Eine musikalische Institution der Region hat sich zurückgezogen: Kai Konrad, Der Gruppenchorleiter der Sängergruppe Bayreuth-Hof-Kulmbach-Wunsiedel, will nun mehr Zeit für sich und seine Frau Claudia haben. Sich zurückziehen heißt für den Sänger und Chorleiter zwar nicht: ganz aufhören, aber jetzt möchte er erst einmal Abstand von jeder alltäglichen musikalischen Tätigkeit gewinnen, in jedem Fall aber keine größere Verantwortung im musikalischen Betrieb mehr übernehmen.

"Ich werde demnächst 66. Meine Frau und ich haben uns schon länger vorgenommen, zu diesem Zeitpunkt zusammen in Rente zu gehen, Haus und Garten zu genießen und nächstes Jahr zwei Monate zu verreisen. Nach 50 Jahren auf den Bühnen in der Republik soll es nun auch damit genug sein", sagt Kai Konrad, verschränkt die Arme und lässt den Blick über den Garten und die Bergkette von Fichtelgebirge und Frankenwald am Horizont schweifen.

Auch als Leiter des Gesangvereins Streitau hat er aus 40 Bewerbern dem Vorstand einen Nachfolger empfohlen. Seit Januar leitet nun Julian Schwarz den Chor. "Ich habe angeboten, mal im Chor mit einzuspringen, falls ich gebraucht würde; aber ansonsten soll es für mich auch dort nach fast zehn Jahren genug sein", stellt Konrad fest, "obwohl wir schon einige bemerkenswerte Konzerte zusammen gemacht haben - bei einem internationalen Chorfestival in Italien, im Marktgräflichen Opernhaus in Bayreuth wie auch in den Städten und Orten der Region, nicht zuletzt in Streitau selbst."

Unvergessen bleibt Kai Konrad, wie wohl auch den Streitauer Choristen, die Reise nach Korea. Dort habe man nicht nur ein eifriges und aufgeschlossenes Konzertpublikum (bis zu 3500 Zuhörer) erlebt, sondern insbesondere auch ein großes Interesse an der europäischen Klassik überhaupt. Sogar die Mitglieder der "Gesellschaft deutsches Lied" habe man kennengelernt. Die Reise und die Konzerte nicht nur zu und in den koreanischen Partnerstädten von Bayreuth und Hof und in der Hauptstadt werden in Erinnerung bleiben. "Eine angedachte weitere Reise nach Japan scheiterte allerdings an der Pandemie.

Verschlungener Weg

Kai Konrads Weg zu und in der Musik war verschlungen und begann eigentlich mit der Populärmusik der damaligen Zeit. "Von Led Zeppelin bin ich heute noch Fan" grinst der spätere Opern- und Konzert-Tenor. Auch mit modern aufbereiteter Mittelaltermusik ging er auf Tour "damals mit langen Haaren und festem Wams". Zum Chorsingen zunächst im Wiesbadener Opernchor hatte ihn schließlich seine Mutter animiert, als Solosänger weiterzumachen, verdankt er dem Drängen seiner Frau später. Zunächst studierte Konrad an der Frankfurter Musikhochschule und nahm noch zusätzlich Privatunterricht. Dass er schließlich an verschiedenen Theatern gefragt war, verdankt er, nicht nur, aber schon dem "hohen C", das er ohne Mühe erreichen konnte. Sein Repertoire umfasste schließlich alle nennenswerten Rollen im Tenorfach, von Verdi bis Kurt Weill. ",La Boheme‘ habe ich bestimmt 70 Mal gesungen" erinnert er sich. "Pro Jahr dürften bestimmt 180 Auftritte zusammengekommen sein." Über Engagements an verschiedenen Musiktheatern verschlug es ihn schließlich nach Zwickau und über Hof in die Region, wo er mit seiner Frau Claudia, selbst eine Mezzosopranistin, in Streitau sesshaft wurde. Sein professionelles Musikverständnis übertrug Kai Konrad auch an den Gesangverein Streitau. Den damals kurz vor seiner Auflösung befindlichen Chor hatte er 2012 als musikalischer Leiter übernommen. Man probte damals in der Gastwirtschaft in einem Raum, der ziemlich schnell zu klein wurde. Der Chor wuchs, man wechselte ins Gemeindehaus. Als 2015 die Raiffeisenbank zumachte, stand deren Haus zum Verkauf. Für Konrad war das Gebäude ideal.

Der Erwerb der dann "Notenbank" genannten Proben- und Konzerthalle in Streitau war für den Verein sicher ein Kraftakt, erkennt Konrad an - allerdings auch ein Gewinn in jeder Hinsicht. "Wenn man als Chor genügend Publikum gewinnen will, dann muss man auch etwas bieten" sagt Konrad. "Wenn man irgendwo nur Zettel aushängt und ein ,Konzert; herzlich Willkommen‘ ankündigt, erreicht man heutzutage niemanden mehr. Man braucht dafür einen guten Konzertsaal und auch ein gutes Programm, das dem Publikum viel bietet, auch wenn das für den Chor anstrengend sein mag. Wir hatten mit diesem Konzept von Schlager bis Brahms zumindest Erfolg, den ich auch meinem Nachfolger und dem Chor weiterhin wünsche."