In einem gemeinsamen Vorgehen soll das Hochwasserproblem am Veitsgraben gelöst werden. Zu einem Ortstermin am Pinsenhof konnte Bürgermeisterin Anita Sack (FW) jetzt sogar den bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber (FW) begrüßen.

Landrat Klaus Peter Söllner (FW) freute sich über das übergreifende Handeln von Wasser-, Land- und Forstwirtschaft. Gemeinsames Ziel sei, eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden. "Wir versuchen, den Ball, den sie uns zuwerfen, aufzunehmen. Das geht aber nur mit den Eigentümern und schrittweise", sagte Glauber. Von der Planung bis zur Umsetzung der Maßnahmen werden nach seiner Einschätzung zehn bis 15 Jahren ins Land ziehen.

Anita Sack nannte das Programm "boden-:ständig" zum Erhalt der Böden und zum Schutz des Wassers eine "Win-Win-Geschichte" für Kommune und Landwirte. In Ködnitz sei es am Ende des tief eingeschnittenen Veitsgrabens mit einem Einzugsgebiet von rund 150 Hektar bei mehreren Starkregen - zuletzt 2013 - wiederholt zu Überflutungen gekommen, weil der Kanal überlastet gewesen sei.

Reinhard Wesinger vom Büro Geo-Team aus Bayreuth erläuterte, dass bislang im Rahmen eines integralen Hochwasser- und Rückhaltekonzepts ein Niederschlags-Abflussmodell berechnet hat. Dabei seien das Einzugsgebiet des Veitsgrabens kartiert und Maßnahmen zur Verbesserung der Böden und Abflussstrukturen aufgezeigt worden. Für einen dauerhaften Hochwasserschutz habe sein Büro ein Rückhaltevolumen von rund 10 000 Kubikmetern oder eine deutliche Vergrößerung des Kanalquerschnitts in Ködnitz empfohlen. Jetzt geh es darum, das Mögliche und Machbare zu tun. Wenn der Boden in Ordnung sei und Wasser aufnehmen könne, dann könne bei einem Starkregen schon nicht mehr so viel in die Ortschaft laufen.

100 000 Euro "gebunkert"

Ein erster Vorschlag zur Schaffung eines Rückhalteraums kam von der Forstverwaltung und wie der frühere Mitarbeiter vom Forstamt Stadtsteinach,. Wie Frank Hömberg wissen ließ, sei bereits vor sieben Jahren ein Betrag von 100 000 Euro "gebunkert" worden, um beim Ausbau einer Forststraße durch einen Querdamm eine Mulde von rund 1200 Kubikmetern zu schaffen.

"Mit dem Programm "boden-:ständig" habe man jetzt mehr Möglichkeiten, bei Pinsenhof "etwas auszuloten", so Hömberg. Was nutzt es uns, wenn wir unten Dämme bauen und hier oben immer noch das frei fließende Wasser haben. Wir hoffen darauf, dass wir zusammen mit den Grundeigentümern noch kleinere Rückhaltebecken im landwirtschaftlich genutzten Teil des Einzugsgebiets bauen können."

Lothar Winkler, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung, machte deutlich, dass die Verbesserung der Böden, die Bremsung des Wasserabflusses und die Anlage von günstig gelegenen Rückhaltungen nur zur Verminderung der Abflussspitze beitragen. Technische Lösungen zum Schutz vor 100-jährigen Ereignissen könnten damit nur kleiner oder effektiver gestaltet werden.

Gemeinderat Willi Kolb (SPD), einer der Hauptbetroffenen beim Starkregen 2013, schildert, wie sein Wohnhaus damals überflutet wurde.

Thorsten Glauber sprach zunächst das Amt für Ländliche Entwicklung an. "Herr Winkler hat im Moment den größten Geldkoffer. Wir haben im Ministerium ähnliche Fälle, bei denen die Ideen draußen wachsen, dann von ,boden-:ständig" angeschoben werden, und bei denen der HQ-100-Schutz parallel dazu geplant wird. Ich glaube, für die Bürger hier ist es völlig egal, wer es tut, es muss nur getan werden."

Rainer Prischenk von der Regierung von Oberfranken, Gabriele Merz vom Wasserwirtschaftsamt Hof, Forstdirektor Michael Schmidt und BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger sicherten ihre Unterstützung zu. Vorrangige Aufgabe wird es sein, im kleinen Kreis das weitere Vorgehen zu beraten. red