Kronach  —  Schon seit jeher nimmt Fronleichnam als eines der schönsten Kirchenfeste im Jahreskreis in Kronach einen besonderen Stellenwert ein. Gefeiert immer am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, stellt insbesondere die prunkvolle Prozession durch die Innenstadt stets ein innig-ergreifendes Glaubensbekenntnis dar. Coronabedingt war dies leider auch heuer nicht möglich. Auch die festliche Eucharistie-Feier fand nicht wie sonst auf dem Rathausplatz statt, sondern in der Stadtpfarrkirche.

Warten auf die Enthüllung

„ Christo hat mit seiner Verhüllungskunst Millionen Menschen begeistert und berührt“, meinte Pfarrer Thomas Teuchgräber in seiner Predigt . Durch seine Aktionen sollte der Mensch das, was er zuvor bloß gewöhnlich sah und für selbstverständlich nahm, mit neuen Augen wahrnehmen. Er sollte nachdenklich werden, mit Spannung und einer gewissen Sehnsucht auf die Enthüllung warten und einen tieferen Blick für deren Bedeutung bekommen. Verhüllen und Enthüllen: Das Spiel habe seinen Reiz, mache neugierig und baue Spannung auf. Davon lebe bei uns, so Teuchgräber, auch die ganze Verpackungsindustrie und Dessous-Branche.

„Viele vergessen, dass die Verhüllungs- und Enthüllungskunst aus dem Bereich des Religiösen kommt“, erklärte der Stadtpfarrer , dass es sich dabei um eine uralte kirchliche Tradition handle. In der Fastenzeit werde beispielsweise der Flügelaltar geschlossen, um Sehgewohnheiten zu durchbrechen und bei der Kreuzenthüllung am Karfreitag einen neuen Blick auf die Bedeutung des Kreuzes zu lenken.

Wenn er alljährlich an Fronleichnam die prachtvolle Sonnenmonstranz durch die Innenstadt trage, dann sei dies mehr als Folklore oder zelebrierte Ästhetik. Vielmehr sei darin die Gestalt Christi präsent in Brot und Wein, wie auch in jeder Eucharistie-Feier. Diese Verhüllung sei ein Anreiz, hinter dem Stückchen Brot mehr zu sehen und sich von diesem Geheimnis in den Bann ziehen zu lassen - eben das, was der im Mai vergangenen Jahres verstorbene berühmte Künstler auch mit seinen spektakulären Verhüllungsprojekten angestrebt habe.

„Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir ...“ – in einer kleinen Prozession des liturgischen Dienstes spendete der Pfarrer abschließend an drei wunderbar geschmückten „Stationen“ – vor dem Altarbereich, dem Marienaltar sowie schließlich vor dem Hochaltar – den Segen Gottes, darunter auch für die Stadt Kronach , alle Mitarbeiter und Verantwortlichen. Bürgermeisterin Angela Hofmann konnte der Seelsorger ebenso zum Fest-Gottesdienst begrüßen wie Mitglieder des Stadtrats. Musikalisch stimmungsvoll umrahmt wurde die Messe von Marcus Punzelt an der Orgel. Ihm galt der Dank des Pfarrers ebenso wie Mesner Uli Heim sowie Lukas Weiß für die Vorbereitung sowie allen Mitwirkenden des trotz aller Einschränkungen sehr würdevoll und voller Zuversicht begangenen „Hochfests des Leibes und Blutes Christi “.

Schweden-Sonntag in Stadtpfarrkirche

Aufgrund der unsicheren Wetterlage – laut Wettervorhersage liegt die Regenwahrscheinlichkeit an dem Vormittag bei 90 Prozent – wird der Gottesdienst am Schweden-Sonntag ebenfalls in der Stadtpfarrkirche stattfinden. Beginn ist um 9.30 Uhr.