Zwischen dem neuen BRK-Seniorenzentrum und dem Feuerwehrgerätehaus sowie der Etzdorfer und Leutzdorfer Straße liegt ein größeres unbebautes Grundstück. Es ist Teil des aus dem Jahr 1987 stammenden Bebauungsplans "Bauersleite" und gehört der Kirchenstiftung Gößweinstein. Deklariert ist das Grundstück als "Vorbehaltsfläche".
Nun möchte die Kirche auf ihrem Grundstück Familien im sogenannten "Erbbaurecht" ermöglichen, darauf Wohnraum ohne Kauf eines Grundstücks zu schaffen. Eine entsprechende Anfrage von Pfarrer Pater Flavian Michali entzweite nun den Gößweinsteiner Marktgemeinderat. Denn auf der betreffenden Fläche mit der Flurnummer 649 der Gemarkung Gößweinstein war einst die Verlegung der seinerzeitigen Kreisstraße PEG 18, jetzt FO 23, geplant. Zudem sieht das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (Isek) aus dem Jahr 2010 auf eben diesem Grundstück die Realisierung einer ortsnahen Umgehungsstraße vor.


Sinn einer Umgehung

Auch im Flächennutzungsplan ist das Kirchengrundstück als Ortsumgehungsstraße zwischen der Etzdorfer und Leutzdorfer Straße vorgesehen. "Nur um den Preis von drei Bauplätzen diese Zukunftschance zu verbauen: Das würde ich nicht machen", meldete sich als erster Dietmar Winkler (CSU) zu Wort.
Rainer Polster (FWG) wollte wegen des Antrags der Kirche keine grundsätzliche Diskussion über eine Ortsumgehung losbrechen. Nach Polsters Meinung braucht keiner eine Umgehungsstraße. Und wenn, dann höchstens eine Entlastungsstraße. Denn eine Umgehungsstraße bringe keinen Urlauber mehr nach Gößweinstein, im Gegenteil. Baue man nun durch das Kirchengrundstück eine Straße, hätte man dort das Altenheim nicht bauen dürfen, so Polster. Grundsätzlich sollte man sich ohnehin von dem Gedanken einer Umgehungsstraße verabschieden und stattdessen lieber Parkplätze vor den Toren Gößweinsteins bauen.
Ex-Bürgermeister Georg Lang (CSU) war entschieden dagegen, hier Wohnhäuser hinbauen zu lassen. Lang sehe eine Entscheidung pro Wohnungsbau auf dem Kirchengrundstück als "fatalen Fehler", mit dem man sich die Chance auf eine Umgehung für alle Zukunft verbauen würde. Denn Tatsache sei nun einmal, dass der Schwerlastverkehr innerorts immer stärker zunehme.
"Es begegnen sich immer größere Fahrzeuge, die auch auf die Gehsteige fahren", so Lang. "Dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, sollte jedem augenfällig sein", so Lang weiter. Und wenn die Kirche Geld brauche, gäbe es andere Möglichkeiten.
"Das Kernwegenetz hat noch viel zu viele Fragezeichen", sagte Georg Rodler (CSU). Er schlug vor, dass sich die Gemeinde das Kirchengrundstück sichere. Dem stimmten Winkler und Lang zu. Anders Reinhold Hutzler (FWG): Der Basilikamesner sprach sich für eine Bebauung des Kirchengrundstücks aus. Lang plädierte an diesem Punkt der Debatte dafür, die Entscheidung bis zu einer Verkehrszählung am "Finsterweg" zurückzustellen. "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir diese Anbindung hier brauchen", so Lang.


Was will der Bürgermeister?

Jürgen Kränzlein (SPD) forderte nun den Bürgermeister auf, seine Meinung dazu kundzutun. "Ich bin natürlich dagegen", so Hanngörg Zimmermann (BMG). Er sprach sich für eine Bebauung aus. "Ich frage mich, wer eine Umgehungsstraße überhaupt will", sagte nun Konrad Schrüfer (FWG).
Laut Schrüfer will in Gößweinstein selbst keiner mehr eine Ortsumgehung.
Zimmermann ließ am Ende einer leidenschaftlichen Debatte schließlich über den Antrag der Kirchenverwaltung abstimmen. Zehn Räte waren dafür, dass die Kirche auf ihrem Grundstück bauen darf. Fünf Mitglieder des Gößweinsteiner Gemeinderats waren dagegen.