Die Lindenallee an der Straße zum früheren Bahnhof in Falls scheint Liebhabern von Lindenholz eine willkommene Gelegenheit zum Abholzen zu bieten. So sieht es jedenfalls der 76-jährige Harald Beck aus dem Gefreeser Ortsteil Höflas, wenige Kilometer von Falls entfernt.

Die Lindenallee an der Bahnstrecke von Marktschorgast nach Hof ist zwar nicht so berühmt wie die Baille-Maille-Allee im benachbarten Himmelkron, die 1792 total abgeholzt und 200 Jahre später mühsam wieder angepflanzt wurde, doch Harald Beck versteht die Welt nicht mehr: Wie kann man gerade in Zeiten des Klimawandels gesunden Bäumen den Garaus machen? Aus der stattlichen Lindenallee fielen bislang vier Bäume der Motorsäge zum Opfer.

Harry Beck stammt aus der Nähe von Reutlingen. Beruflich verschlug es den Textilchemiker 1969 nach Oberfranken: "Ich bin dann irgendwie hier hängen geblieben." Beck hat hier auch seine Ehefrau kennengelernt, und seit 1980 wohnt der gebürtige Baden-Württemberger mit seiner Familie in Höflas.

Dass ein Baum die Luftqualität verbessert, weiß Harald Beck von Kindesbeinen an: "Die Blätter filtern die Luft, die wir atmen, und befreien sie von Staub und anderen Partikeln. In diesem Prozess nehmen die Blätter auch andere Umweltgifte wie Ozon, Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid auf und geben sie wieder als Sauerstoff ab."

Kampf gegen Windmühlenflügel

Was die Lindenallee bei Falls betrifft, gewinnt Harald Beck immer mehr den Eindruck, dass er gegen Windmühlenflügel ankämpft. Oktober letzten Jahres hat er eine Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei-Inspektion Bayreuth-Land erstattet, weil innerhalb einer Woche zwei Lindenbäume seiner Meinung nach willkürlich gefällt wurden. Beck: "Ich wollte wissen, wer dafür verantwortlich ist." Als "Tatzeit" hatte "Kommissar" Beck die Zeit zwischen dem 19. und 30. Oktober ausgemacht. Und als "Tatort" wurde von der Polizei die Kreisstraße BT 10 ermittelt - mehr aber nicht.

Beck bekam am 26. November 2020 ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft Bayreuth: "Sehr geehrter Herr Beck, das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt, weil der Täter nicht ermittelt werden konnte. Sollte der Täter im Verlauf weiterer Ermittlungen bekannt werden, so erhalten Sie Mitteilung."

Kreisstraße eine Woche gesperrt

Für Beck ist diese Mitteilung völlig unverständlich, denn für die Fällung von zwei Lindenbäumen wurde die Kreisstraße eine Woche gesperrt: "Dazu wurde doch sicherlich von einer Verkehrsbehörde die verkehrsrechtliche Anordnung für die Sperrung der Kreisstraße erteilt, und dazu musste auch ein schriftlicher Antrag vorliegen, aus dem hervorgeht, wer die Sperrung beantragt hat. Es musste also möglich sein, festzustellen, welche Arbeiter in orangefarbenen Schützanzügen die Bäume gefällt haben." Diese Meinung teilte Beck der Staatsanwaltschaft Bayreuth telefonisch mit, aber es kam zu keiner Reaktion, was ihn maßlos ärgerte. Deshalb verfasste Harald Beck eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den zuständigen Staatsanwalt in Bayreuth wegen unterlassener Strafverfolgung: "In Deutschland können alte gesunde Bäume nicht einfach gefällt werden. Hiermit mache ich Anzeige gegen die Deutsche Bahn und Baumfällungsfirma wegen unerlaubter Baumfällung."

Dass die Deutsche Bahn die Fällung der Lindenbäume veranlasst hat, hatte Beck über seine eigenen "Kanäle" selbst ermittelt. Schließlich flatterte dem Höflaser ein weiteres Schreiben der Staatsanwaltschaft Bayreuth ins Haus, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass im Rahmen der nunmehr durchgeführten Ermittlungen die Firma, die mit der Fällung der Bäume betraut war, kontaktiert worden sei. Und diese habe wiederum im Auftrag der Deutschen Bahn AG gehandelt. Der Staatsanwaltschaft wurde auch eine Auftragsbestätigung vorgelegt und demnach wurden die Bäume nachweislich im Auftrag des Berechtigten gefällt.

Was Harald Beck außerdem ärgert: Noch vor zwei Jahren hat die DB AG den Bahndamm von Neuenmarkt-Wirsberg bis nach Stammbach freigemacht und alle Bäume mit einem Umfang ab zehn Zentimetern bis zu einer Höhe von drei bis vier Metern stehen lassen; diese haben inzwischen neu ausgetrieben. Beck: "Das hätte man hier bei den Linden auch machen können."

Dienstaufsichtsbeschwerde abgelehnt

Schließlich ließ der Leitende Oberstaatsanwalt in Bayreuth Harald Beck noch mitteilen, dass seiner Dienstaufsichtsbeschwerde "keine Folge gegeben wird. Um die Verkehrssicherheit des Bahnverkehrs zu gewährleisten, ließ die DB AG die Baumfällungen durch eine Fachfirma für Landschaftspflege durchführen. Eine Sachbeschädigung, wie vom Beschwerdeführer vermutet, liegt somit nicht vor. Ein Verstoß gegen sonstige Vorschriften ist ebenfalls nicht ersichtlich."

Was Beck aber unterm Strich anprangert: "Man hat sich überhaupt nicht die Mühe gegeben, dass solche Alleen geschützt werden. Nach meiner Meinung hat da einer Lindenholz gebraucht."

Was Harald Beck für die Zukunft unbedingt erreichen will, ist, dass die Lindenallee von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Bayreuth unter Naturschutz gestellt wird: "Es kann nicht sein, dass da weitere Bäume abgeholzt werden. Es ist so ein schöner Weg mit dieser Lindenallee. Warum müssen die Bäume weg?"