Das Glasmacherdorf Kleintettau blickt auf eine 360-jährige bewegte Geschichte zurück. Mit der Gründung einer Dorfglashütte am 1. April 1661 zusammen mit dem Bau der ersten drei Wohnhäuser entstand diese Dorfgemeinschaft. Sie war geprägt insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert von bitterster Armut. Darunter hatten vor allem die Kinder zu leiden. Auch heute noch dominiert - wie vor 360 Jahren - Glas. Aktuell beschäftigt Heinz-Glas, der größte Arbeitgeber , in Kleintettau an die 900 Mitarbeiter. Der Ort ist in diesen 360 Jahren beachtlich gewachsen - er zählt 220 Häuser.

Die Rahmenbedingungen in der Gründerphase wenige Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges waren alles andere als optimal. Die ungünstige Verkehrslage sowie karger Boden und schließlich die starke Konkurrenz der Glasmacherei in Thüringen ließen kaum eine gedeihliche Entwicklung zu. Nach einhundert Jahren hatte Kleintettau gerade mal zwölf Häuser. 1766 zählte man immerhin 115 Einwohner.

"Auch im Feldbau unermüdlich"

Die Beschreibung des Amtes Lauen­stein lässt erahnen, wie hart der Überlebenskampf damals war. "Die Gegend, in der die Glashütte steht, war ehedem eine der wildesten des hiesigen Amtes und nichts als ein sehr enges Wiesengründlein, auf beiden Seiten Gebirg und Wald und unfruchtbarer Boden. Jetzt ist sie bewohnt und fruchtbar angebaut. Die Glasmacher sind nicht nur in ihrer Kunst fast die berühmtesten aus dem Thüringer Wald , sondern auch im Feldbau unermüdlich und verständig." Diese Beschreibung beweist den bemerkenswerten Aufbauwillen der Menschen am Rennsteig .

Trotz vielfältiger Schwierigkeit und geografischer Nachteile konnte sich Kleintettau stetig vergrößern. Dies beweist eine Beschreibung von 1906: "Die Gemeinde Kleintettau zählt 368 Einwohner in 39 Wohnhäusern, darunter 1 Schulhaus, 1 Forsthaus, 2 Bürohäuser und zwei Glashütten nebst Schleiferei. Gehalten werden fünf Pferde, 52 Rinder, 34 Ziegen und 40 Schweine."

Wende nach einer Brandstiftung

Aufgrund des Flüchtlingsstromes nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Kleintettau durch 181 Evakuierte und Flüchtlinge auf 850 Einwohner. Dann ging es kontinuierlich mit der Einwohnerzahl bis zum heutigen Tag wieder zurück. Heute zählt der Ort, der aufgrund der Gemeindegebietsreform am 1. Mai 1978 verwaltungsmäßig dem Markt Tettau zugeschlagen wurde, 636 Einwohner. Die entscheidende Wende trat am 17. Juni 1904 ein: Die alte Dorfglashütte brannte aufgrund einer Brandstiftung komplett ab. Es erfolgte kein Wiederaufbau . Stattdessen gründeten zwei Glasmeister noch im gleichen Jahr eigene Firmen: Carl August Heinz und Christian Hammerschmidt. In jedem der Unternehmen waren damals an die 50 Glasmacher beschäftigt.

Wenig später hatten die Firmeninhaber Heinz und Hammerschmidt Probleme mit ihrer Arbeiterschaft: Es kam zu Streiks. Die ungewöhnlich langen Arbeitskämpfe belegen es. Die Arbeiterschaft war in Kleintettau gut organisiert, das Dorf eine sozialdemokratische Hochburg, auch während der Weimarer Republik. Nicht zuletzt haben die Kleintettauer den braunen Parolen tapfer widerstanden.

Wirtschaftlich schwierige Zeiten folgten insbesondere nach 1930. Nach der weltweiten Rezession, hervorgerufen durch den Börsenabsturz 1929 in Amerika, lag die Arbeitslosigkeit bei 50 Prozent. Für einen weiteren Schockzustand sorgte im Jahre 1945 die abrupte Grenzziehung.

Trotz aller Rückschläge durch Kriege, Inflation und Zonengrenze haben die Einwohner nie resigniert. Unter schwierigsten Umständen haben sich die Kleintettauer Häuser gebaut und die Infrastruktur verbessert. Während 1951 die evangelisch-lutherische Auferstehungskirche eingeweiht werden konnte, erfolgte am 5. Oktober 1958 die Übergabe einer neuen Schule. Durch den Anschluss an die Fernwasserversorgung im Jahre 1973 konnte die Wasserproblematik behoben werden. Zug um Zug erfolgte ebenso der Ausbau des Straßennetzes.

Die ersten sieben schottischen Hochlandrinder, die von der Fachwelt zunächst belächelt wurden, treffen am 18. Juni 1980 in Kleintettau ein und sorgen von nun an für die Pflege der landwirtschaftlichen Flächen rund um Kleintettau , nachdem der letzte Kleintettauer Landwirt zwei Jahre zuvor aufgegeben hatte. Noch im gleichen Jahr konnte sich der ASV Kleintettau über sein neues Sportgelände freuen.

Tropenhaus macht Schlagzeilen

In jüngster Zeit sorgten außerdem deutschlandweit für positive Schlagzeilen das europäische Glasflakonmuseum bei Heinz-Glas sowie das Tropenhaus. "Klein-Eden" ist ein Umweltprojekt, das die bisher ungenutzte Abwärme der Glashütte im Niedertemperaturbereich für die Erzeugung tropischer Früchte und Fische in Bioqualität verwendet.

Die Kleintettauer haben so manche Stürme und Krisen überstanden. Doch sie haben nie aufgegeben und ihr Gemeinwesen zusammen mit Unternehmerpersönlichkeiten wie den Heinzen oder den Hammerschmidts nach vorne gebracht. Und die Ortsvereine waren immer ein stabiler Hort der Zusammengehörigkeit.

Ein solcher Ort hat Zukunft, ein solcher Ort wird auch zukünftige Herausforderungen meistern. Und die Kleintettauer können stolz darauf sein, mit ihren wunderschönen Parfümflakons die Frauen in aller Welt zu beeindrucken.