Es ist kurz vor 19 Uhr am Montagabend. Vor dem Eingang der Schule haben sich Mitglieder der Bürgerinitiative "Weniger Funk - glücklich und gesund" positioniert, um die eintreffenden Gemeinderäte über die Gefahren des Mobilfunks, insbesondere des Standards 5G, zu informieren.

Das Gremium diskutierte an dem Abend darüber, im Rahmen des bayerischen Mobilfunk-Förderprogramms die Lücken im südlichen Mainleuser Gemeindegebiet mit einem neuen Mobilfunkmast zu schließen. Im Kern betrifft dies die Ortschaften Wüstenbuchau, Motschenbach und Bechtelsreuth, auch einige Bewohner waren als Zuhörer gekommen.

"Wir haben den Eindruck, dass die Gemeinde den Mast unbedingt will", sagte Alexander Kaiser von der Bürgerinitiative. In der Aula ging es dann sachlich zu. Michael Trost vom beauftragten Ingenieurbüro IMT erläuterte die vier möglichen Standorte. "Von allen drei Mobilfunkbetreibern wird der Standort an der Kurve bei Bechtelsreuth befürwortet", erklärte Trost. Gut geeignet wäre auch die Alternative im Staatsforst. In jedem Fall müsse man mit einer Bauhöhe zwischen 35 und 45 Metern rechnen.

"Ist an jedem Standort Richtfunk vorgesehen?", wollte Erich Schiffelholz (ABL) wissen. Davon sei auszugehen, denn die Telekom nutze als einziger Betreiber vorwiegend Glasfaserverbindungen, so die Antwort.

Den beabsichtigten Mastbau will man laut Bürgermeister Robert Bosch (CSU) in einer Bürgerversammlung vorstellen und sich dabei ein Meinungsbild einholen. "Es ist die Aufgabe des Gemeinderats, die Argumente und Empfehlungen der Bürgerversammlung zu würdigen und entsprechend zu bewerten", sagt er. Damit reagiert er auf die Wortmeldung von Markus Oppelt (FW), der sich gegen einen Mastbau ausgesprochen hatte.

Eine Fürsorgepflicht

Brigitte Lauterbach (ABL) ergänzte: "Wir haben als Gemeinderat eine gesundheitliche Fürsorgepflicht. Wir brauchen ein Gutachten über die Funkstärken, damit wir die Bürgerinnen und Bürger gut informieren können." Doch es gab auch Stimmen, die einen Funkmastbau befürworteten. "Wir wollen eine fortschrittliche Gemeinde sein, da geht es nicht, dass ich im Wald keinen Handyempfang habe", warf Hannelore Lindner (FW) ein, und Dieter Pöhlmann (CSU) wies auf die Rettungsdienste hin. In Zukunft würden alle Fahrzeuge mit eCall ausgerüstet sein, einem Notrufsystem, das im Falle eines Unfalls automatisch einen Notruf absetzt. "Ich will nicht entscheiden, dass ausgerechnet in diesem weißen Fleck kein Notruf möglich sein wird." Bei zwei Gegenstimmen beschloss das Gremium, in einer Bürgerversammlung den Bau eines Stahlgittermasten im Staatsforst vorzustellen.

Und was hält die Bürgerinitiative davon? "Wenn das wirklich ernst gemeint ist, und die Bürger tatsächlich gehört werden, wäre das in Ordnung, dann brauchen wir auch keinen Bürgerentscheid", sagte Alexander Kaiser. Er wünscht sich, dass die Verantwortung für die Gesundheit der Menschen ernst genommen und dass eine Verträglichkeitsstudie gemacht wird. "Unsere Zellen reagieren auf elektromagnetische Strahlung, sie zu ignorieren ist verantwortungslos."

Weiter fasste das Gremium Beschlüsse zur Einrichtung von gemeindlichen Stellplätzen am Hans-Grimm-Weg sowie - bei fünf Gegenstimmen - zur Entsiegelung dreier weiterer Stellplätze. Außerdem wurde die Änderung des Flächennutzungsplans bezüglich der Fläche zwischen Aldi und Lidl mit 14:2 Stimmen verabschiedet. "Erstmals wird damit eine große Fläche, die für Bebauung vorgesehen war, aus dem Flächennutzungsplan genommen", erklärte Bürgermeister Bosch.

Eine Kriegserklärung

"Der größte Flächeneigentümer, ein Milliardenkonzern mit Sitz in Frankfurt, ist damit überhaupt nicht einverstanden, das will ich nicht verheimlichen." Man habe dort von einer Kriegserklärung gesprochen und wolle "einen politischen Weg suchen, um unser Vorhaben zu verhindern". Widerspruch kam auch von Andrea Pfadenhauer-Wagner (SPD): "Wir können das nicht so durchziehen, das wäre eine Wertminderung."