Emsig fischen die Jugendlichen des örtlichen Fischereivereins den Unrat aus der Steinach. Gleichzeitig sieht man engagierte Mitwitzer Bürger , wie sie achtlos weggeworfenen Müll am Wegesrand aufsammeln. Mit Mülltüten "bewaffnete" Joggerinnen heben den Unrat auf, den sie bei ihrem Lauf finden - gemeinsam für eine saubere Umwelt. Gemeinsam, aber nicht miteinander. Weil es die Pandemie nicht zulässt.

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Das haben sich Jakob Wenzel und Ramona Pöhlmann gedacht, als sie ihre Aktionen für eine saubere Umwelt ins Leben gerufen haben.

Jakob Wenzel, Leiter der Jugendgruppe des örtlichen Fischereivereins, geht normalerweise einmal im Jahr mit seinen Schützlingen auf Tour, um die Ufer der Steinach, vor allem nach Hochwasserereignissen, von Müll und Unrat zu befreien. "Man kann sich gar nicht vorstellen, welche Mengen an alten Autoreifen wir da schon rausgefischt haben. Sogar ein Staubsauger war dabei", so der Jugendgruppenleiter. "Es ist unvorstellbar, welche Mengen an Plastikmüll angeschwemmt werden. Dies ist ein Riesenproblem, vor allem, weil der Kunststoff in den Wasserkreislauf gelangt. Dadurch wird er auch vom Menschen aufgenommen; und zwar in nicht geringem Umfang. Eine bedenkliche Entwicklung, der wir unbedingt entgegensteuern müssen."

Gefahr für Tiere

Plastikmüll verschwindet nicht so schnell wieder, er zerfällt nicht wie Holz oder andere natürliche Stoffe. Kleine Kunststoffteile werden von Fischen oder Vögeln oft mit Nahrung verwechselt und gefressen, woran sie dann verenden. Einmal in die Natur gelangt, verschwindet Kunststoff nicht wieder, deshalb ist es umso wichtiger, diesen ordnungsgemäß zu entsorgen.

So haben sich in diesem Jahr die Jugendlichen des örtlichen Fischereivereins zwischen zehn und 18 Jahren in Zweiergruppen auf den Weg gemacht, um die Gewässer in und um Mitwitz von Müll und Unrat zu befreien. Riesige Berge an Müll und insbesondere an Plastikmüll wurden gesammelt und im gemeindlichen Bauhof abgegeben, wo er anschließend ordnungsgemäß entsorgt wurde.

Ein weiterer erfreulicher Nebeneffekt der Müllsammelaktion war, dass der Fischereiverein den seit Februar verschollenen Bären aus dem Skulpturenpark des Wasserschlosses in der Steinach bergen konnte. Ohne größere Schäden konnte das vom Hochwasser weggespülte "Tier" wieder an seinen gewohnten Platz im Schlossareal gebracht werden.

"In erster Linie geht es mir darum, das Bewusstsein der Jugendlichen für die Natur zu schärfen. Und auch wenn sie vielleicht irgendwann das Interesse am Angeln verlieren - das erlernte Umweltbewusstsein bleibt (hoffentlich) bestehen", ist es dem Jugendgruppenleiter ein Anliegen.

Ein Trend aus Schweden

Ähnlich wie Jakob Wenzel denken Ramona Pöhlmann und ihre Freundin, als sie sich zusammen mit ihren Kindern auf den Weg zum "Plogging" machen. Plogging ist eine Trendsportart, bei der immer mehr Menschen die Gelegenheit nutzen, in der freien Natur zu joggen und gleichzeitig Müll zu beseitigen. Der Trend stammt aus Schweden und das Wort setzt sich zusammen aus den Bestandteilen "plocka" ("(auf)sammeln" und "pflücken") und "jogging".

Durch einen Bericht aus Coburg ist Ramona Pöhlmann auf dieses Thema aufmerksam geworden. Sie hatte sich zusammen mit ihrer Freundin zu einem virtuellen Sonntags-Walk angemeldet und kurzerhand beschlossen, Mülltüten mitzunehmen. Zusammen mit ihrer Freundin und den Kindern wurde eifrig gesammelt und es kam eine komplette große Mülltüte für die Industrie zusammen, die sie dann zum Bauhof brachten.

"Zeitlich gesehen waren das die längsten fünf Kilometer unseres Lebens, aber für die Umwelt allemal wert!", erinnert sich Ramona Pöhlmann schmunzelnd.

"Wir sammeln regelmäßig Müll ein, insbesondere Flaschen, die in unserer Nähe immer wieder achtlos weggeworfen werden, und waren jetzt auch wieder im Rahmen der Umweltaktion fleißig am Einsammeln. Die Umwelt geht uns schließlich alle an. Man sollte nicht wegschauen. Eine Flasche, ein Tuch, eine Folie kann man immer aufheben und in den nächsten Mülleimer werfen!", appelliert die "Ploggerin" abschließend.

Der Mitwitzer Bürgermeister Oliver Plewa freut sich sehr über die hohe Resonanz, die seinem Aufruf "Haben Sie ein Auge auf die Natur" gefolgt ist: "Auch wenn unsere gewohnte Aktion "Zamm geht's" in diesem Jahr nicht möglich war, haben sich bereits sehr viele Bürgerinnen und Bürger aktiv für eine saubere Umwelt eingesetzt - und dafür auch kreative Lösungen gefunden. Vielen Dank dafür!"

Mit Greifarm und Uroma unterwegs

Schmunzelnd wirft er dabei einen Blick auf das Foto, das die kleine Ella mit ihrer Uroma Emmi Totzauer bei ihrer wöchentlichen Müllsammel-Runde zeigt. Der Greifarm, den sich das Mädchen vom Nikolaus gewünscht hat, kommt regelmäßig zum Einsatz, denn die Berge an Unrat, insbesondere an Kunststoffmüll , scheinen kein Ende zu nehmen.

Der Bürgermeister appelliert daher weiterhin an das Umweltbewusstsein aller: "Ich möchte Sie bitten, stets weiterhin ein Auge auf die Natur zu haben. Sie wird es Ihnen danken!" red