Die Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar unterstreicht nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt die Verpflichtung der Politik, alle Einschränkungen nachvollziehbar zu gestalten, den vom Lockdown existenziell betroffenen Betrieben und Selbstständigen deutlich schneller als bisher zu helfen und der Wirtschaft mit epidemiologisch fundierten Öffnungskonzepten Perspektiven und Planbarkeit zu geben.

"Der Lockdown verlangt der Wirtschaft, den Betrieben, Selbstständigen und Arbeitnehmern alles ab. In den besonders betroffenen Branchen herrscht Verzweiflung bis zur blanken Existenzangst. Deswegen betont die IHK: Jeder Lockdown und jede Verlängerung dessen müssen Hand in Hand mit schnellen Hilfen und einem Öffnungsplan gehen", sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer Ralf Jahn.

Eigener Ausschuss

Zur IHK Würzburg-Schweinfurt gehören auch die Unternehmen im Landkreis Haßberge. Sie bilden einen eigenen Ausschuss, den Gremialausschuss Haßberge

Die IHK schätzt, wie aus einer Mitteilung des Verbandes hervorgeht, dass der harte Lockdown jede Woche die bayerische Wirtschaftsleistung um mehr als eine Milliarde Euro schmälert. Von den Schließungen direkt und indirekt besonders betroffen sind das Gastgewerbe, der stationäre Einzelhandel außerhalb des Lebensmittelbereichs, der Tourismus, die Veranstaltungs- und Messewirtschaft, das Taxigewerbe und viele Dienstleister.

Jahn begrüßt deshalb ausdrücklich die vom Bund beschlossenen Verbesserungen bei den Überbrückungshilfen. Nun müsse sich die Bundesregierung dringend um die technischen Voraussetzungen bei den Bewilligungs-Plattformen des Bundes kümmern und für Corona-Anpassungen im EU-Beihilferecht kämpfen. "Corona-Überbrückungshilfen sind keine Fördergelder, sondern Ersatzzahlungen für Umsatzausfälle sowie nicht gedeckte Fixkosten aufgrund der staatlich angeordneten Schließungen", betont er.

"Geradezu lebenswichtig"

Laut Jahn ist die von der IHK-Organisation geforderte und nun erfolgte weitere Aussetzung der Insolvenzantragsfrist bis 30. April im Falle einer Antragsberechtigung auf Wirtschaftshilfen geradezu lebenswichtig, "auch wenn diese Erleichterung die schmerzliche Lage in vielen Betrieben überaus deutlich macht".

In Bayern bearbeitet die IHK für München und Oberbayern als zentrale Bewilligungsstelle die Überbrückungshilfen. Insgesamt sind den Angaben zufolge bislang in den Hilfsprogrammen Überbrückungshilfe 1 und 2 sowie in der Novemberhilfe 1,1 Milliarden Euro an über 113 000 Antragsteller im Freistaat ausgezahlt worden. red