Der DGB Oberfranken prangert den umfangreichen Niedriglohnsektor im Landkreis Coburg an. Mit 27,2 Prozent sei das Niedriglohnrisiko hier am zweithöchsten im Freistaat Bayern. Nur die Stadt Hof weise ein noch höheres Risiko auf. Die Stadt Coburg liegt laut DGB bei einem Wert von 15,8 Prozent. Die Daten stammen aus dem neuen Report "Tatort Niedriglohn in Bayern", den der DGB Bayern mit der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) erstellt hat.

"Kein Randphänomen mehr"

Mathias Eckardt, DGB-Regionsgeschäftsführer in Oberfranken, sagt dazu: "Niedriglöhne sind kein Randphänomen mehr. Sie sind auch im reichen Bayern Alltag für rund eine Million Arbeitnehmer. Als Gewerkschaften wollen wir uns mit diesem Zustand nicht arrangieren. Wir wollen es nicht hinnehmen, dass große Teile unserer Kollegen vom wachsenden Wohlstand abgekoppelt sind und mit Armutslöhnen abgespeist werden."

Gemäß einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit seien alleine im Landkreis Coburg mehr als 5100 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen. Besonders hoch sei das Niedriglohnrisiko für Beschäftigte im Wirtschaftszweig Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (38,1 Prozent). Aber auch in den Wirtschaftszweigen kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus (35,7 Prozent) sowie Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung (28,4 Prozent) erhalten viele Beschäftigte einen Lohn unterhalb der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro pro Stunde.

5100 Niedriglöhner in Vollzeit seien aber nur die Spitze des Eisbergs in Coburg: Hinzu kämen noch Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Minijobs. Für den DGB ist es daher dringend geboten, den im europäischen Vergleich hohen Niedriglohnsektor auszutrocknen. Auch die kommunale Ebene müsse ihrer Verantwortung gerecht werden: Öffentliche Aufträge müssten an die Tarifbindung und damit an ordentliche Löhne gekoppelt werden.

Eckardt: "Wir sehen ganz klar den Zusammenhang zwischen Tarifbindung und guten Löhnen. Während das Niedriglohnrisiko der Beschäftigten ohne Tarifbindung 2018 in Bayern bei 21,1 Prozent lag, galt dies für nur 8,1 Prozent der Beschäftigten mit Tarifbindung. Es muss im Interesse der öffentlichen Hand liegen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können und im Alter gut versorgt sind. Auch in Stadt und Landkreis Coburg brauchen wir deshalb eine Auftragsvergabe ohne Lohndumping. Hier ist ein Tatort entstanden, der den betroffenen Menschen Perspektiven auf ein gutes Leben raubt." red