Es ist schon ein guter Geldbetrag, der sich im Laufe der Jahre in der Carl-Ebenauer-Stiftung der Stadt Prichsenstadt angesammelt hat. Das Grundstockvermögen beläuft sich auf zwei Millionen Euro. Basis der Stiftung ist ein Aktienpaket mit 14.250 Aktien der Siemens AG und 7125 Aktien der Siemens Energy AG.

Im Jahr 2007 hatte der Rat beschlossen, das Grundstockvermögen in Geld mit der Hälfte der erwirtschafteten Zinsen aufzustocken und damit zu dynamisieren. "Das war zu der Zeit auch noch sinnvoll", sagte Bürgermeister René Schlehr in seinem Sachvortrag in der jüngsten Ratssitzung. Doch Zinsen seien aktuell nicht mehr zu erwirtschaften, denn die Geldanlage "Castell Zinsanlage Flex" von der Castell-Bank ist Ende August ausgelaufen. Nun liegt das Geld, ohne dass es dafür irgendwelche Zinsen gibt, auf einem Konto der Castell-Bank.

Daher schlug Schlehr vor, den Beschluss des Aufstockens und der Dynamisierung vom Juli 2007 aufzuheben. Vorab hatte er seine Räte gebeten, sich Gedanken über die zukünftige Anlage des Betrages von exakt 2.007.459,46 Euro zu machen.

Höchst komplexe Welt der Geldanlage

Das war der Startschuss für einen "Ausflug" des Ratsgremiums in die höchst komplexe und mit Fallstricken nur so gespickte Welt der Geldanlage. Wobei Alfons Saugel zunächst den Beschluss von vor 15 Jahren erst aufheben wollte, wenn feststeht, was danach mit dem Geld geschehen solle. Dem widersprach Schlehr, "wir können erst beraten und einen neuen Beschluss fassen, wenn der alte aufgehoben ist". Was dann auch geschah. Dem Kämmerer Marco Kölln hatte die Castell-Bank auch bereits ein neues Angebot unterbreitet, das Vermögen auch weiterhin zu verwalten. Doch ob sich das lohne, sagte er auf Anfrage von Ratsmitlied Harald Rückert, bezweifelte Kölln.

In der Diskussion hob sich Stefan Deppisch, der als Vermögensberater in Wiesentheid sein Geld verdient, mit seinen Beiträgen deutlich aus dem Gremium heraus. Man könne die Anlage diversifizieren, also das Geld streuen und in verschiedenen Anlagen anlegen, und in monatlichen Abständen weiteres Geld anlegen, etwa in Fonds. Auch würde er die Laufzeit, die in der Castell-Bank zwischen sechs und 24 Monaten lag, verlängern.

Andere Redner lieferten Stichworte wie etwa "Rentenfonds", "gemanagte Fonds", "weiterhin bei Siemens-Aktien bleiben" oder "Mischfond". Je länger die Debatte dauerte, desto mehr hinterließ fast der gesamte Rat einen ratlosen Eindruck. Da kein höchst akuter Zeitdruck herrschte, stimmte der Rat einstimmig dem Antrag von Rückert zu: der Tagesordnungspunkt wird vertagt und die Stiftungsaufsicht eingeschaltet, um zu klären, welche Art der Geldanlage am sichersten sein könnte. Zudem wird sich der Kämmerer über verschiedene Anlage-Modelle konkrete Gedanken machen. "In diesem wichtigen Punkt", so Kölln, "sollten wir keinen Fehler machen."