"Jawoll, unne Faschingsumzug woa schö." Die 86-jährige Thekla Hümmer aus Steinwiesen strahlt sogar noch durch das Telefon eine unbändige Freude aus - und Begeisterung. Sie, der "Faschingsnarr in jeder Form", wie sie sich selbst nennt, ist nicht zu bremsen, wenn es um die fünfte Jahreszeit geht. Am letzten Sonntag zog sie mit ihrer Truppe "Beudelabaggn" durch das Leitschtal in Steinwiesen . "Noja, des ghört doch dezu. Den Leutna hot des genausu gfalln wie uns." Mit "den Leutna" meint sie das Publikum, also Autofahrer und Zuschauer, denen sie auf ihrem einstündigen Umzug begegnet sind. "Die haben gehupt und gewunken." Thekla Hümmer blüht förmlich auf, wenn es um den Steinwiesener Fasching geht, das merkt man ihr deutlich an. Sie war sogar schon einmal Faschingsprinzessin, verrät sie, "und zwar 1956. Da war ich 21 Jahre alt. Und donn is es halt imme su zuganga." Mit "su zuganga" meint sie wohl, dass der Fasching ihr im Blut liegt. "Es gab Faschingsabende im Turnverein , da habe ich Vorträge gehalten." Rund zehn Ganzkörper-Faschingskostüme besitze sie mittlerweile, verrät sie und fängt erst einmal bei den Bären an: "Eisbär, Braunbär , Zottelbär, ein Katzenkostüm und etwas mit Fransen und Klöppela, damit man mich hört."

Thekla Hümmer kann man wohl getrost als "Steinwiesener Urgestein" bezeichnen, denn sie ist im ganzen Ort bekannt. "Ich bin ja jeden Tag unterwegs, mache meine Touren zum Mühlberg hoch. Wenn das Wetter passt, fahre ich mit dem Fahrrad, ansonsten laufe ich viel. Heute hab ich Schnee geschippt, hab also meine Gymnastik schon hinter mir. Wenn man sich daheim hinsetzt und bloß Fernsehen guckt, wird das nix." Fit wie eh und je sei sie gewesen, als der Ruf zum Umzug kam. "Die rufen an mit dem Handy, oder wie das Ding heißt, dann läuft das schon." Hier kommt Uwe Simon vom Leitschcafé ins Spiel, der die Umzüge der "Beudelabaggn" mit organisiert. "Wir sind fast 20 Leute und Thekla ist die Älteste. Es war ihr größter Wunsch, noch einmal bei einem Umzug mitzulaufen. Den haben wir ihr erfüllt." Zehn Leute seien zusammengekommen, die durch das Leitschtal gezogen sind, "natürlich mit Abstand und so". Auch Simon spricht von der Begeisterung der Leute, die an ihre Fenster und vor ihre Haustüren getreten sind, die hupten, angehalten haben, Begeisterung zeigten. "Fasching ist toll. Warum sollten wir nicht lachen und fröhlich sein? Wir sind eine gute Stunde rumgelaufen, haben , Steinwiesen helau' gerufen und Rabatz gemacht."