Friesen —  Sankt Georg, der tollkühne Held aus dem Altertum , kreuzt heute die Klingen mit den Ungeheuern der Neuzeit : mit Profitgeiern, Neidhammeln, Blutsaugern und Halsabschneidern. Seine legendären Namensvetter gehören zum Frankenwald wie das „Amen“ in die Kirche.

Vor langer Zeit lebte auf einer fernen Halbinsel ein feuerspeiender Drache, der die Felder verwüstete und den Menschen das Leben zur Hölle machte. Um das Ungeheuer zu besänftigen, opferten die Bauern täglich zwei Schafe. Als der Vorrat zu Ende ging, brachte man dem Drachen Jungfrauen zum „Vernaschen“.

Bei solch einer Impertinenz kam Ritter Georg gerade noch zur rechten Zeit. Mutig ritt er auf den Drachen zu und schleuderte mit aller Macht seine Lanze gegen die Bestie. Das tödlich getroffene Ungetüm zerrte er mit Pferden im Siegeszug durch die Stadt, wo man den Lind-wurm zur Schau stellte. Den verdienten Lohn verteilte der „Salvatore Grande“ unter den Armen und kehrte in sein Land zurück.

Die romanhafte und sagenumwobene Lebensgeschichte des Heiligen erzählt von einem jugendlichen Ritter aus dem oströmischen Hinterland. Sein mutiger Kampf und sein glorreicher Sieg über den gierigen, nimmersatten, rücksichtslosen, menschenfressenden Drachen wird gefeiert als Triumpf des Göttlichen über das Teuflische, als Sieg des Guten über das Böse. Doch was Monster nicht schaffen, bringen Menschen fertig: Im Jahr 303 stirbt der Streiter Gottes einen grausamen Märtyrertod.

„Halte das Böse und Unheil von uns fern“, heißt es in den Fürbitten am Namenstag (23. April) des heiligen Georg. Sein Kampf richtet sich heute gegen drachenähnliche Monster wie die eingangs erwähnten Profitgeier, Neidhammel, Blutsauger und Halsabschneider. Der „Draco Korrupti“ in den endlosen Sümpfen von Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft mutiert indes zur schier unbezwingbaren Hydra, die selbst einem Himmelhund so langsam ungeheuerlich wird.

Als „Haabücha“ und „Kreistnkerl“ würdigt der Frankenwäldler solche Leute wie den heiligen Georg. Und das Herz eines Urfranken springt ein paar Oktaven höher bei so klangvollen Namen wie Görch und Görchla, wie Schosch und Schoschla. Die einen gehören zu den Legenden, die anderen zu den Kultfiguren im Frankenwald.

Der heilige Georg ist Schutzpatron der Pferde und Reiter, der Kreuzfahrer und Ordensritter. Als „oberster Boss“ der Pfadfinder ist er Leitfigur für die Jugend. Im Stamm Sankt Georg in Friesen und beim Stamm König Artus in Seibelsdorf fühlt er sich wie daheim. Als einer der Nothelfer in Vierzehnheiligen hält er Schirm und Schild über das Frankenland und all die Menschen, die Menschlichkeit über Egoismus stellen.

Zur Feier des Tages erzählt uns Willi Schreiber noch eine Episode vom „klann Görchla“ aus seinem Buch „Feuedunnekeil“: „Na, Görchla, wann bist du denn auf die Welt gekommen“, fragt der Lehrer seinen Schüler aus der ersten Klasse. Der Görchla: „Hä Lehre, des waas ich fei nije.“ Der Lehrer: „Da müssen wir halt im Klassenbuch einmal nachschauen.“ Nach kurzem Durchblättern: „Also Görchla, du hast am 8. Mai in Friesen das Licht der Welt erblickt!“ Der Görchla ganz baff: „Naa suwoss, hä Lehre, agraad o mein Geburtstouch!“ Socht dä Hann: „Ein Glück, dass es den Görchla gibt!“