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Ebern

Kirche braucht die Jugend

Die Zukunft der evangelischen Gemeinde stand im Gemeindehaus bei einer Besprechung im Mittelpunkt. Es steht nicht nur die Modernisierung der Christuskirche an. Die Verantwortlichen wollen auch Zukunft leben.
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Wie die evangelische Kirche mit Leben erfüllt werden kann, darüber machten sich die Mitglieder der evangelischen Gemeinde Gedanken. Ihnen ist die Zukunft der Kirche und der Gemeindearbeit sowie die Sanierung der Christuskirche wichtig (hinten links Pfarrer Bernd Grosser).  Foto: Helmut Will
Wie die evangelische Kirche mit Leben erfüllt werden kann, darüber machten sich die Mitglieder der evangelischen Gemeinde Gedanken. Ihnen ist die Zukunft der Kirche und der Gemeindearbeit sowie die Sanierung der Christuskirche wichtig (hinten links Pfarrer Bernd Grosser). Foto: Helmut Will

Zu einem Diskussionsabend über ihre Zukunft hatte die evangelische Kirchengemeinde in das Gemeindehaus eingeladen. Nach den Worten von Pfarrer Bernd Grosser befinde sich die Gemeinde in einem Prozess der Entwicklung, in dem die Schwerpunkte der Gemeindearbeit der nächsten Jahre festgelegt werden soll.

Einiges an Vorarbeit war geleistet. So hatte im Herbst eine "Zukunftswerkstatt" stattgefunden, deren Ergebnisse der Kirchenvorstand nun in einer "Zukunftswerkstatt 2.0" zur Diskussion stellte. Schwerpunkt wird die Grundsanierung der Christuskirche sein. In einer Gemeindeversammlung am 22. März will man sich damit beschäftigen.

Hierzu wurde ein Fragebogen in Umlauf gebracht, den die Gemeindemitglieder ausgefüllt beim Pfarramt abgeben sollen.

Die etwa 20 Teilnehmer des Diskussionsabends diskutierten, wie man Gottesdienst und Gemeindearbeit abwechslungsreicher gestalten könnte. "Wir wollen heute Ideen, die eingebracht wurden, zurückspiegeln", sagte Pfarrer Grosser. Dabei sei man in der glücklichen Lage, dass die Christuskirche nicht unter Denkmalschutz steht. "Das ist sicher ein Vorteil für unser Vorhaben."

"Gottesdienst und Spiritualität" erläuterte Katrin Ruppert. "Die liturgischen Hauptgottesdienste am Sonntagvormittag bilden das Rückgrat der Gottesdienstarbeit", sagte Ruppert. In ihrer Arbeitsgruppe wünsche man sich mehr ökumenische Gottesdienste und musikalische Besonderheiten im Gottesdienst. Bei allem dürfe man die Orgelbegleitung nicht vergessen. Auch an "Sondergottesdienste" sollte zu besonderen Anlässen gedacht werden. Der Einsatz moderner Medien sollte bei der Sanierung der Christuskirche ins Auge gefasst werden. Das ökumenische Friedensgebet (einmal im Monat in der katholischen Laurentius-Kirche) sollte beworben und durch ein monatliches Taizé-Gebet in der Christuskirche ergänzt werden. Vorgeschlagen wird ein "Back-to-Church-Sunday" mit Begrüßung und Kirchenkaffee zwei- bis dreimal im Jahr. Weiter sollte der Begrüßungsgottesdienst durch Konfirmanden gepflegt werden. Auch braucht es Nachwuchs für das Orgelspiel.

Die Pflicht und die Kür

Pfarrer Bernd Grosser ging auf die Sanierung ein. Nötig wäre die Erneuerung der Elektrik, Kanalreinigung, Sanitäranlagen und Gestaltung der Nebenräume. Wünschenswert wäre die Medienausstattung mit Beamer, Laptop, Soundanlage und Internetanschluss sowie ein Behinderten-WC. Wichtig ferner ein Beleuchtungskonzept für den liturgischen Kirchenraum mit wechselnder farblicher Gestaltung. Zu überlegen wäre, wie man den Kirchenraum mit Bänken gestalten könne oder doch lieber Bestuhlung? Die Nebenräume sollten einbezogen werden - auf Bedürfnisse angepasst.

Ohne Spenden geht es nicht

Das alles kostet viel Geld. Zwar hat die Gemeinde Finanzmittel, aber ohne Zuschüsse geht es nicht. Die Stadt gäbe acht Prozent, die Landeskirche 30 Prozent. Unklar ist noch die Berechnungsbasis. Auf Spenden sind die Eberner sowieso angewiesen. "Das alles benötigt noch viele Gespräche und Abwägungen innerhalb unserer Gemeinde", sagte Bernd Grosser.

"Mitarbeiter gewinnen", dazu sprach Gabriele Genslein. Es müsse geklärt werden, wer was aktuell macht und wo es an Mitarbeitern mangelt, sagte Genslein. "Wir waren uns in unserer Arbeitsgruppe einig, dass Mitarbeitergewinnung nur über persönliches Ansprechen erfolgversprechend ist." Man müsse Mut haben zu fragen, eventuell wartet jemand darauf, angesprochen zu werden. Es müsse erkundet werden, wo es Leute gibt, die ihre Talente für die Kirche einsetzen könnten. Hier sollte man schon bei den Konfirmanden beginnen. Ein Versäumnis sah Katrin Ruppert vom Frauenteam: "Ich muss sagen, dass wir noch nie auf die Jugend zugegangen sind." In den Gesprächskreisen sollte ein Jugendvertreter installiert werden; ein "Jugendparlament" könnte mit Arbeiten beauftragt werden.

"Ideen zur Außenwirkung" erörterte Anneliese Scharpf. "Keiner im Kirchenvorstand ist richtig fit in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und neue Medien", stellte Scharpf fest. Dabei müsste die Homepage regelmäßig betreut werden, ebenso die Sozialen Medien, um Gemeindeveranstaltungen zu bewerben. Es sei oberste Priorität, junge Menschen für solche Aufgaben zu gewinnen, sagte der Pfarrer.

Über Kinder und Familie sprach Heike Bullnheimer. "Wir freuen uns alle, wenn Kinder mit im Gottesdienst sind, aber manche finden es störend", sagte sie. Deshalb sollte man bei der Umgestaltung der Kirche daran denken, einen Raum zu finden, in den man sich mit Kindern zurück ziehen könne, wenn sie unruhig werden. Bei ökumenischen Familiengottesdiensten sollte darauf geachtet werden, dass man miteinander Freude erlebe. Auch Veranstaltungen wie Wandern oder Radfahren würden das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Familienfreizeiten anzubieten, das komme gut an.

"Was hat die Gemeinde mir zu bieten?", damit befasste sich Anneliese Scharpf. "Das ist Gemeinschaft, soziale Kontakte und ein Miteinander von Jung und Alt", sagte sie. Gefühlsbetonte Wünsche sollten erfüllt werden; das gilt auch für Haus- und Krankenbesuche. Pfarrer Grosser sieht ein Hauptproblem in der Immobilität von älteren und kranken Menschen. "Das ist ein großes soziales Problem."

Nägel mit Köpfen machen

Das Resümee von Pfarrer Grosser zum Diskussionsabend: "Wir müssen uns weiter mit den Problemen befassen, aber auch Nägel mit Köpfen machen. Bei der Kirchensanierung werden wir auf die vorgebrachten Bedürfnisse eingehen müssen. Alles ist nicht zu erfüllen. Aber wir sollten uns einige brennende Punkte rausnehmen und diese konsequent verfolgen und Gewicht auf die Gewinnung von weiteren Mitarbeitern legen."