Zum Freizeitparadies im sanften Tourismus will sich Presseck in den nächsten zwei Jahren entwickeln. Dafür wurde in den vergangenen Jahren eine "Frankenwald-Allianz" mit der Nachbargemeinde Marktrodach geschmiedet, in der für gut 2,5 Millionen Euro unter der Bezeichnung "Radspitz-Knock" neun Projekte, überwiegend auf Pressecker Gebiet, verwirklicht werden sollen. Nun will Presseck aber noch höher hinaus.

In seiner Sitzung am Dienstagabend beschloss der Gemeinderat, noch ein zehntes Projekt draufzulegen: Der Aussichtsturm des Frankenwaldvereins am Knock soll ersetzt werden - und das gleich doppelt so hoch wie der jetzige. Der Aussichtsturm wurde vor 36 Jahren 20 Meter hoch hinter den Sportanlagen des TSV aus Holz gebaut und bot einen weiten Rundumblick über die Hügellandschaft des Frankenwalds. Er war gut frequentiert, denn an ihm laufen wichtige Wanderwege im Netz der Frankenwald-Steigla vorbei.

Sanierung käme teuer

Allerdings ist er inzwischen so marode, dass er vor zwei Jahren gesperrt werden musste. Überall zeigen sich Zeichen von Fäulnis, teils sind bereits Teile der tragenden Konstruktion ausgebrochen. Bretter drohen herabzufallen. Eine Reparatur täte Not, die nach ersten, vorsichtigen Schätzungen rund 40 000 Euro kosten würde.

Die kann der Frankenwaldverein nicht locker aus dem Ärmel schütteln - und würde sie sinnvollerweise auch nicht ausgeben, wie der Vorsitzende des Hauptvereins, Dieter Frank, feststellt. Denn inzwischen sind die Bäume um den Turm höher als 20 Meter gewachsen, sodass von einer Rundumsicht keine Rede mehr sein kann. Mindestens zehn Meter höher sollte der Turm eigentlich jetzt sein.

Im Bemühen um ein schlüssiges Turm-Konzept und auf der Suche nach Fördertöpfen nutzte Frank seine Kontakte und stieß beim Pressecker Bürgermeister Christian Ruppert (CSU) schnell auf offene Ohren, denn der Aussichtsturm passt genau in das Konzept der Frankenwald-Allianz, das derzeit in Arbeit ist. Ruppert bat deshalb das Architekturbüro Schöttner in Wallenfels, das bereits sieben der neun Radspitz-Knock-Projekte bereits geplant hat, um drei Entwürfe für einen neuen Turm. Die wurden den Gemeinderäten vorab zugesandt, sodass die Entscheidung kurzfristig möglich war.

Gerd Leinfelder (SPD) sprach von einer "Kirsche auf dem Sahnestückla". Presseck wird den Bau eines neuen Turms übernehmen; er soll unweit des bestehenden im Verbund mit den geplanten Freizeit-Projekten im Umfeld des TSV-Geländes entstehen und stattliche 40 Meter hoch werden. Der neue Turm wird stabiler und pflegeleichter als der bisherige sein und soll an eine rankende Pflanze erinnern: Um eine zentrales Geflecht aus Stahl winden sich Treppen zu einer Plattform auf halber Höhe und weiter zur Aussichtsfläche oben. Die genaue Ausgestaltung liegt noch nicht fest; ebenso noch nicht die Kosten, die erst nach einer statischen Prüfung berechnet werden können.

Trecking-Platz entsteht

In der gleichen Sitzung vergab der Gemeinderat zudem die Konzeption des Corporate Designs für das gesamte Radspitz-Knock-Projekt.

Unabhängig von den nun zehn neuen Freizeit-Projekten beschloss der Gemeinderat zudem, dass auf Pressecker Gebiet in einer Lichtung unweit Premeußel ein Trecking-Platz entstehen soll. Fünf davon gibt es bereits im Frankenwald; der Pressecker wird der erste im Landkreis Kulmbach sein. Auch diesen werden die Bayerischen Staatsforsten auf eigenem Grund zum Übernachten für Mehrtages-Wanderer mit Zelt einrichten: ein paar wenige Plätze; naturnah mit einfacher, rustikaler Möblierung, Plumpsklo und festem Grillplatz. Offizieller Betreiber wird die Kommune sein.