Christoph Böger

"Der VfL Frohnlach ist so gut wie tot. Wir haben am Saisonende keine Spieler mehr und auch keinen Trainer. Es fehlt ganz klar die Perspektive." Christian Tremel, Sportlicher Leiter des Fußball-Landesligisten VfL Frohnlach, sagt es ganz deutlich: "Mein Versuch, den Klub nach dem Rückzug von Sponsor Klaus Schillig irgendwie doch noch zu retten ist gescheitert". Im Waldstadion gehen die Lichter aus.

Die Gründe für diese absehbare Entwicklung - das Tageblatt berichtete bereits mehrfach - liegen nach den Worten Tremels auf der Hand: "Es ist uns nicht gelungen, die finanziellen Mittel an Land zu ziehen, die man benötigt, um eine landesliga-taugliche Mannschaft auf die Beine zu stellen. Demzufolge haben sich sowohl der Trainer und auch die Mannschaft anderweitig orientiert. Das ist ja auch absolut legitim ist. Logisch, dass sich dann auch kein neuer Trainer oder neue Spieler für eine Wechsel zum VfL Frohnlach entschieden haben. Jetzt sind wir eben gezwungen nach anderen Lösungen zu suchen."

Eine über 40-jährige Erfolgsgeschichte

Damit endet eine über vier Jahrzehnte dauernde Erfolgsgeschichte auf höchster Amateurebene. Schließlich spielten die "Blau-Weißen" nicht nur in der Regionalliga, sondern auch stolze 26 Jahre in der Bayernliga und 13 Jahre in der Landesliga. Geprägt hat die Blütezeit vor allem Willi Schillig. Der großzügige Polstermöbel-Fabrikant aus dem Dorf hatte es sich in den 80er und 90er Jahren nicht nehmen lassen, jedes Jahr mit enormen finanziellen Zuwendungen eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen. Seine Mannschaft wurde in Fußballerkreisen auch die "Cosmos-Elf" genannt. Damals in Anlehnung an den amerikanischen Proficlub, der die besten Spieler zusammenkaufte.

Hochkaräter im neuen Waldstadion

Im extra dafür "aufgemöbelten" Waldstadion, das später den Namen "Willi-Schillig-Stadion" erhielt, tummelten sich reichlich Hochkaräter. Zu Gast war Werner Lorant mit den Münchner Löwen oder Mehmet Scholl mit dem FC Bayern München II. Spiele gegen die SpVgg Bayreuth, gegen Bayern Hof, den SC Weismain oder auch dem Lokalrivalen VfB Coburg vor stolzen Zuschauerkulissen waren die Regel. Fußball-Freunde aus ganz Oberfranken pilgerten am Samstagnachmittag zum VfL Frohnlach, sahen tolle Spiele und hervorragende Spielerpersönlichkeiten.

Sprungbrett in den Profibereich

Harald Spörl, Carlo Werner, Markus Wöhner, Markus Grasser, Bernd Eigner oder auch Michael Fonfara nutzten den VfL Frohnlach als Sprungbrett und wechselten sogar in den Profibereich. Als Trainer fungierten unter anderem Charly Zapf, Rolf Lamprecht oder Manfred Müller, später Stefan Braungardt, Dieter Kurth oder auch Lokalmatador Werner Gückel, der als Torwart die Glanzzeiten prägte.

Langsam ging es bergab

Doch diese "fetten Jahre" sind längst vorbei. Zwar bemühte sich Klaus Schillig das Erbe seines inzwischen verstorbenen Vaters fortzusetzen und den Klub so gut es geht zu unterstützen, doch der Durchbruch nach oben gelang nicht mehr. Das Niveau ließ nach.Die Frohnlacher duellierten sich nicht mehr auf der ganz großen Amateurbühne, sondern überwiegend mit lokaler Kontrahenten wie dem DVV Coburg, dem FC Lichtenfels, SV Friesen, dem TSV Mönchröden oder zuletzt dem SC Sylvia Ebersdorf. Gut möglich, dass der aufstrebende Verein aus der Nachbarschaft in absehbarer Zeit den VfL als Nummer Eins in der Region sogar ablöst. Als Klaus Schillig, stellvertretender Vorsitzender und Vertreter des jahrelangen Hauptsponsors Willi Schillig im letzten Jahr mitten in der Corona-Krise den finanziellen Rückzug des Unternehmens erklären musste, war de Geldhahn endgültig zu.

Wie geht es jetzt weiter?

"Wir haben die Entscheidung zumindest dahingehend getroffen, dass wir die Saison noch zu Ende spielen werden, wenn sie denn überhaupt noch gespielt wird. Die Mannschaft hat deutlich gemacht, dass sie sich sportlich und fair vom VfL Frohnlach und von dem Rest der Ligakonkurrenten verabschieden will", erklärt Tremel. Und weiter: "Wir als Verantwortliche werden dann zeitnah dem BFV mitteilen, dass wir in der nächsten Saison das Landesliga-Spielrecht nicht mehr in Anspruch nehmen werden. Ob und wie es dann weitergeht, ist momentan noch nicht sicher."

Sicher ist in diesem Fall allerdings, dass der VfL ans Tabellenende der Landesliga Nordwest gesetzt wird und als erster Absteiger feststeht. Das hat zur Folge, dass nur ein weiterer Klub absteigt - voraussichtlich der ASV Rimpar. Alle anderen Mannschaften würden vom Rückzug der Frohnlacher profitieren.

Mit TBVfL oder einer Stammtisch-Truppe?

Bleibt die Frage, ob in Frohnlach danach überhaupt noch gekickt wird, in welcher Klasse und mit welchen Spielern! "Es besteht aktuell die Möglichkeit, in Form einer Spielgemeinschaft mit dem TBVfL Neustadt-Wildenheid (A-Klassen-Spitzenreiter) für die neue Saison das Spielrecht für eine Liga zu beantragen", sagt Tremel. Allerdings wurden seitens der Frohnlacher diesbezüglich noch keine Gespräche geführt. Dazu TBVfL-Vorsitzender Bastian Bieberbach: "Bis jetzt hat sich noch niemand aus Frohnlach bei mir gemeldet. Wir sind aber jederzeit gerne bereit zu helfen und mit anzupacken". Sein Frohnlacher Amtskollege Ulrich Kossak befürchtet, dass wohl kaum ein Spieler übrig bleibt und der VfL deshalb außer den Sportanlagen wenig zu bieten hat.

Es wird aber auch darüber diskutiert, ob es möglich ist, eine Mannschaft ins Leben zu rufen, die aus "ein paar älteren VfL-Haudegen" besteht, wie es Tremel formuliert. Ein solches "Stammtisch-Team" könnte dann in der untersten Spielklasse in Konkurrenz antreten. "Der vollständige Rückzug des VfL aus dem bayerischen Amateurfußball steht aber auch im Raum - das wäre dann wirklich die allerletzte Möglichkeit", so Tremel, der sich mit seinem Vorsitzenden einig ist, dass zeitnah im Detail alle Varianten diskutiert werden müssen.