Der Familienbetrieb Bessler in der Gemeinde Frensdorf steht exemplarisch für einen modernen Milchviehbetrieb. Das Wohlergehen der Tiere steht für die Betreiber im Mittelpunkt.
Wer sich mit Georg und Barbara Bessler aus Hundshof in der Gemeinde Frensdorf über die Arbeit in ihrem Milchviehbetrieb unterhält, merkt bereits nach kurzer Zeit, wie viel Herzblut sie in den Hof und in das Wohlergehen ihrer Tiere stecken. Als der heute 50-Jährige zusammen mit seiner Frau den Betrieb seiner Eltern 1993 übernahm, stellte sich dem Ehepaar die Frage, in welchem landwirtschaftlichen Bereich es seinen Schwerpunkt setzen möchte. "Wir haben uns direkt zu Beginn dazu entschieden, mit den Kühen arbeiten zu wollen. Dort lagen unsere Stärken. Zudem waren die benötigte Fläche und das entsprechende Grünland vorhanden", blickt Georg Bessler auf die Anfänge vor 25 Jahren zurück. Da die Zahl der anfangs 22 Kühe schnell anstieg, entschied sich der Familienbetrieb 1996 für den Bau eines neuen Milchviehstalls. Dieser bot insgesamt 80 Kühen Platz und sorgte mit seiner offenen Stallfront sowie der sich ergebenden Bewegungsfreiheit dafür, dass sich die Tiere rundum wohl fühlten. Der Stall sollte aber nicht die einzige Investition in den Hof bleiben.
"Keine Massentierhaltung"
Werner Nützel, Kreis-Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands, besuchte im Zuge des Stallgesprächs des Verbands den Familienbetrieb. Er zeigte sich ob der Haltung der Kühe erfreut und stellte fest: "Die Tiere wurden noch nie so gut gehalten wie heutzutage." Damit möchte er besonders der Kritik vieler Außenstehender vehement entgegentreten, welche die Zustände auf den Höfen oft mit einer Massentierhaltung vergleichen. "Diese gibt es im Landkreis Bamberg und in Bayern generell nicht. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass der romantische, kleine Bauernhof von früher mit seinen 20 Kühen heutzutage keine Familie mehr ernähren könnte. Ähnlich wie im Handwerk und in der Industrie braucht ein landwirtschaftlicher Betrieb eine Mindestgröße, um wirtschaftlich existieren zu können."
Immer weiter investiert
Auch Georg und Barbara Bessler haben im Verlauf der letzten 20 Jahre die Modernisierung ihres Familienbetriebs weiter vorangetrieben, um auch in der sich entwickelnden Marktlage stets konkurrenzfähig zu bleiben. Mit der Aufstockung auf 100 Kühe ging die Investition in einen neuen Jungviehstall sowie die Erweiterung des bestehenden Stalls einher. "Heute halten wir 135 Kühe und bis zu 35 Kälber. Bei der Übernahme des Hofes haben wir niemals gedacht, mal eine so große Zahl an Tieren zu halten", blickt die Landwirtin auf die Entwicklung des Betriebs zurück; ihr Mann betont aber: "Wenn wir mit Tieren nicht umgehen und nicht für ihren Komfort garantieren könnten, dann hätten wir eine derartige Bestandsgröße nicht." Genau diesen Komfort hat man vor drei Jahren mit der Abschaffung der Anbindehaltung weiter verbessert. Im Oktober 2015 haben sich die Besslers mit der Anschaffung eines automatischen Melksystems dann auch selbst einen Gefallen getan. Der Melkroboter nimmt ihnen die körperliche Schwerstarbeit ab und spart zudem viel Zeit ein; er kommt aber auch bei den Kühen gut an. "Anfangs haben sie sich erst daran gewöhnen müssen. Mittlerweile gibt es beim Anstehen dichtes Gedränge." Die Anschaffung hat sich auch in Hinblick auf die Milchproduktion gelohnt: Mit einer Stallleistung von 8500 Litern Milch je Kuh pro Jahr liegt man in Hundshof gut 600 Liter über dem Durchschnitt in Bayern.
Tierwohl entscheidend
Welch große Bedeutung das Tierwohl beim erfolgreichen Führen eines Milchviehbetriebs spielt, wurde Familie Bessler mit der Zeit immer bewusster, so dass der Hof Schritt für Schritt auf das Wohlbefinden der Tiere ausgerichtet wurde. "Das fängt bereits bei den Kälbern an. Wir geben ihnen viel Milch und halten sie durch die Anschaffung von ,Kälberiglus‘ immer an der frischen Luft", betont Barbara Bessler. Die Fürsorge für das erwachsene Tier schlägt sich besonders auf die Qualität der Milch nieder. "Nur wenn es unseren Tieren gut geht, können sie die beste Milch produzieren. Wir kennen unsere Kühe und ihre Befindlichkeiten. Außerdem hängen wir natürlich sehr an ihnen und sehen sie nicht nur als Nutztiere an." Um das Wohlergehen der Tiere zu gewährleisten, müssen laut Werner Nützel die landwirtschaftlichen Betriebe die "immer stärker werdenden gesetzlichen Auflagen" erfüllen. Diese betreffen darüber hinaus auch die Bereiche Pflanzenschutz, Bodenschutz und Düngung.
Gerade die Düngeverordnung wurde nach Information des Bauernverbands zuletzt nochmals verschärft. "Wir haben eine Entwicklung in Bayern, nach der sich alle zehn Jahre die Anzahl an Milchviehbetrieben halbiert." Auch Georg Bessler sieht diesem Trend besorgt entgegen. "Wer möchte es den Jungen verübeln, wenn sie auch angesichts des niedrigen Milchpreises den Beruf nicht ausüben wollen. Für die Landwirtschaft musst du ein Stück weit einfach geboren sein."
Um die Zukunft ihres Familienbetriebs muss sich das Ehepaar Bessler aber nicht sorgen: Ihr 20 Jahre alter Sohn Johannes hat sich zur Hofnachfolge bereit erklärt und hilft schon jetzt tatkräftig im Betrieb mit.