Vielen ist der Markt Küps bereits durch seine rege Bautätigkeit bekannt. An allen Ecken und Enden wird gebaut. Nun ist die Marktgemeinde um eine weitere Baustelle reicher. Seit letzter Woche hat sich auf dem Oberen Schloss in Küps ein Storchenpaar eingefunden. Fleißig wird seither an einem adäquaten Nest zur Familiengründung auf einem der beiden Schornsteine gebaut. Aber ganz ohne fremde Hilfe wäre der Nestbau wohl zu keinem guten Ende gekommen, denn so viel Mühe wie sich Freund Adebar auch gab, die gerade einmal 60 auf 60 cm große Plattform des Schornsteins bot nicht gerade viel Auflagefläche und Halt für einen dauerhaften Stammsitz. Die Gefahr, dass bei ankommenden Stürmen und Unwettern die Mühen umgehend zunichte gemacht würden, lag auf der Hand.

Bereits in den letzten Jahren wurden vermehrt Störche auf der Durchreise im Frühling und Herbst in Küps gesichtet – gleichwohl blieben sie stets nur Zaungäste und verließen die Gefilde der Marktgemeinde nach kurzer Zeit wieder. Nun machte sich das erste Mal ein Storchenpaar daran und wollte Küps zu seiner neuen Heimat machen. Ein Umstand, der vielen Küpsern sichtlich Freude bereitete und denen das bei uns eher seltene Naturschauspiel natürlich gefiel. So ließen Anrufe an zuständiger Stelle in der Verwaltung der Marktgemeinde nicht lange auf sich warten: Was diese denn nun zu tun gedenke, um den Nestbau voranzubringen. Ja, auch das gehört zu den Aufgaben einer Kommunalverwaltung , denn wie wäre sonst das Staatsziel Natur- und Umweltschutz zu verstehen, wenn nicht Städte und Gemeinden Vorbilder beim Schutz der biologischen Vielfalt wären und entsprechende Projekte voranbrächten. Schnell war daher der Plan geboren, die Störche mit einer entsprechenden Nisthilfe zu unterstützen.

Natürlich ist ein solches Vorhaben nicht ohne breite Abstimmung umzusetzen. Zuerst stand die fachliche Beratung im Vordergrund. Ist der Einbau einer Nisthilfe zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch möglich und sinnvoll? Wer könnte die Marktgemeinde dabei unterstützen? Wer ist im Stande solche Plattformen zu bauen?

Der LBV gab fachkundigen Rat

Fachkundige Beratung fand die Kommune hier beim Landesbund für Vogelschutz . Die Kreisgruppen Bamberg und Kronach unterstützten das Vorhaben nach Kräften. Mit Thomas Stahl, lokaler Storchenbeauftragter im Landkreis Bamberg, war der Allrounder gefunden, der sich sowohl auf den Bau entsprechender Nistplattformen verstand als auch die Gewohnheiten der Störche einzuschätzen weiß. Er riet eindeutig zur Aufbringung der Plattform noch vor der einsetzenden Brutzeit. „Störche sind stur – spätestens am nächsten Tag sitzen beide wieder auf ihrem angestammten Platz“, wusste Stahl die anfänglichen Bedenken zu zerstreuen. Über vierzig solcher Nisthilfen hat der Storchenbeauftrage aus dem Landkreis Bamberg in den letzten Jahren schon installiert.

Nun, da feststand wie man den Störchen „unter die Flügel“ greifen könnte, war es wichtig die Eigentümerin des Anwesens einzubinden, denn das Obere Schloss ist ja kein kommunales Gebäude. Aber auch diese fand die angedachte Idee großartig und freute sich über die unverhofften „Obermieter“. Weitere organisatorische Punkte mussten noch abgestimmt werden: Kann die Drehleiter der Feuerwehr Küps für das Aufbringen der Plattform genutzt werden? Ist eine Straßensperrung nötig? Was sagt die Untere Naturschutzbehörde ? Alle Beteiligten begeisterten sich gleich für das Projekt und gaben stets positive Rückmeldungen ab, so dass für Anfang dieser Woche das Vorhaben vereinbart werden konnte.

Um die Edelstahlkonstruktion auch kommod auszustatten, war es darüber hinaus notwendig, eine geflochtene Auskleidung für das zukünftige Nest zu schaffen. Diese Aufgabe übernahm, mit freundlicher Unterstützung der Gemeinde Michelau , Lefteris Philippidis, Mitarbeiter im Korbmuseum Michelau, der für seinen Einsatz von der Gemeinde Michelau sogar freigestellt wurde. Der Fachmann fertigte in ungeheuer fingerfertiger Art und Weise eine wunderbare 1,2 Meter große Korbeinsatzplatte für das Nest.

Brotzeit und „Storchenbier“

Am Tag des Geschehens wurde die Drehleiter in gewohnt fachkundiger Weise durch die Mitarbeiter des Bauhofes bedient, welche auch die Verkehrssperrung organisierten. Mit gekonnten Handgriffen wurde die Plattform an die Maße des örtlichen Schornsteins angepasst, was durch Thomas Stahl, unter tatkräftiger Hilfe der Nachbarschaft, gut gelang. Überhaupt unterstützen die Nachbarn das Vorhaben mit Eifer, denn auch sie hatten sich schon einige Zeit um den Schutz der gefiederten Nachbarn bemüht. Emsig versorgten sie die Helfer mit einer Brotzeit und „Storchenbier“ – selbstverständlich coronakonform. Alles in Allem konnte der Einsatz zu einem guten Abschluss gebracht werden – gegen 20 Uhr verfügte das Obere Schloss über eine Nistplattform mit geflochtenem Einsatz in stattlicher Größe. Alles Menschenmögliche war getan. Nun galt es Daumen zu drücken, dass das Nest auch angenommen wird. Als am nächsten Morgen die Sonne über den Dächern von Küps aufging, waren viele Interessierte hoch zufrieden. Das über Nacht noch abgängige Storchenpaar hatte in den frühen Morgenstunden den neuen Storchenhorst angenommen und bereits schon mit der Neuausstattung des Nests begonnen. Der Einsatz der vielen Helfer hatte sich gelohnt.