würdigte dessen Verdienste in seiner 18-jährigen Amtszeit von 1990 bis 2008 als Erster Bürgermeister sowie bereits zuvor ab 1984 als SPD-Fraktionsvorsitzender im Kronacher Stadtrat . Seine teilweise auch umstrittenen und von lebhaften Diskussionen begleiteten Ziele habe er mit einer Mischung aus Idealismus und Realismus beharrlich und konsequent vorangetrieben.

Wichtige Projekte

„Von dieser Arbeit profitiert Kronach bis heute“, würdigte sie und nannte einige Beispiele unter seiner Regie erfolgreich durchgeführter Projekte: die Fusionierung der Sparkassen, Investitionen in Ausrüstung und Unterbringung der Feuerwehren, der Bau der dritten Reinigungsstufe an der Kläranlage, die Modernisierung der Trinkwasserversorgung mit Bau der Trinkwasseraufbereitungsanlage Haßlachtal, die Auslagerung des Schlachthofs, die Ausweisung neuer Gewerbe- und Neubaugebiete sowie die Dorferneuerungen Friesen und Neuses.

Viele Akzente habe er im Bereich Bildung, Kunst und Kultur gesetzt, so beispielsweise mit den ins Leben gerufenen Faust-Festspielen. Durch seinen Einsatz seien hohe staatliche Fördersummen in die Kreisstadt geflossen. Hier seien als Großprojekte die Nutzung der Kühnlenzpassage für Veranstaltungen, die Generalsanierung des Schwimmbads sowie die Überplanung und Neuanlage von Marienplatz und Rosenau zu nennen. Vor allem jedoch die 1000-Jahr Feier und die LGS werden mit seinem Namen in Verbindung bleiben.

In Würdigung seiner Verdienste um die Stadt verlieh sie ihm die Ehrenbezeichnung Altbürgermeister . Obendrein gab’s einen Gutschein für einen Aufenthalt in Wittenberg.

„Macher und Modernisierer“

„Manfred Raum ist ein Macher und Modernisierer“, verdeutlichte SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Völkl. Mit Kreativität, Fleiß, Furchtlosigkeit vor großen Aufgaben, Willensstärke, Beharrlichkeit und Durchsetzungskraft habe er wichtige Weichenstellungen für Kronach getätigt und deutliche Spuren, ja sehr große Fußstapfen, der Stadtentwicklung hinterlassen. Als Freund klarer Worte, habe er keine Auseinandersetzung gescheut und wollte nie „everybody´s darling“ sein. Stadtvogt Hans Götz dankte Raum für seinen Einsatz für die historische Kronacher Szene. Ohne ihn hätte es die seit 1996 jährlich stattfindenden historischen Feste in Kronach sowie die daraus hervorgegangenen historischen Gruppen nicht gegeben.

Umrahmt wurde die Feier von den St.-Georgs-Bläsern aus Friesen mit schwungvollen Musikstücken.