Felix Hentschel brachte es auf den Punkt. "Hier klatschen die Zuschauer für den Letzten genauso laut wie für den Ersten. Genau das macht den Weltkulturerbelauf so sympathisch", sagte der 29-Jährige nach seinem Sieg beim Sparkassenlauf über 11,2 Kilometer. Während der Spitzenläufer der LG Bamberg schon nach 35:36 Minuten die Ziellinie überquert hatte, trafen gut eine Stunde nach ihm immer noch Läufer am Maxplatz ein. Auch sie bedachte die große Zuschauerschar mit viel Applaus. Halb Bamberg war am Sonntag wieder im Herzen des Welterbes unterwegs - wenn nicht als Läufer, dann immerhin zum Anfeuern entlang der Strecke.


11 380 Läufer am Start

Auch die achte Auflage der größten Laufveranstaltung Nordbayerns war wieder eine Veranstaltung der Superlative. Insgesamt 11 380 Läufer gingen verteilt auf sieben Rennen an den Start, die meisten wieder im anspruchsvollsten, dem Halbmarathon (3800). Und in diesem gab es nach 2013 abermals einen neuen Streckenrekord.
Bei Sonnenschein und milden Temperaturen, aber böigem Wind, pulverisierte Brenda Kebeya die Bestzeit bei den Damen. Die Kenianerin blieb in 1:20:36 Std. deutlich unter der bisherigen Bestmarke von Sandra Haderlein, die vor zwei Jahren in 1:24:46 Std. siegte. Diesmal wurde die Läuferin des SC Kemmern, die wegen einer Verletzung fast ein halbes Jahr pausieren musste, in 1:31:07 Std. Dritte. Aufgrund ihrer langen Zwangspause und des damit verbundenen Trainingsrückstands meinte Haderlein: "Ich war bislang bei jedem Weltkulturerbelauf dabei. Aber dieser war der schlimmste." Auf den zweiten Rang kam die Neu-Bambergerin Inga-Lena Schömburg-Heuck (LG Stadtwerke München/SG Sparkasse Bamberg ) in 1:24:44 Std.
"Es ging viel auf und ab. Das mag ich. In zwei Jahren werde ich wieder dabei sein", meinte die für den LAC Quelle Fürth laufende 25 Jahre alte neue Streckenrekordhalterin Kebeya, deren Freund Christian Bareiß für die LG Bamberg läuft.
Beim Halbmarathon der Herren war der Streckenrekord des Bedforders Darren Deed (1:10:25 Std.) nicht in Gefahr. Jonas Lehmann vom TuS Heltersberg siegte bei seinem ersten Start in Bamberg in 1:11:35 Std. vor Mario Wernsdörfer (LG Bamberg/1:12:12) und Sven Perleth (SC Ostheim-Rhön/1:15:12).


Entscheidung an Buger Spitze

Während Kebeya ein Rennen gegen die Uhr lief, waren Lehmann und Lokalmatador Wernsdörfer auf der ersten Hälfte noch gleichauf. An der Buger Spitze bei Kilometer 12 setzte sich Lehmann dann entscheidend ab. "Mario war aber immer dran, ich musste bis zum Schluss voll durchziehen", sagte Lehmann, dem als Bergläufer der Anstieg zur Altenburg wesentlich leichter fiel als dem späteren Zweiten. "Die ersten fünf Kilometer waren brutal hart", gab Wernsdörfer zu. Der Polizeibeamte wollte es nicht als Entschuldigung gelten lassen, dass er am Vortag in den Stand der Ehe getreten ist. "Wir haben nur standesamtlich geheiratet, die kirchliche Hochzeit und die große Nacht kommen erst noch", scherzte er.
Einen Heimsieg gab es dennoch. Beim Brose-Lauf, der in diesem Jahr wegen der Bauarbeiten am Steg über den Hollergraben im Hain 300 Meter länger war als üblich und über 11,2 km führte, war Wernsdörfers Vereinskollege Hentschel Bester der 3630 Starter. Der Lokalmatador ließ den Zweitplatzierten Jasper Cirkel (LG Göttingen/38:19 Min.) fast zwei Minuten hinter sich. Auf Rang 3 kam Marc Jaming (Homburg/38:29). "Die Temperaturen waren etwas hoch und der Wind etwas stark. Aber die vielen Kurven machen eine schnelle Zeit ohnehin nicht möglich", meinte Hentschel, der auf den ersten drei Kilometern schon mächtig Druck machte und einen Start-Ziel-Sieg landete.
Für Hentschel ist der Lauf in der Heimatstadt immer ein Saisonhöhepunkt. "Diese unglaubliche Anfeuerung, das ist Gänsehaut pur", meinte der LG-Athlet, der nach zehnjähriger Laufkarriere nun als Triathlet durchstarten möchte. Spätestens in zwei Jahren will er sich für den Ironman Hawaii qualifiziert haben.
Bei den Damen gewann die Polin Anna Rostkowska über die 11,2 km in 40:58 Min. vor Monika Pletzer (Marburg/41:13) und Ulrike Schwalbe (ATS Kulmbach/43:59). "Da waren so viele Zuschauer an der Strecke. Das habe ich so bislang noch nie erlebt", meinte die Siegerin, die aus Jelenia Góra (Hirschberg), der polnischen Partnerregion des Landkreises Bamberg, stammt.
Die kürzeste der drei Strecken für die Erwachsenen war die über 4,4 Kilometer. Den Wieland-Lauf, bei dem 1330 Aktive am Start waren, gewannen Konstantin Wedel vom LAC Quelle Fürth (13:21 Min.) und die Triathletin Eleisa Haag vom TV 48 Coburg (15:54).


Streckenrekord von Julia Barth

Einen Streckenrekord gab es auch beim Nachwuchs. Den Bosch-Schülerlauf der Dritt- und Viertklässler über 1,6 Kilometer gewann Julia Barth (Kaulbergschule) in neuer Mädchen-Bestzeit von 6:19 Min. vor ihrer Zwillingsschwester Anna (6:21). Beide waren schneller als der beste Junge.