Mit der Herbstkirchweih schließt sich der bunte Reigen der Kirchweihfeste im Frankenwald. Ein heiterer Rückblick auf die gute alte Zeit erinnert an das "Fest des Jahres" im waldumsäumten Thiemitztal.

Woanders mögen sie auch Kerwa feiern. Schön sind die Kirchweihfeste überall. Aber am schönsten sind sie doch nur im Frankenwald - und werden es hoffentlich auch bleiben oder, so Gott will, wieder einmal werden. Ein besonderer Höhepunkt war einst die Herbstkerwa im Thiemitztal, östlich von Wallenfels, das zur hochgelegenen Kirchengemeinde "Bernschdaa" gehörte.

"Schbündfleisch" als Abendessen

Am Donnerstag, nein am Mittwoch ging sie an, denn "dou" wurde "es arme Säula" im tiefen Frankenwald abgemurkst und "Genns und Endn und Güjgela". Zum Abendessen gab es dann "Schbündfleisch" mit Salz und Pfeffer, frisch gebackenem Brot und Bier. Am Donnerstag wur-den die "Wöschd" gemacht und versucht. Am Freitag trat das Weiberregiment an mit "Schdreubelabaggn" und "Gennssrupfn". Am Samstag waren alle Stuben voller Gäste, die zu einem "Versucherla" gekommen waren.

Am Sonntag aber ist Kerwa! Am Montag aber ist erst recht Kerwa! Am Dienstag ist Hühnerkerwa - die Nachkerwa. Am Mittwoch aber geht sie in "Drippsdrill" aus - in "Drilldripps" ein. Huijuijuijuijuhuhuhu!!!

Jeden Sonntag Kerwa

Und eine ist schöner als die andere, alle, ob man jung ist oder alt, und sie dauern vom Sommer bis in den Herbst hinein. Jeden Sonntag ist Kerwa, jeden Sonntag in einem anderen Dorf. Holladrihia - Holladrihoo!

Ein paar Butten voll Schmalz wurden verbacken, und die Hühner mussten sich fransig legen, damit die Eier langten. Was aber ist eigentlich die Hauptsache bei einer richtigen Kerwa?

Der "Muffnmichl" wusste es, der lange Michl, der sagte es jedem: "Die Hauptsach' is' a guta Musik, die wu Schdimmung macht." Heidiedldumm!

Die hatten die Thiemitztaler, die Stimmung und die Musik. Das war die Kapelle Muff. Vier Mann stark - zwanzig Jahre lang.

Drei Tänze hatte sie, nein vier: einen Walzer, eine Polka, einen "Schott" und einen Dreher. Damit kam sie glänzend aus. War sie hinten fertig, fing sie vorne wieder an. Sie brauchte keine Noten, konnte und kannte keine. Der Michl fing an mit seiner Flöte: "Diedldum dei da, zilli lie, zilli lum." Und die anderen drei rankten sich herum.

Und die Mädchen lachten und die Burschen schwangen! Und so ist es zwanzig Jahre gegangen.

"Diedldum dei da - diedldum."

Das Bier war stark und gut

Wenn's aber endlich auf den Abend zuging, war die Luft zum Schneiden dick. Der Fiedelbogen stieß Löcher hinein.

Das Bier war stark und gut, und die Musiker hatten keine Noten. Und einmal gingen endlich doch ein paar hin und sagten: "Michl, louß de souch, auf dei Gedüüdl koo jetzedla ball weiß Gott ka Sau mehr tanz', geschweich öschd a Mensch. Merk hall a wengla besse aufn Takt."

Da neigte sich der kerwessselige Michl zu ihnen herunter und sagte voller Liebe: "Tanzt nö schöö zu, ihr Böschla, auf uns braucht ihr nije ze merken." Dazu nickten die anderen Musikanten verständnisvoll und machten weiter. "Heidiedldum - zilli li zilli bumm - die schöne, die frohe, die gute alte Zeit ist rumm."