Wallenfels/Kronach —  Die Stadt Wallenfels hatte darum gebeten, dass die Aufgaben des Standesamtes sowohl aus organisatorischen als auch ökonomischen Gründen künftig vom Standesamt Kronach übernommen werden. Die Stadträte beider Städte hatten der Übertragung zugestimmt. Für die Übernahme und das folgende rechtsaufsichtliche Verfahren war nunmehr eine gemeinsame Vereinbarung zwischen den beiden Städten zu unterzeichnen.

"Niemand gibt gerne Kompetenzen ab. Am liebsten würden wir unsere Bürger im eigenen Haus mit allen Dienstleistungen betreuen. Aber es gibt Entscheidungen, die sind schwierig; dennoch fühlt man, dass sie für alle Beteiligten besser sind", räumte der Wallenfelser Bürgermeister Jens Korn ein, dass ihm die Übertragung - trotz aller damit verbundener Vorteile - nicht leicht falle.

Personelle Gründe

Maßschlaggebend hierfür seien insbesondere personelle Gründe nach dem Ausscheiden des früheren Geschäftsleiters und Vollstandesbeamten Frank Jakob zum 30. April dieses Jahres. Dieser war in Teuschnitz zum Ersten Bürgermeister gewählt worden. Die weitere Vollstandesbeamtin tritt zum Ende des Jahres in den Ruhestand; die für eine weitere Mitarbeiterin erteilte Ausnahmegenehmigung läuft zum 31. Dezember 2020 aus. Die diesjährigen Qualifizierungslehrgänge, an denen auch der neue geschäftsleitende Beamte Christoph Hohlweg und Kämmerer Torsten Grundei hätten teilnehmen sollen, wurden coronabedingt verschoben. Freie Plätze stehen frühestens im April 2021 wieder zur Verfügung. Nach dem Qualifizierungslehrgang müsse der Betreffende mindestens drei Monate bei einem Standesamt als Sachbearbeiter oder zur Einweisung tätig sein. Erst dann könne die Bestellung zum Standesamtbeamten erfolgen. "Dies bedeutet für Wallenfels, dass frühestens Mitte 2021 eine Bestellung erfolgen könnte", erklärte Korn. Mit dieser Vakanz wäre das Standesamt in Wallenfels bis dahin praktisch handlungsunfähig.

Erschwerend komme hinzu, dass das Personenstandsrecht gerade auch wegen der zahlreichen Auslandsberührungen immer komplizierter werde. Das Standesamtspersonal in kleinen Städten und Gemeinden müsse ein zunehmend breiteres Fachwissen vorhalten - bei oft sehr geringen Fallzahlen. Ein Neuling im Personenstandswesen könne dies keinesfalls aus dem Stand bewältigen. "Man muss sich die Frage stellen: Sind wir als Stadtverwaltung in der Lage, diese Leistung immer sicherzustellen?", schloss sich ihm Hohlweg an. Dies scheitere derzeit an der personellen Ausstattung.

Eine Win-win-Situation

"Wir verstehen uns als Dienstleister für alle Bürger im Landkreis", betonte der Leiter des Standesamts Kronach, Harald Suffa-Blinzler, der die gute Zusammenarbeit mit allen Kommunen hervorhob. Bei der Zusammenlegung handele es sich um eine klassische Win-win-Situation, ohne "Verlierer". Sicher zeigte er sich, dass von der Entscheidung - unter den Aspekten Servicequalität und Bürgernähe - auch die Bürger profitierten. Diese übertrügen in der Regel die Abwicklung von Sterbefällen an die Bestattungsinstitute. Die Ausstellung einer kostenpflichtigen Geburtsurkunde entfalle, wenn der Betroffene in Kronach geboren sei. Das Standesamt biete bei Bedarf und nach vorheriger Terminvereinbarung auch Außensprechtage im Wallenfelser Rathaus an. Die Vertretung der Standesbeamten könne in größeren Standesämtern leichter gewährleistet werden.

"Die Bürger der Stadt profitieren auch durch das Freiwerden von Finanzmitteln und personeller Ressourcen, da wir sie dort einsetzen, wo sie wirklich der Bürgerschaft zugutekommen", verdeutlichte Korn, dass die Entscheidung auch mit einer Kostenreduzierung der Stadt Wallenfels von jährlich rund 17 000 Euro einhergehe. Da die technischen Anforderungen an Hard- und Software, Datennutzung und Datenspeicherung immer umfangreicher würden, steigen auch in Zukunft die Kosten für ein Standesamt deutlich.

Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann freute sich über die gute interkommunale Zusammenarbeit. Die Stadtverwaltung habe man neu aufgestellt. Die Abteilung "Standesamt und Einwohnermeldeamt" könne sich dadurch auf wichtige Kernbereiche konzentrieren, was ein enorm hohes Fach- bzw. Expertenwissen garantiere.

Nach Nordhalben ist Wallenfels die zweite Kommune, die ihr Standesamt an Kronach übertragen hat. Für den Wegfall von Kosten für Hard-/Software, Fachliteratur, Pflichtfortbildungen und Verringerung von Personalkosten wird eine Umlage an die Kreisstadt gezahlt.