Wonsees —  Noch ein letztes Mal setzt sich Elfriede Amschler auf ein kleines Kindergartenstühlchen an dem niedrigen Tischchen. "Was wollt ihr spielen?", fragt sie in die Runde. Und schon kommen ihre kleinen Fans und setzen sich zu ihr. "Sie ist die beste Spielerin", erklärt ein kleiner Naseweis und reicht ihr ein Puzzle, bei dem er Hilfe braucht.

Elfriede Amschlers gesamtes Leben war ein Spiel. Sie kam bereits im Jahr 1975 in die Kindertagesstätte Wonsees, um ihr sozialpädagogisches Praktikum, das die Voraussetzung für den Besuch der Fachakademie für Sozialpädagogik bildete, abzuleisten. Schon ab 1. November 1979 übernahm sie als Leiterin den Kindergarten Wonsees. "Die Leitung ging damals in den Ruhestand. Ich übernahm, obwohl ich noch keine 22 Jahre alt war. Das ging damals von heute auf morgen, ohne Einarbeitungszeit oder so", erinnert sich Amschler zurück.

Sie hat in ihrem Berufsleben acht Pfarrer, die ihre Vorgesetzten waren, erlebt. Seit 2005 gehört der Wonseeser Kindergarten zur die Kita gGmbH. Die Anforderungen haben sich im Laufe der Jahre grundlegend geändert. Am Anfang gab es kaum Bürokratie. Die Bürotätigkeit beschränkte sich darauf, monatlich Spielgeld einzusammeln. "Es gab viel weniger bürokratischen Aufwand als heute. Damals waren noch 25 Kinder in einer Gruppe. Eine Erzieherin betreute die Kinder den ganzen Tag", erzählt Amschler. Allerdings kamen die Kinder auch wesentlich später in den Kindergarten: meistens erst mit vier oder fünf Jahren.

Henkeltöpfchen und Mittagsruhe

Auch die Mittagsverpflegung war völlig anders. "Die Kinder hatten früher ihr Henkeltöpfchen dabei. Drin war das Mittagessen, das die Mama vorgekocht hatte. Wir haben dann die Töpfchen in einem großen Wassertopf erhitzt. So einfach war das", berichtet Amschler. Nach dem Essen wurde mit der Hand gespült. Und anschließend gingen die Kinder zur Mittagsruhe in die Turnhalle. Manche schliefen, manche ruhten sich aus.

"Als ich angefangen habe, wurden die Elternbriefe noch mit der Hand geschrieben - mit Durchschlagpapier", erzählt Amschler. Heute hat sich alles geändert. Die Anforderungen sind höher, strenger, komplexer. Die Kindergärten haben einen Bildungsauftrag, sie übernehmen frühkindliche Förderung. Und dann kam auch noch Corona: Hygienebestimmungen, Vorsicht bestimmten den Kindergartenalltag.

Jetzt - nach 42 Jahren - geht Elfriede Amschler in den Ruhestand. Sie gibt offen zu, dass sie das Kinderlachen und die Kinder vermissen wird. Nie wurde es ihr zu laut, zu wuselig, zu hektisch. Doch Elfriede Amschler hat drei Enkel zwischen drei und zehn Jahren. Und sicherlich werden Nele, Lennya und Jannik schon dafür sorgen, dass die Leiterin der Kindertagesstätte Wonsees nicht gänzlich ohne Kinderspiele auskommen muss. "Ich bin mir sicher, dass mir nicht langweilig wird", sagt Elfriede Amschler.

"Das Schöne ist, dass ich sagen kann, dass mir in meinem Beruf nie langweilig war. Es gab jeden Tag ein lustiges Erlebnis", lacht Elfriede Amschler. Das Witzigste, was ihr passiert ist, war ein Mädchen, das bei der Brotzeit plötzlich rief: "Iiiih, ich habe Glühwein dabei!". "Das Mädchen hatte öfters lustige Einfälle. Ich dachte, das wäre ein Scherz", amüsiert sich die Kindergartenleiterin noch heute. Doch dann stellte sie fest, dass der Papa tatsächlich die Saftflasche mit der Glühweinflasche verwechselt hatte.

Freude an Naturprojekten

Besondere Freude hatte Elfriede Amschler immer an den Umwelt- und Naturprojekten. So bauten die Kinder Dohlenkästen, Kameras wurden installiert, so dass alle beim Brüten zuschauen konnten. Vor der Kindertagesstätte prangt ein riesiges Insektenhotel. Zudem hatte die Kita Wonsees beim Projekt "Nature needs technology" den Zuschlag erhalten. So bekam der Kindergarten einen großen Umweltbaum. Im Frühling können die Kinder den Vögeln beim Brüten zuschauen, im Winter werden die Vögel dort gefüttert. "Da ist wirklich ein einzigartiges Projekt - deutschlandweit gibt es nur noch einen solchen Baum: am Königssee", erzählt Amschler stolz.