Matthias Einwag

"Was war für Sie prägend im Jahr 2020 und mit welchen Hoffnungen gehen Sie ins neue Jahr?" Diese Frage stellten wir einigen ausgewählten Menschen.

Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, zugleich Vorsitzender des großen Geschichtsvereins Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW), stellt feste: "Es war entschieden ruhiger als in den Vorjahren - es gab beim CHW weniger Vorträge, weniger Anfragen." Gleichwohl habe er einen gewissen technischen Fortschritt festgestellt: "Videokonferenzen kannte man zuvor zwar, nutzte sie aber kaum." Nun sei das anders geworden: "Man muss zu vielen Terminen nicht mehr hinfahren, das ist wohltuend." Sein persönliches Zeitkontingent sei größer geworden, sagt Dippold, vor allem weil er als Bezirksheimatpfleger nicht mehr so häufig nach München reisen muss - "das sind gewonnene Lebensstunden." Aufs Bearbeiten wissenschaftlicher Projekte wirkte sich das günstig aus, weil er viel weniger Vorträge zu halten hatte. "Aber die Archive haben sehr lange geschlossen, und sie schlossen sehr schnell." Die Lockdowns machten einen Missstand sehr deutlich: "Die staatlichen Archive in Bayern haben einen eklatanten Rückstand bei der Digitalisierung. Hierbei sind wir in Europa und in der Welt hintendran."

Die Herausgabe des neuen CHW-Buchs habe sich dadurch verzögert, es erscheine jedoch Anfang 2021. "Wir haben ganz neue Formate entdeckt und alte, vergriffene Veröffentlichungen digitalisiert sowie einen Videokanal eingerichtet auf der Plattform Vimeo", ergänzt er (vimeo.com/user110473539).

CHW-Vorträge online im Web

Im Dezember sei zudem damit begonnen worden, Online-Vorträge über die CHW-Webseite anzubieten. Die Vorträge seien dort verlinkt. "Ich bin selber fasziniert, wie gut die ankommen." Beim Nachsehen habe er eine Frequenz von bis zu 50 eingeloggten Geräten feststellen können mit oftmals zwei Personen - "das sind 70 bis 80 Zuhörer, was man in einem Analogvortrag erstmal hinkriegen muss."

Diese Art, Wissen zu vermitteln, "werden wir über die Corona-Zeit hinaus beibehalten", sagt Dippold. Damit erreiche das CHW auch Leute aus Kiel und München, die niemals extra zu einem Vortrag nach Weismain fahren würden. "Das bietet uns ganz neue neue Optionen. Wir sind durch Corona vom Konjunktiv zum Indikativ gekommen - wir sagten immer wir müssten, nun tun wir's."

Bernhard Christoph, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege, hat nun mehr Zeit zum Forschen, seit er hauptberuflich im Ruhestand ist. Zusammen mit seiner Frau Rosi ist er fast jeden Tag draußen, um "alle mir bekannten Kreuzsteine im Landkreis zu säubern und von wuchernder Vegetation zu befreien". Rund 30 solche Bodendenkmale gibt es im Kreis, die er mit Koordinaten in die Denkmalliste einstellen werde, damit sie nicht in Vergessenheit geraten: "Die fallen sonst irgendwann um und verschwinden im Boden." Wenn sie nicht in der Denkmalliste stünden, dann seien sie vom Verschwinden bedroht.

Spektakulärster Fund des Ehepaars: "Rosi hat ein Adlerauge - sie fand auf einem Feld bei Lahm einen Armreif aus Bronze, der etwa 3500 Jahre alt ist. Die Dame, die diesen Armreif trug, war sicher eine Privilegierte."

Auch die Baustelle der neuen B 173 bei Hochstadt überprüfen Rosi und Bernhard Christoph regelmäßig, denn bei solch großflächigen Geländebewegungen seien Funde zu vermuten. Weil in diesem Bereich keine Bodendenkmäler ausgewiesen seien, könne man erwarten, dass bei den Bauarbeiten etwas angerissen werde, das bisher unerkannt in der Erde schlummert.

Georg Hagel, der Basilikaorganist von Vierzehnheiligen, sagt: "Die Corona-Krise hat mir durch wegfallende Wallfahrtsgottesdienste zeitlich ermöglicht, mein persönliches Konzertrepertoire endlich zu erweitern. Das heißt: Ich übe jetzt Stücke, die ich schon seit zehn Jahren einüben wollte, aber nie dazu gekommen bin. Denn vor Corona ist nach Corona, die nächste Konzertsaison winkt." Während der Lockdowns hatte er Lust zum Üben - das sei kein Luxus, ein Organist müsse sich generell dienstlich fit halten. Im neuen Jahr freut er sich besonders auf den Saisonbeginn der Freitagskonzerte und darauf, für Musikfreunde spielen zu dürfen.

Der Wirt der Staffelberg-Klause, Gottfried Schmitt, beurteilt "die fünf Monate, in denen wir 2020 aufmachen durften", als geschäftlich gut. Leider fehlten durch den ersten Lockdown die Einnahmen der auf dem Staffelberg normalerweise umsatzstärksten Monate April und Mai. "Die Leute essen und trinken anschließend nicht das Doppelte", kommentiert der Wirt den Ausfall. Die Hygieneregeln setzte er vor der Klause um: "Wir haben für viel Platz und genügend Abstand gesorgt. Das werden wir auch 2021 so machen." Als die Klause im Sommer 2020 öffnen durfte, seien sehr viele positiv gestimmte Gäste auf den Berg gekommen. "Die Leute freuten sich so sehr, dass sie wieder einkehren, ein Stückchen Normalität erleben durften. Man sah, wie sie aufgehen, wie glücklich sie sind."

Gottfried Schmitt hofft, dass er Impfstoff bald etwas bewirkt: "Wir standen hinter Plexiglas, setzten uns aber Zigtausenden aus, die mit Masken anstanden." Dass der Jahreswechsel 2020/21 wegen der Ausgangssperre und des Böllerverbots auf dem Staffelberg sehr ruhig ausgefallen ist, findet er nicht tragisch. In den Vorjahren kamen bis zu 500 Leute in den Silvesternächten aufs Plateau. Einmal, erinnert er sich, "mussten wir 84 Sektflaschen wegräumen", die von den Feiernden zurückgelassen wurden. Für 2021 wünscht Gottfried Schmitt, "dass wieder ein wenig Normalität einkehrt, dass wieder Besucher kommen können - diese Aussichten stimmen mich wohl."

Der Vorsitzende der Staffelsteiner Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft, Frank Mirsberger, der mehrere "felicissimo"-Modegeschäfte führt, antwortet: "Als Unternehmer bin ich voll betroffen von der Krise, die Einnahmen brachen weg." Für 2021 habe er die Hoffnung, wieder zum Alltagsgeschäft zurückkehren zu können, "so dass normaler Kundenkontakt wieder möglich wird." Die Kontakte zu Kunden fehlen ihm genauso wie zu Freunden auf privater Basis. Er hofft deshalb, dass im Sommer eine tendenzielle Normalität möglich wird.

"Positiv war aus Unternehmenssicht, dass wir die Digitalisierung vorantreiben konnten - im Herbst haben wir den Online-Shop aufgebaut, der jetzt läuft." Ein Unternehmer, fährt er fort, schiebe eine Neuerung gerne auf die lange Bank, weil es immer Aktuelleres zu machen gebe. "In den beiden Lockdowns aber konnten wir die Digitalisierung forcieren - das ist ein Meilenstein für die Zukunft." Frank Mirsberger vertraut darauf, dass eine positive Grundstimmung erhalten bleibt und dass bald eine Aufbruchstimmung einzieht, so dass die Lebensqualität zurückkommt. "Derzeit läuft uns die Liquidität davon wie aus einer Sanduhr."

Sven Düber, der das italienische Restaurant "dal Trullo" in Bad Staffelstein betreibt, resümiert: "Wenn man den ersten Lockdown mit dem zweiten vergleicht, dann war es beim ersten einfacher." Im Frühjahr 2020 habe er das Restaurant zuversichtlich geschlossen. "Dann haben wir am 1. Mai wieder geöffnet, es lief gut an - in den ersten Tage haben uns die Leute überrollt", sagt er. Als die Gaststätte ab Mitte Mai wieder geöffnet war, entwickelte sich der To-go-Verkauf rückläufig. Doch im Lokal seien nur Tische für wenige Personen zugelassen gewesen, was sich wirtschaftlich unterm Strich nicht rechnete. Dagegen sei die Abholung der Speisen effizienter gewesen. Mit der Wiederöffnung der Therme seien mehr Gäste gekommen. "Bad Staffelstein ist ausgelegt auf die Therme und den Tourismus, wenn das wegbricht, spürt man, dass eine Überkapazität da ist", fasst Sven Düber zusammen.

Die Leute achten auf Abstand

Und wie reagierten die Gäste auf die Abstandsregeln? "Wir hatten einige Ausreißer, aber relativ wenige. Die meisten Menschen bestärkten uns in der Umsetzung der Hygienemaßnahmen." Die Leute seien sensibler geworden. Gerade zum Ende der Terrassenzeit gingen die sie auf Distanz, wollten nicht drinnen sitzen. Beim zweiten Lockdown sei das To-go-Geschäft nur zögerlich angelaufen - vielleicht, weil viele Familien wegen Kurzarbeit weniger Geld zur Verfügung haben, vermutet Düber, der seit 30 Jahren in der Staffelsteiner Gastronomie tätig ist. "Wir sind relativ gut über den Sommer gekommen, auch wenn die Reserven aufgebraucht sind. Wir haben eine tolle Stammkundschaft und sind sehr dankbar für deren Unterstützung. Schön, dass der Zusammenhalt da ist."

Der Banzer Pfarrer Christian Montag sagt: "Ich hatte 2020 Zeit aufzuarbeiten, was liegen geblieben ist. Für 2021 habe ich mir vorgenommen, mich mehr zu bewegen, weil ich vergangenes Jahr zu viel am PC saß." Nach einem Spaziergang, der den Kopf frei mache, könne er konzentrierter weiterarbeiten. "Wir hatten 2020 Freiluftgottesdienste, die gut angekommen sind", fährt er fort - wenn erforderlich, könnte das 2021 wieder so praktiziert werden. Durch die gemeinsam finanzierte neue Krippe "merkten die Leute, dass wieder etwas stattfindet, das hat die Gemeinschaft gestärkt".

Der Herzoglich Bayerische Förster von Banz, Sebastian Huth, antwortet: "Im Wald war's ein Katastrophenjahr, wir hatten die schlimmste Borkenkäferwelle der vergangenen Jahre, was zu starkem Preisverfall und somit zu betrieblich-wirtschaftlichen Problemen führte." Persönlich fehlen ihm vor allem soziale Kontakte. Für 2021 erhofft er, "dass man in Zukunft die Freizeit, die man durch Corona nun reichlicher hat, mehr zu schätzen weiß".