Ein Wasser- und Abenteuerspielplatz, ein Lokal mit Biergarten, eine großzügige Gartenanlage mit Kräuterbeeten, eine Veranstaltungsbühne – bislang eine Utopie, wenn man an den Kitzinger Sickergrund denkt, und doch könnte diese eher mit Sport und Spiel in Verbindung gebrachte Fläche im Süden Kitzingens bald auch als Naherholungsgebiet von sich reden machen. Pläne gibt es im Rathaus seit langem, konkrete Überlegungen seit 2017, ein Bürger-Arbeitskreis ersinnt gerade Ideen, wie sich das ökologisch wertvolle Areal nutzen und umgestalten lässt. Ein Kunstrasenplatz für fast 600.000 Euro ist schon entstanden, ein Bike-Park soll folgen. Machen sie den Anfang für einen möglicherweise millionenschweren Bürgerpark?

Ein Fachbüro soll prüfen, welches Freizeitangebot möglich ist

Die Sache klingt gut, aber die Lage sei "sehr komplex". So sieht es Sebastian Restetzki, Quartiersmanager für den Stadtteil Siedlung und angestellt im Kitzinger Rathaus. Vor dem Stadtrat hat Restetzki gerade über die Ausbaupläne für den Sickergrund gesprochen. Die vielen Ideen aus dem Kreis der Beteiligten sollen demnächst von einem Fachbüro geprüft werden: Was davon ist möglich? Was bleibt ein Traum? Und was scheitert am Naturschutz? Da ist zum Beispiel das Problem mit dem Biber, der auch den Sickergrund erobert hat und bestenfalls in das Konzept integriert wird.

Einen Zeitplan für die Umsetzung gibt es nicht. Doch die Grünen im Kitzinger Stadtrat machen Tempo. "Es ist viel zu viel Zeit verstrichen", sagte Fraktionsvorsitzende Andrea Schmidt im Stadtrat. Und an Restetzki gewandt: "Wir brauchen jetzt einen Umsetzungsprozess und sind überrascht, dass Sie für den weiteren Weg einen Ideenwettbewerb vorbringen." Die Grünen verweisen auf einen seit langem bestehenden Mangel: Pro Kopf gerechnet liege der Anteil der Grünflächen in der Siedlung "deutlich unter den in Deutschland vergleichbaren Orientierungswerten für Ballungsräume".

In München oder Freiburg habe der Einzelne im Durchschnitt also mehr Grün zur Verfügung als die 5300 Einwohner der Siedlung. So steht es in einem Antrag, den die Grünen im Rathaus eingereicht hatten. Ihr Ziel: den Bürgerpark im Sickergrund "zügig" auf den Weg zu bringen. Die gefundenen Ideen böten "genug Lösungsmöglichkeiten".

Andere Stadträte werfen den Grünen Verzögerungshaltung vor

Doch im Stadtrat stimmten nur die drei anwesenden Mitglieder der Grünen-Fraktion für den Antrag. Von einem Teil der 20 anderen wurden sie für ihren Vorstoß hart kritisiert. Siegfried Müller (UsW) und Hiltrud Stocker (CSU) warfen den Grünen vor, Dinge zu beantragen, die längst im Laufen seien, und Vorgänge eher zu verzögern als zu beschleunigen. Zweiter Bürgermeister Manfred Freitag (FW-FBW) sprach gar von einem "Affront" gegenüber den Beteiligten. "Ich verstehe Bürgerbeteiligung anders." Man solle den Weg mit dem Bürger-Arbeitskreis weitergehen und die Sache "gemeinsam als Erfolg vollenden". Andrea Schmidt verteidigt sich im Gespräch mit der Redaktion: Sie habe erst unmittelbar vor der Sitzung eine Nachricht aus dem Rathaus erhalten, der ihren Antrag hinfällig werden ließ.

Aus dem Rathaus kam die Empfehlung an den Stadtrat, für die "qualitativ hochwertige Entwicklung" des Sickergrunds einen "freiplanerischen Wettbewerb" zu initiieren. Was immer das bedeuten mag: Billig wird die Sache nicht. Eine nicht näher datierte Kostenschätzung von Bauamtsleiter Oliver Graumann kommt für die gesamte Maßnahme auf rund 1,65 Millionen Euro. Darin enthalten sind schon die 365.000 Euro für den Bike-Park, der mit bis zu 90 Prozent von der Regierung gefördert werden könnte – allerdings nur, wenn ein "ganzheitliches Konzept" für das Umfeld vorliege. Damit bleibt unklar, ob und wann mit der konkreten Umsetzung eines groß gedachten Naherholungszentrums zu rechnen ist.