Michael Busch Für den Bürger hat sich sichtbar nichts geändert. Aus der gemeinsamen Rettungsstelle Herzogenaurach des Bayerischen Roten Kreuzes und des ASB starten Rettungswagen mit Blaulicht in Richtung eines Einsatzes, die Fahrzeuge von "Essen auf Rädern" werden wahrgenommen, unterschiedliche Wagen der Rettungsorganisationen sind auf den Straßen unterwegs. Doch es ist gar nicht "alles wie immer", seit dem 16. März befindet sich das Rote Kreuz, auch in Herzogenaurach im Krisenmodus.

Thomas Heideloff, stellvertretender Rettungsdienstleiter, teilt mit: "Betreuungsdienst des BRK Erlangen-Höchstadt im Einsatz, aber noch lange nicht an der Leistungsgrenze!" Dabei nimmt er Bezug auf die Unterstützung bei einem Covid-19-Verdachtsfall in einer mit 68 Personen belegten Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Erlangen. Nach externer Isolation des Verdachtsfalles und Beratung der zuständigen Stellen, wurden die restlichen Bewohner unter "häusliche" Quarantäne gestellt.

Das Rote Kreuz wurde aktiv und hat eine den momentanen Bedürfnissen (Fastenmonat Ramadan und religiöse Besonderheiten) angepasste Notverpflegung zusammengestellt, die im Dreitages-Rhythmus durch Helfer des BRK-Betreuungsdienstes zusammengestellt, verpackt und vor Ort geliefert wird.

Über 20 000 Helfer bereit

Aber auch die Helfer in Herzogenaurach stehen bereit, um bei der Versorgung zu helfen, bei den Aufgaben im Krisenfall eingreifen zu können. "Etwa 12 000 ehrenamtliche Helfer bringen wir in Mittel- und Oberfranken auf, dazu 8000 Ehrenamtler der Wasserwacht", sagt Johannes Stegmann, Bezirksbereitschaftsleiter für diesen Bereich.

Seit dem 16. März ist der Einsatzstab Ober-/Mittelfranken im Einsatz. "Wir haben ein komplettes Management, das im Krisenmodus aktiv ist", erklärt er. Im Einsatzstab sind die wesentlichen Funktionen, die gebraucht werden, abgebildet. Das Einsatzwesen im Rettungsdienst ist ebenso vertreten wie die Fachkräfte, die die Lage, die Versorgung inklusive der psychosozialen Versorgung und viele Aufgaben mehr mit einbringen. Es sind Fragen zur eigenen Struktur, die eine wichtige Rolle spielen. "Haben wir genug Personal? Haben wir infiziertes Personal? Bekommen wir genug Kräfte freigestellt, damit diese ehrenamtlich arbeiten können?"

Stegmann kennt die Hilfe bei Katastrophen oder größeren Einsatzlagen. In diesem Fall gebe es aber doch deutliche Unterschiede zu einem Hochwasser. "Die Versorgung spielt eine wichtige Rolle. Da fällt die Logistik drunter, das Beschaffen und das Weiterverteilen von Einsatzmitteln." Es werde auch auf die eigenen Einheiten geschaut, um zu sehen, was man gegebenenfalls weiterverteilen kann. "Wir bilden zum Beispiel Rettungssanitäter aus", sagt Stegmann. "Daher haben wir dort benötigte Materialien, Defibillatoren oder Beatmungsgeräte." Es wird auch in Herzogenaurach geschaut, was es dort gibt, was benötigt wird.

"Wir bekommen von den Untereinheiten jeden Tag bis 10 Uhr die Meldungen dazu, um entsprechend planen zu können", führt der Ehrenamtler aus. Er erzählt, dass man Ende der Woche 200 Schutzanzüge nach Wunsiedel gebracht habe. "Heute geht es nach Würzburg, um dort 1000 Kittel zu holen." Langeweile geht anders. Mit Lkw werden die Materialien geholt und verteilt.

Besondere Wünsche

Zum aktuellen Fall der Quarantäne in der Erlanger Unterkunft ist das Prozedere nachvollziehbar. Der zuständige Einsatzleiter gibt das an den Krisenstab weiter, die Mengen, von den Sachen, die gebraucht werden. Auch die Besonderheiten wie die religiösen Anforderungen oder Laktoseintoleranz bei der Verpflegung. "Das wiederum geben wir an die Leitung in München weiter", sagt Stegmann. "Wir haben dadurch einen praxisnahen und validen Weg vom Einsatzort bis ins Lagezentrum in München.

Wichtig: "Wir sind keine Behörde, sondern ein Zusammenschluss von haupt- und ehrenamtlichen Helfern, die aus der Praxis kommen." Vieles von diesen Dingen bekommt der Bürger gar nicht mit. Auch, weil es hervorragend zwischen Haupt- und Ehrenamt funktioniert. Stegmann: "Wir arbeiten da Hand in Hand." Vieles läuft scheinbar normal. Doch es ist alles andere als eine Normalität - auch nicht in Herzogenaurach.