Live-Hörspiel Im Kronacher Kreiskulturraum wurde die Geschichte einer Figur erzählt, die widersprüchlicher kaum sein könnte. Geschichte und Humor waren die Zutaten einer gelungen Klangaufführung.
Um den Wildschütz Georg Jennerwein vom Schliersee ranken sich viele Legenden und es gibt auch ein recht bekanntes Lied über ihn. War er ein Idol und Freiheitskämpfer oder Weiberheld und Großmaul? Aussagekräftige Dokumente außer einem Gerichtsurteil gibt es nicht.
Dass die Figur sicher zwiespältig zu sehen ist, ließen auch Johanna Bittenbinder, Heinz-Josef Braun und Stefan Murr in ihrem Live-Hörspiel „Jennerwein“ im Kronacher Kreiskulturraum spüren. Großartig und humorvoll-satirisch untermalt war der Auftritt in Kronach am Samstag vom Art Ensemble Passau. Ein runder, spannender und absolut mitreißender Abend war es, den der Kreiskulturring veranstaltete. Dass der Wilderer Georg Jennerwein, liebevoll Girgl genannt, seine Jagdbeute mit den Armen geteilt hat, ist ungewiss. Dass er gegen die „Großkopferten“ wetterte, weiß keiner wirklich. Aber es gibt das Jennerwein-Lied, das der Volksliedsammler Kiem Pauli aufgeschrieben hat.
Eine Reise in tiefstem Bairisch
Weil eben in den Bergen die Freiheit wohnt und Legenden über fingierte Selbstmorde in Bayern gerne Anklang finden, landet am Todestag des Wilderers , am 6. November, öfter mal ein Kranz auf Jennerweins Grab im Westernhofener Friedhof. Diese Zwiespältigkeit der Figur brachten Stefan Murr und Heinz-Josef Braun als Autoren des Hörspiels, das des Wilderers Leben von der Wiege bis zur Bahre erzählte, immer wieder auf den Punkt.
In tiefstem Bairisch luden die Sprecher auf eine Reise durch Jennerweins Leben ein. Man erfuhr, wie der Girgl als uneheliches Kind von Mitschülern gemobbt wurde und später die Mutter seiner Tochter ebenfalls im Stich ließ. Sein freches Mundwerk und seine Selbstüberschätzung wurden in lebendigen Wirtshausdialogen und derben „Gstanzerln“ perfekt in Szene gesetzt. Mitreißend erzählt wurde der Beginn seiner Wilderei, das Empfinden der Ungerechtigkeit, das Jennerwein beim Anblick einer Jagdgesellschaft der „Großkopferten“ überfiel, und das Aufbegehren gegen „die da oben“, wegen deren Erbstreitigkeiten ein Krieg ausbrach, in den man die Menschen schickte. Ein Krieg, in dem Jennerwein auch seinen, zumindest der Legende nach, späteren Mörder Pföderl als Freund kennenlernte.
Man konnte packend miterleben, wie Pföderl dem Jennerwein im Krieg sogar das Leben rettete. Pföderl wiederum wurde laut historischer Akte zu acht Monaten Haft wegen Körperverletzung verurteilt. Der Legende nach trieben ihn aber seine „inneren Dämonen“ in den Alkohol und anschließend in den Tod.