Der Kantatengottesdienst im Kissinger Sommer ist traditioneller Höhepunkt des musikalischen Kirchenjahres der evangelischen Gemeinde. Das klangmächtige "böhmische" Te Deum des Jan Dismas Zelenka ergreift die Zuhörer in der randvollen Erlöserkirche.

Wieder hat der musikalische Leiter der evangelischen Kirchengemeinde, KMD Jörg Wöltche, ein Ausrufezeichen der Kirchenmusik gesetzt, hat das geographische Thema des Kissinger Sommers "Wien-Budapest-Prag-Bad Kissingen" aufgegriffen und das "Te Deum 145" des Prager Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka, des "Böhmischen Bach", einstudiert. Das umfassende Werk verlangt Kammerorchester, Chor und Gesangssolisten und so ist der Altar- und Chorraum gerade groß genug. Bemerkenswert, dass die geforderte Besetzung mit dem "hauseigenen" Kammerorchester Bad Kissingen, dem Würzburger Madrigalchor und den Sopranistinnen Karin Mauröder, Katharina Wöltche, mit Katrin Edelmann Alt, Gustavo Martin Sánchez Tenor und Joachim Herrmann, Bass, ganz überwiegend in der Region gefunden wurde. Noch erstaunlicher aber, auf welches Können sich Wöltche verlassen kann, mit welcher Präzision dieses anspruchsvolle Werk gespielt und gesungen wurde. Wie pointiert Wöltche die vielschichtige Musik einstudiert hatte, wurde mit jeder Sequenz deutlicher.

Jederzeitiger Zugriff auf alle Mitwirkenden ist da gefordert, aber auch Stimmungen sichtbar zu machen, Höhepunkte herauszuarbeiten und Klänge wirken zu lassen, all das zeichnet sein Dirigat aus und das hat der Kirchenmusikdirektor auch bei diesem, selten zu hörenden "Te Deum", dem feierlichen Lob-, Dank- und Bittgesang der römischen Kirche, wieder einmal unter Beweis gestellt. Es jubeln und jauchzen die Blechbläser im Psalm 98 dem Herrn, schwebt das h-moll Sanctus des Chores leicht in die Altarkuppel. Wunderbar einfühlsam das "Per singulos dies", bei dem nur die Streicher das himmlische Duett von Alt und Sopran begleiten und so Gottes Namen in Ewigkeit loben.

Auf Augenhöhe mit Bach

Zelenka - einst auf Augenhöhe mit Bach - hat mit ausgeprägtem Gespür für Dramaturgie einen vielschichtigen Lobpreis Gottes geschaffen, wie es Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk in ihrer erbauenden Predigt mit vielen Bezügen zur Musik des in Dresden verstorbenen Komponisten ausdrückt. Der Krisensituation auf der Welt hat sie die Hoffnung auf Rettung für die Ewigkeit entgegensetzt und beschreibt ihren ersten Kissinger Sommer so: "Da sind herrliche Säle, ist überall grandiose Musik, die die Stadt geradezu flutet. Und da ist eben auch Musik, Gott zu loben, und Musik, Hoffnung zu geben. Und Hoffnung verändert die Welt", gibt die Pfarrerin den Zuhörern mit auf den Nachhauseweg. So, wie es in der wunderbar melodischen Schlussfuge "In Domine speravi" heißt: Auf Dich, Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. Der Beifall war enorm.