Gemeinsam mit der Mittelstands-Union Erlangen-Höchstadt gelang es Walter Nussel, Landtagsabgeordneter aus dem Herzogenauracher Ortsteil Burgstall, in der Corona-Krise, einen "virtuellen Dinner-Talk" auf die Beine zu stellen. Referent war Walter Kohl, Unternehmensberater und Buchautor und Sohn des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl. Er referierte über die Notwendigkeit einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft als Teil einer umfassend neu gedachten "Politik von morgen".

Wäre gegenwärtig nicht die Pandemie das alles beherrschende Thema, Deutschland würde wohl vor allem über den Klimawandel diskutieren. Dass dessen Bewältigung eine Generationenaufgabe ist, steht für Walter Kohl fest. Allerdings zieht er gänzlich andere Schlüsse aus dieser Erkenntnis, als dies üblicherweise geschieht. Er plädiert dafür, unser Wirtschaftssystem im Sinne einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft neu auszurichten. Dabei müsse der Staat den Rahmen festlegen und den Marktteilnehmern, ganz in der Tradition von Ludwig Erhard, Freiheit zu Selbstverwirklichung und Erfolg geben.

Allianz der Willigen

Kern seiner Forderung ist, dass Preise für alle Waren und Dienstleistungen in Zukunft so viele gesellschafts- und umweltschädliche externe Effekte wie möglich abbilden müssen. Ein Beispiel dafür ist die Bepreisung von CO2 -Emissionen. Kohl schlägt stattdessen vor, dass die globale Handelsmacht Deutschland eine Allianz der Willigen schmiedet. Würden die beteiligten Staaten parallel zu den CO2 -Aufschlägen in den eigenen Ländern alle Importe aus Ländern, welche die Treibhausgase nicht bepreisen, mit gleich hohen Zöllen belegen, stiege der Druck auf diejenigen Länder, die sich am Kampf gegen den Klimawandel nicht beteiligen.

Mehr noch: Kohl fordert, das bisher übliche System der Unternehmensbewertung von Grund auf zu überdenken. Statt eines "nur finanzgetriebenen Shareholder-Value-Ansatzes" müsse man zu einem "gesamtheitlicheren Total-Value-Ansatz" kommen, der auch gesellschaftliche und ökologische Bewertungsgrößen berücksichtigt, sagt er.

Freude als Leitgedanke

MdL Walter Nussel, der Kohl eingeladen hatte, formulierte abschließend: "Nachdenken über unsere Zukunft kann auch anregend und spannend sein. Es kann sogar Freude bereiten. Und genau das muss auch der Leitgedanke für die Umsetzung sein, denn die Menschen sollen die notwendigen Veränderungen nicht zähneknirschend aushalten müssen, sondern im eigenen Interesse mittragen, mitgestalten und letztlich gut damit leben können."

Freude bereitete den Teilnehmern abschließend eine ungewöhnliche, weil "virtuell-analoge" Weinprobe, für die ein Winzer allen die zur Verkostung stehenden Weine vorab zur Verfügung gestellt hatte. Dies ist in den Augen von Mittelstandsunion-Kreischef Peter Brehm aus Weisendorf ein kleines Beispiel für den menschlichen Einfallsreichtum, mit dem sich auch äußerst schwierige Herausforderungen, wie die Corona-Pandemie, überbrücken ließen. lh