Immer wenn Oberbürgermeister Norbert Tessmer zu einem Gratulationsbesuch bei einem früheren Kameraden vom Bundesgrenzschutz vorbeikommt, bleibt es nicht beim formalen Austausch von Höflichkeiten. So war es auch am Freitag, als Alfons Grau sein 90. Lebensjahr vollendet hatte. "Er war ein Spieß der traditionellen Art", erinnerte sich Tessmer mit einem verschmitzten Lächeln. "Er war die Mutter der Hundertschaft." Grau war 1951 einer der ersten BGS-Beamten am Standort Coburg.

Gebürtiger Mittelfranke

Aber auf jeden Fall ist Grau ein gebürtiger Franke. Er kam als Nummer sechs von neun Brüdern in Höchstadt an der Aisch auf die Welt. Seine Eltern Margareta und Georg Grau hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb. Nach dem Besuch der Volksschule begann Grau am 1. Mai 1943 eine Lehre in der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Bamberg. Und 1951 begann halt eben seine Karriere beim Bundesgrenzschutz. 1953 lernte er seine spätere Ehefrau Berta-Maria, geborene Selz, kennen. Sie war 1951 vom thüringischen Ilmenau über die damals noch grüne Grenze nach Coburg gekommen. Im Juli 1975 bezogen sie eine Dienstwohnung des BGS in Coburg. Am 13. Februar 1958 kam Tochter Petra auf die Welt. Ihr sollte ein Jahr später, am 19. Februar 1959, Sohn Heinz folgen. 1978 zog die junge Familie in ihr eigenes Reihenhaus in der Düringstraße. Alfons Grau hat drei Enkel und zwei Urenkel, den im Jahr 2000 geborenen Kerim und die 2010 geborene Ela. 2001 starb Alfons Ehefrau Berta-Maria.

Mit Adenauer und Brandt

Als Bundesgrenzschutzbeamter war Alfons Grau immer nah am Puls der Weltgeschichte. Er war Sicherheitsbeamter im Bonner Palais Schaumburg, dem damaligen Bundeskanzleramt, und Konrad Adenauer war Bundeskanzler. Grau war Sicherheitsbeamter im Nato-Hauptquartier in Brüssel. Er war bei den Olympischen Spielen 1972 und 1974 bei der Fußballweltmeisterschaft jeweils in München eingesetzt. Gorleben und Wackersdorf waren unter vielen anderen weitere Stationen in seinem Dienstleben. Er begleitete den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt nach Warschau, als die sozialliberale Koalition ihre Entspannungspolitik forcierte.

In Coburg war Alfons Grau ein Motor im Gemeinschaftsleben. Er war im Pfarrgemeinderat und Mitglied der Kirchenverwaltung in der Pfarrgemeinde St. Marien. Grau war lange Jahre Vorsitzender des Kleingartenvereins Coburg Nord (Spittelleite). Natürlich ist er auch treues Mitglied der Bundesgrenzschutzkameradschaft in Coburg.

Die Glückwünsche der römisch-katholischen Kirche überbrachte Dekan Roland Huth. Für die BGS-Kameradschaft Coburg gratulierte deren stellvertretender Vorsitzender Hans Rauscher.