Die fünf Frauen sind aufgeregt. Zum ersten Mal in ihrem Leben werden sie heute deutsche Gerichte kochen - in den Räumen der Coburger Jugendeinrichtung CoJe, also außerhalb ihrer Wohnungen. Seit etwas über einem Jahr leben Sima Abasi, Zeinab und Elahe Karimi, Razia und Sara Barati aus Afghanistan mit ihren Familien in Weidach, wo eine ehemalige Gaststätte zu Wohnungen für Geflüchtete ausgebaut wurde. Und fast ebenso lange kümmern sich Herwig und Rosely Freund zusammen mit Kerstin Tschech um diese Menschen. "Viele von ihnen kommen aus Herat, wo das Leben immer noch gefährlich ist. Deshalb haben sie bei uns zunächst ein wenn auch befristetes Aufenthaltsrecht bekommen", erläutert Herwig Freund. Er und seine Frau hätten von Anfang an beobachtet, dass die Menschen sich mit außerordentlichem Fleiß bemühen, die deutsche Sprache zu erlernen und sich mit der Kultur und Lebensweise ihrer Gastgeber bekannt zu machen. "Wir unterrichten sie inzwischen fünfmal in der Woche." Und das tun sie ehrenamtlich, wie viele andere Helfer im Landkreis.
"Durch private Kontakte haben wir von dem Engagement erfahren", erzählt Gabriele Ketteler, Präsidentin des Coburger Serviceclubs Soroptimist International (SI). Zusammen mit Helga Brachmann, Monica Schütz, die eine Freundin aus Honduras mitgebracht hat, Gisela Wagner und Andrea Schiele-Eberlein ist sie in die CoJe gekommen, um mit den afghanischen Frauen zu kochen. "Wir hatten unsere Unterstützung angeboten, aber Herr Freund wollte kein Geld, sondern praktische Hilfe."


Ein Drei-Gänge-Menü

So entstand die Idee, gemeinsam ein Menü zuzubereiten - beim ersten Mal ein deutsches, beim zweiten Treffen ein afghanisches. "Uns kommt es vor allem darauf an, den Frauen zu zeigen, was man aus regionalen Produkten zubereiten kann", sagt Ketteler. Aus dem, was es bei der Coburger Tafel für die Flüchtlingsfamilien gibt, wurde eine Speisefolge zusammengestellt. Und die sah so aus: Als Vorspeise stand geräucherte Forelle mit Meerrettich, Chicoree, Balsamico und Preiselbeeren auf dem Plan. Als Hauptspeise gab es Rinderroulade mit Serviettenkloß, Rotkohl und Karottensalat, als Nachspeise Pfannkuchen mit Apfelmus.
In der CoJe fanden die Frauen vom SI hilfsbereite Partner für ihr Projekt. "Die Küche hier ist sehr gut ausgestattet und eignet sich für das gemeinsame Kochen", ergänzt Helga Brachmann.
Nach einem kurzen Kennenlern-Gespräch - die Afghaninnen verstehen fast alles, sprechen auch recht gut deutsch - machen sich die Frauen an die Arbeit. In ihrem Land sei das Kochen reine Frauensache, erzählt Zeinab Karimi. "Die Männer helfen in der Küche nicht einmal mit", ergänzt ihre Mutter Sima Abasi und lächelt. Dass mehrere Gänge serviert werden, ist den Afghaninnen nichts Neues. Das gebe es auch bei ihnen, sagt Elahe Karimi. Als Vorspeise werde gern eine Suppe aus Gemüse mit Fleisch und Reis serviert. Als Hauptspeise gebe es Fleisch - oft Lamm oder Geflügel, aber auch Rind - mit Reis und Gemüse. Und Rotkohl kenne man auch in Afghanistan. Er werde aber ungekocht als Salat gegessen. Beliebt sei die Nachspeise Ferni, die aus Milch, Zucker, Reismehl, Vanille, Rosenwasser und Haselnüssen zubereitet wird. Ob es all das beim nächsten Mal gibt, wenn afghanisch gekocht wird? Die SI-Frauen lassen sich überraschen.